Faken, Fälschen, Fingieren

Faken, Fälschen, Fingieren


Bewertungssoziologische Analysen 
zur Gewissheit des Scheinbaren
(AK Soziologie des (Be-)Wertens)

Oliver Berli (Köln) & Stefan Nicolae (Trier)

 

Session 5-6: Faken, Fälschen, Fingieren …

E 414

Freitag, 11:00-13:00 Uhr

 

Stefan Nicolae
(Trier) &
Oliver Berli
(Köln)

Faken, Fälschen, Fingieren. Einleitende Bemerkungen zur Bewertung des Scheinbaren

Bischur Daniel 
(Trier)

Neither Fake Nor Fact. Überlegungen zu unscharfen naturwissenschaftlichen Grundlegungen und verborgenen Wertlogiken in der Hervorbringung von Grenzwerten im Umweltschutz am Beispiel der Feinstaub-Debatte

Fabian Beer 
(Frankfurt am Main)

Transgressing the Boundaries von Sinnsystemen. Sokals Hoax und die Anschlüsse im Wissenschaftssystem

Gerrit Fröhlich 

(Trier)

Richtiges Spielen im falschen? Form und Funktion von Authentizitätsfiktionen im Bereich digitaler Spiele

Cristina Popescu (Bielefeld)

The truth of the researcher in social sciences

 

In der journalistischen Landschaft haben „Fakes“ – vornehmlich aufgrund politischen und medialen Transformationen der letzten Jahre – eine kaum zu übersehende Renaissance erfahren. „Fake News“, „Post Truth“, oder „Alternative Facts“ sind nur einige der Label, unter welchen die Differenzen zwischen richtigen und falschen medial verbreiteten Informationen diskutiert werden. Aber auch in anderen gesellschaftlichen Sphären fordern Praktiken des Fakens, Fälschens und Fingierens die bestehenden Legitimations- und Wertigkeitsordnungen deutlich heraus. Wie jede intersubjektive Konstruktion bedürfen Fakes gradueller Formen der Institutionalisierung, zu denen auch die zahlreichen (mehr oder minder standardisierten) Prüfverfahren gehören mit denen Fakes als solche deklariert werden. Neben dem journalistischem Feld bietet die Kunstwelt ein reichhaltiges Repertoire an empirischen Beispielen für diese Praktiken, deren Aufdeckung und Aufarbeitung mit zum Teil disruptiven Effekten (bspw. der Fall Beltracchi) einhergehen kann. Die Bandbreite weiterer empirischer Beispiele ist denkbar groß: Alltägliche Gebrauchsgegenstände, Lebensläufe, Luxusprodukte, Designobjekte, Kunstwerke, Forschungsdaten, oder auch Nahrungsmitteln können Gegenstand von fake-Praktiken werden. Aber nicht nur „abgeschlossene“ Objekte, sondern auch deren Herstellungs- bzw. Generierungsformen können vorgetäuscht werden. Weiterhin lassen sich auch Formen der Diskreditierung von Personen, Praktiken und Objekten als fake (bspw. als nicht authentisch in der populären Musik) beobachten.

Im Rahmen des Wissenssoziologie-Kongresses wollen wir Fakes und die damit verbundenen Praktiken in ihrer empirischen Vielfalt mit einem bewertungsanalytischen Fokus diskutieren. Dabei lassen sich unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund rücken:

 

  • die Formen der Hervorbringung von Fakes, Fälschungen und dergleichen (bspw. Datenmanipulation, Imitation verschollener Kunstwerke, Zeugnisfälschung),
  • die Formen der „Aufdeckung“ von Fälschungen (bspw. technische Prüfverfahren für Kunstwerke, Plagiatsprüfungen),

  • die Formen der Diskreditierung von Objekten, Praktiken und Personen als fake (bspw. Fake News-Vorwürfe),

  • deren gesellschaftliche wie auch feldspezifische Voraussetzungen (z.B. Authentizitäts-, Moral- oder auch Objektivitätsvorstellungen),

  • die gesellschaftlichen wie auch feldspezifischen Effekte von Aufdeckung und Diskreditierung (bspw. Relativierung wissenschaftlicher Deutungsangebote).

 

Erwartet werden theoretisch oder empirisch angelegte Beiträge, die sich an diesen oder komplementären Fragestellungen orientieren. Titelvorschläge mit einem Exposé von maximal einer Seite (ca. 3.000 Zeichen) richten Sie bitte bis zum 31.03.2019 an: 
oberli@uni-koeln.de und nicolae@uni-trier.de