Was sind OER?

WISSEN TEILEN DANK OPEN EDUCATIONAL RESOURCES

 

Die Abkürzung OER steht für Open Educational Resources, also für offene oder auch freie Bildungsmaterialien. Dahinter verbergen sich sowohl analoge als auch digitale Lehr-, Lern- und Forschungsmaterialien jeglicher Art und in jedem Medium. Einzelne Texte oder ganze Bücher, Lehrpläne, Kursinhalte, Poster, Bilder, Arbeitsblätter, Diagramme, Musik, Videos oder Karten – all dies und viele Dinge mehr können Open Educational Resources sein.

Thumbnail Film Was sind OER? Teil 1 Open Educational Resources

Film: Was sind OER?

Der Bestandteil ‚educational‘ bedeutet dabei aber nicht zwingend, dass es sich um ein explizit zu Bildungszwecken erstelltes Material handeln muss. Auch Medien, die ursprünglich keine didaktischen Elemente oder Hinweise enthalten, aber dennoch den Lernprozess unterstützen oder als Teil einer Lehr-Lernressource dienen, können als Open Educational Ressources betrachtet werden. Schließlich erleichtern auch sie den Zugang zu Wissen.

 

Die Besonderheit an diesen speziellen Medien ist, dass sie entweder gemeinfrei sind (also nicht mehr unter dem Schutz des Urheberrechts stehen) oder dass sie unter einer freien Lizenz veröffentlicht wurden. Solch freie Lizenzen bewegen sich im Rahmen des Urheberrechts und ermöglichen zum einen den kostenlosen Zugang zum Material, zum anderen aber auch dessen Benutzung und Weiterverbreitung durch Dritte. Dabei bestimmen die Urhebenden selbst, welche Nutzungsrechte sie anderen einräumen, welche Rechte sie sich selbst vorbehalten möchten und an welche Bedingungen sie die Nutzung ihrer Werke knüpfen.

Ein zentraler Aspekt von Open Educational Resources sind also ihre speziellen freien Lizenzen. Sie bestimmen die Reichweite einer Nutzung, Bearbeitung und Wiederverwendung und machen diese rechtlich überhaupt erst möglich. Diese Lizenzierung erfolgt in Deutschland in der Regel durch die Verwendung der Creative Commons Lizenzen.

 

OER sind Lehr-, Lern- und Forschungsressourcen in Form jeden Mediums, digital oder anderweitig, die gemeinfrei sind oder unter einer offenen Lizenz veröffentlicht wurden, welche den kostenlosen Zugang sowie die kostenlose Nutzung, Bearbeitung und Weiterverbreitung durch Andere ohne oder mit geringfügigen Einschränkungen erlaubt. Das Prinzip der offenen Lizenzierung bewegt sich innerhalb des bestehenden Rahmens des Urheberrechts, wie er durch einschlägige internationale Abkommen festgelegt ist, und respektiert die Urheberschaft an einem Werk. OER stellen eine strategische Möglichkeit zur Verbesserung von Wissensaustausch, Kapazitätsaufbau und universellem Zugang zu hochwertigen Lern- und Lehrmitteln dar.“

 

 

In den nachfolgenden Abschnitten geben wir einen Überblick darüber, wie frei Open Educational Resources sind und welche Möglichkeiten der Nutzung sie mitbringen.  Lesen Sie auch gerne weiter, welche Mehrwerte OER für Hochschulen bieten, warum sie so beliebt sind und wie sich die Bewegung rund um OER im Laufe der Zeit entwickelt hat.

Thumbnail Film Was sind OER? Teil 2 Warum benötigt man OER?

Film: Warum benötigt man OER?

 

Open Educational Resources werden im Deutschen oft mit „freien Bildungsressourcen“ oder „offenen Bildungsmaterialien“ übersetzt. Dies liegt daran, dass wenn man von OER spricht, mit dem Begriff ‚open‘ sowohl ‚frei‘ als auch ‚offen‘ gemeint ist. Das Attribut ‚frei‘ bezieht sich dabei auf den freien Zugang und die freie Verfügbarkeit der Materialien (vergleichbar dem Open Access), während ‚offen‘ die Möglichkeiten der Veränderungen und Bearbeitung des Materials betont. Der US-amerikanische Lernpsychologe und Instruktionsdesigner David Wiley hat sich bemüht, den Begriff der Offenheit genauer zu definieren, und umschreibt ihn als das Recht, mit einem Material die folgenden fünf Aktivitäten (5R Activities oder 5R Permissions) ausüben zu dürfen:

 

1. Behalten (Retain). Bewahren Sie das Wissen.

Darunter wird die Freiheit verstanden, eine Kopie der Ressource erstellen, besitzen und kontrollieren (z. B. eine eigene Kopie herunterladen und behalten) zu dürfen.

2. Weitergeben (Redistribute). Teilen Sie das Wissen.

Darunter wird die Erlaubnis verstanden, Kopien einer ursprünglichen, überarbeiteten oder neu gemischten Version der Ressource an andere weiter zu geben (z. B. eine Kopie online zu stellen oder Sie an Freunde oder Kollegen zu verteilen).

3. Überarbeiten (Revise). Adaptieren Sie das Wissen.

Darunter wird das Recht verstanden, ein Material bearbeiten, anpassen und verändern (z. B. in eine andere Sprache übersetzen) zu dürfen.

4. Vermischen (Remix). Erweitern Sie das Wissen.

Darunter wird die Möglichkeit verstanden, eine ursprüngliche oder überarbeitete Kopie der Ressource mit anderem vorhandenen Material kombinieren zu dürfen, um etwas Neues zu schaffen.

5. Wiederverwenden (Reuse). Nutzen Sie das Wissen.

Darunter wird die Freiheit verstanden, eine ursprüngliche, überarbeitete oder neu gemischte Kopie der Ressource öffentlich, z. B. auf einer Website, in einer Präsentation oder im Unterricht, zu verwenden.

 

Dennoch: die eine einzige, allgemeingültige Definition von OER gibt es nicht. Die Vorstellungen, was genau als Open Educational Resources gelten kann und was nicht, variieren. Vor allem der Begriff der Offenheit gibt kontinuierlich Anlass zu Diskussionen.

Häufig wird bei der Konkretisierung von Offenheit auf die 5R Acitivities von Wiley und auf die Definition der UNESCO verwiesen. Interpretiert man diese sehr streng, kann als OER nur solches Material gelten, dass alle 5R Aktivitäten zulässt und keine Personen, Gruppen oder Nutzungszwecke ausschließt. Nach dieser Betrachtungsweise können nur die Materialien, die auch zu kommerziellen Zwecken genutzt werden dürfen, die Veränderungen zulassen und die kostenlos und frei zugänglich sind, als ‚echte‘ Open Educational Resources gelten.

Andere Interpretationen verstehen dies offener und betrachten alle Materialien, die zumindest frei zugänglich sind und öffentlich genutzt und weitergegeben werden dürfen, als OER. Wahre Offenheit beginnt mit kleinen Schritten, und es soll jeder UrheberIn gestattet sein, sich frei entscheiden zu können, wie weit sie ihr Material für andere öffnen möchte. Demnach ist allein das Bereitstellen von Lehr- und Lernressourcen, selbst ohne die Möglichkeiten zu einer Veränderung oder kommerziellen Nutzung, eine Form der Öffnung von Bildung für alle und des Teilens von Wissen. Nach diesem Verständnis können alle unter einer CC-Lizenz veröffentlichten Materialien als Open Educational Resources gelten.

 

Quelle der 5R Aktivitäten:  David Wiley, Defining the „Open” in Open Content and Open Educational Resources, 2014

In der heutigen Zeit teilen wir schon viele Dinge digital mit anderen Menschen. Wir verabreden uns per Messenger mit Freunden und Bekannten, teilen unsere Termine über digitale Kalender mit den Kollegen, wir schicken die schönsten Urlaubsbilder durch die Social-Media-Kanäle. Doch unser Fachwissen wird weiterhin oft nur analog weitergegeben – oder es bleibt einfach in unseren Köpfen. Warum nutzen wir nicht die Vorteile digitaler Medien auch in Forschung und Lehre? Warum teilen wir nicht unser Wissen? Genau darum geht es bei OER.

 

> OER sind Materialquellen

> OER bieten Rechtssicherheit

> OER sind Publikationen

> OER sind nachhaltig

> OER können die Lehre bereichern

 

OER sind Materialquellen. Es gibt alle möglichen denkbaren Szenarien, warum Hochschullehrende aber auch Studierende nach Lehrmaterialien oder Teilen davon suchen. Manchmal brauchen wir für die nächste Vorlesung noch ein passendes Bild, manchmal für die nächste Präsentation noch eine gut gestaltete Infografik. Manchmal benötigen wir auch einfach nur etwas Inspiration, wie man einen Inhalt am besten didaktisch darstellt und sind neugierig, wie andere diese Herausforderung gemeistert haben.

Dies ist auch völlig legitim, warum schließlich sollte man das Rad immer neu erfinden?

Der nächste Schritt bei dieser Suche führt uns dann meistens zu den bekannten Suchmaschinen und wir durchforsten das Internet nach passenden Ergebnissen. Und oft wird es auch vorkommen, dass wir ein anreicherndes Video, eine gute Präsentation oder auch die fast perfekte Infografik finden, und wir würden das Material gerne nutzen und noch etwas auf unsere Bedürfnisse zuschneiden und anpassen. Aber leider verbietet uns das Urheberrecht in den meisten Fällen eine solche Verwendung des geschützten Materials.

Wäre es nicht schön, Materialien zu haben, die wir nicht nur finden, sondern auch nutzen und bearbeiten und anpassen und weiterverbreiten dürften? Wenn andere ihr Wissen frei mit uns teilen würden?

Zum Glück gibt es Open Educational Resources (OER). Diese offenen Materialien erlauben uns, je nachdem, mit welcher freien Lizenz sie versehen wurden, nämlich genau das. OER bieten den Vorteil, dass sie nicht nur in aller Regel kostenlos zugänglich sind, sondern sie dürfen auch genutzt, bearbeitet, vermischt und weiter geteilt werden. Anhand von freien Lehr-Lern-Ressourcen können wir also die Vorteile der Digitalisierung von Bildungsmaterialien voll ausschöpfen, und werden dabei nicht durch das Urheberrecht ausgebremst. Und die nächste gute Nachricht: auch mit den gängigen Suchmaschinen können wir gezielt OER suchen und finden.

Open Educational Resources sind zahlreich, sie sind vielseitig und einfach super praktisch. Zudem können sie eine große Zeitersparnis durch den Austausch und die Wiederverwendung von Lehr-Lern-Materialien bedeuten.

 

OER bieten Rechtssicherheit. Das deutsche Urheberrecht ist umfangreich, komplex und mitunter auch kompliziert. In den meisten Fällen verwehrt es uns eine Nutzung, Veränderung und Vervielfältigung von fremdem Material. Auch wenn das Urheberrecht für den Bereich der Lehre und Forschung in einem streng reglementierten Rechtskatalog durch entsprechende Schrankenregelungen eine gewisse Nutzung von Werken Dritter zulässt, so sind wir angesichts deren hoher juristischer Komplexität doch oft verunsichert. Die Schrankenregelungen unterliegen zahlreichen, strikten Anwendungsvoraussetzungen, was uns im Zweifel von einer Verwendung des Materials dann doch absehen lässt.

OER bieten hier eine einfache, eindeutige und rechtssichere Variante der Nutzung von Werken Dritter. Durch die Verwendung spezieller, offener Lizenzen ist klar gekennzeichnet und leicht nachvollziehbar, welche Nutzungsrechte eine UrheberIn einräumt, und welche Bedingungen sie oder er dazu stellt. Die empfohlenen Creative Commons Lizenzen nutzen hierzu ein Baukastensystem mit verschiedenen Piktogrammen, die niedrigschwellig Zugang zu der Thematik verschaffen und recht leicht verstehen lassen, was genau ich mit einem Material tun darf, und was nicht.

 

OER sind Publikationen. So haben wir nicht nur einen Vorteil davon, wenn wir OER nutzen. Wir können auch Vorteile dadurch haben, dass wir OER erstellen. Vor allem seit in den ersten Wochen der Covid-19-Pandemie ad-hoc pragmatische Lösungen gefunden werden mussten, um die universitäre Lehre aufrechterhalten und auf Distanz durchführen zu können, hat die digitale Transformation unseren universitären Alltag stark verändert. Infolge dessen sind enorm viele Lehr-Lernmaterialien in digitalen Formaten erstellt worden. Warum sollten diese im virtuellen Keller Staub ansetzen? Schließlich haben wir oft sehr viel Zeit und Arbeit in die Erstellung unseres Lehrmaterials investiert. Durch die Veröffentlichung zumindest einiger dieser Materialien als OER, können unsere bisher angestellten aber für die Öffentlichkeit doch eher unsichtbaren digitalen Bemühungen breit sichtbar werden. Open Educational Resources ermöglichen es somit, die Lehre – als zweites akademisches Feld neben der Forschung – für Publikationen zu öffnen.

Wird dann unser bereitgestelltes Material verwendet, verbreitet sich auch unser eigener Name, ähnlich wie bei Open Access Publikationen. Und so können qualitativ hochwertige OER auch Neugier auf andere klassische Publikationen wecken.

 

OER sind nachhaltig. Bei urheberrechtlich geschütztem Material ist man immer darauf angewiesen, dass die UrheberIn oder Verlage sie weiterhin zur Verfügung stellen, z.B. neue Auflagen drucken oder Onlinezugänge gewährleisten. Tun sie das nicht, kann die Ressource verloren gehen. Da ein als OER gekennzeichnetes Werk beliebig oft kopiert, gespeichert und bereitgestellt werden kann, hat es die Chance, sehr langlebig zu sein.

Zudem kann die Nutzung von OER die Effizienz steigern. Nicht jedes einzelne Arbeitsblatt müssen wir selbst erstellen. Nicht jedes in einer Vorlesung verwendete Foto müssen wir selbst schießen. Nicht jede Infografik müssen wir selbst anfertigen. Die Verwendung von OER kann dazu beitragen, dass wir Materialien, Energie, Geld, Zeit und andere Ressourcen sinnvoller nutzen können, als das Rad immer wieder neu zu erfinden. Durch Open Educational Resources können wir mitnutzen, was andere vor uns erdacht haben. Wir können deren Material ergänzen, aktualisieren oder anderweitig an unsere Bedürfnisse anpassen – und diese Ergebnisse wiederum anderen zur Verfügung stellen. Wir recyclen Wissen. (Gerade bei durch öffentliche Gelder entwickeltem Material macht es wenig Sinn, wenn wir diese öffentlich finanzierten Lehrressourcen nicht auch wieder einer Öffentlichkeit zugänglich machen würden.)

Auch unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit können OER zur Nachhaltigkeit beitragen. Dadurch, dass keine zusätzlichen rechtlichen Hürden für ihre Weitergabe bestehen, können sie unabhängig vom globalen oder sozialen Standort weitergegeben oder genutzt werden. Sie sind eine erwägenswerte Form, um den Transfer von Wissen und die Bereitstellung von Bildung chancengerecht und inklusiv zu ermöglichen.

 

OER können die Lehre bereichern. So unterschiedlich wie die Menschen selbst sind auch ihre Arten zu lernen. Bildungssysteme sollten sich auf diese Heterogenität flexibel einstellen können. Sie dürfen nicht starr sein, sondern müssen sich weiterentwickeln und ggf. adaptieren. Chancengerechtigkeit und Inklusivität spielen in der Bildung eine besonders große Rolle. Möglichst vielen Menschen soll der Zugang zu hochwertiger Bildung ermöglicht werden. Damit Bildung flexibel gestaltet werden kann, um wirklich alle Menschen zu erreichen, müssen wir zum einen unser Wissen teilen, und zum anderen müssen auch die Materialien, mit denen wir unterrichten oder unterrichtet werden, entsprechend variabel sein.

Gerade in pädagogischen Kontexten ist es wichtig, dass wir Lehr-Lernmaterialien verändern können, um sie an den aktuellen Bedarf und an die jeweilige Zielgruppe und unterschiedliche Lernstände anzupassen. Durch Open Educational Resources erhalten wir Bildungsmaterialien, die wir nicht nur lesen und verwahren, sondern auch bearbeiten und verändern, also kürzen, ergänzen, digitalisieren, analogisieren, übersetzen oder auch mit anderen Materialien zu etwas Neuem vermischen können. Nur so können wir Materialien erstellen, zusammenstellen und verbreiten, die perfekt auf die Bedürfnisse der Lernenden und ihre Kompetenzniveaus zugeschnitten sind. Lehrende können OER also nicht nur frei abrufen, sondern auch für die eigene Lehre anpassen und dadurch einen Qualitätszuwachs erzielen.

Und zu guter Letzt können durch die Offenheit von OER verschiedene Gruppen wie Lehrende, aber auch Lernende zusammen und miteinander, kollaborativ und kooperativ, an der Weiterentwicklung von Bildungsmaterialien arbeiten. Daraus können sich dynamische Prozesse ergeben, die zu innovativen Lehr- und Lernszenarien führen können. Durch konstruktiven Austausch mit anderen Lehrenden und Forschenden, auch zwischen verschiedenen Hochschulen oder sogar ExpertInnen außerhalb der Universitäten, können wertvolle Anregungen für die Qualitätssteigerung der eigenen Lehre erhalten und gegeben werden. Studierende können in die Entwicklung von Bildungsmaterialien einbezogen und zu aktiven Gestaltern ihres Lernraums werden. OER vereinfachen es, dass Bildung immer besser werden und immer mehr Menschen erreichen kann.

Der Ursprung der Open Educational Resources liegt im akademischen Bereich und reicht bis zum Beginn des aktuellen Jahrtausends zurück. OER nahmen ihren Anfang, als das Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Jahr 2001 ankündigte, fortan einen Großteil seiner Lehrmaterialien in Form von Videos, Literaturlisten und anderen Contentformaten öffentlich zugänglich zu machen. Wenig später fand im Sommer 2002 in Paris ein Forum über die „Auswirkungen von Open Courseware für die Hochschulbildung in Entwicklungsländern“ statt, in dessen Rahmen der Begriff der ‚Open Educational Resources‘ von der UNESCO geprägt wurde.

In den Folgejahren entwickelte sich daraus weltweit eine regelrechte OER-Bewegung. Im September 2007 fand ein Meeting von Anhängern dieser Bewegung in Kapstadt statt. Ziel dieses Treffens war es, die vielfältigen internationalen Bemühungen, offene Ressourcen, Technologien und Lehrmethoden innerhalb des Bildungswesens zu fördern und weiter zu verbreiten, in einen breiten, weltweiten Kontext zu stellen. Als Ergebnis dieser Konferenz wurde 2008 die Cape Town Open Declaration veröffentlicht. Sie betonte, dass die Erstellung und Nutzung von Open Educational Resources vor allem dem Ziel verpflichtet sein sollten, möglichst vielen Menschen Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Deutsche Diskurse erreichte das Thema verstärkt erst ab ca. 2012. Angestoßen durch die Auseinandersetzungen um sog. Schultrojaner, etablierte sich die Debatte um OER in Deutschland zunächst als eine reine Graswurzelbewegung von zumeist zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren. So fand auch der erste UNESCO Weltkongress zu Open Educational Resources 2012 in Paris noch ohne deutsche Beteiligung statt – leider symptomatisch für den damaligen deutschen Entwicklungsstand. Erst ab dem Jahr 2016 wurde die systematische Verbreitung des OER-Gedankens auch auf bundespolitischer Ebene durch KMK und BMBF aufgegriffen und in allen Bildungsbereichen weiterentwickelt.

Im Jahr 2017 fand der zweite UNESCO Weltkongress zu OER statt, diesmal auch mit deutscher Beteiligung. Unter dem Thema „OER für inklusive und chancengerechte hochwertige Bildung“ wurde in dessen Rahmen der OER-Aktionsplan von Ljubljana verabschiedet.

Seitdem hält der Gedanke der Open Educational Resources immer stärkeren Einzug in das deutsche Bildungssystem und an Schulen und Hochschulen.

 

Icon eines Buches, weiß Tipps zum Weiterlesen:
Butcher, Neil (2013): Was sind Open Educational Resources? Und andere häufig gestellte Fragen zu OER, deutsche Fassung bearbeitet von Barbara Malina und Jan Neumann, hrsg. von der Deutschen UNESCO-Kommission, Bonn.
Deimann, Markus; Neumann, Jan; Muuß-Merholz, Jöran (2015): Whitepaper Open Educational Resources (OER) an Hochschulen in Deutschland – Bestandsaufnahme und Potentiale 2015.
Malina, Barbara (2015): Leitfaden zu Open Educational Resources in der Hochschulbildung. Empfehlungen für Politik, Hochschulen, Lehrende und Studierende, hrsg. von der Deutschen UNESCO-Kommission, Bonn.
Muuß-Merholz, Jöran (2018): Freie Unterrichtsmaterialen finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen. Alles über Open Educational Resources, Weinheim.
Weitzmann, John H. (2014): Offene Bildungsressourcen (OER) in der Praxis, hrsg. von Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), 2. Auflage, Berlin.