Ringvorlesung im Sommersemester 2019: "Wertfragen im Pluralismus"

 Menge_Ringvorlesung19

Wenn davon ausgegangen wird, dass Werte-Debatten vor allem dann erkennbaren Aufwind gewinnen, wenn sich zur Selbstverständlichkeit geronnene Strukturen im Umbruch befinden und hierbei die „allgemein als legitim erachteten und deswegen positiv sanktionierten Werte auf minimale Verfahrensgrundsätze“ (Brumlik 1994: 22) zusammenschrumpfen, stehen die Zeichen der Zeit seit einigen Dekaden offensichtlich voll und ganz auf ein Leben in einer grundlegend in Veränderung begriffenen, „wertunsicheren Gesellschaft“ (Brezinka 1989). Denn vielfach sind Geltung und Anerkennung von Werten zur Disposition gestellt, erfolgen kulturkritische Klagelieder zum Wertezerfall und werden Anstrengungen unternommen, um scheinbar zurückgedrängte Werte zu rehabilitieren oder neue grundzulegen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind beispielsweise Konzepte der Werteerziehung in schulischen Kontexten wieder äußerst präsent. Und die schier unübersichtliche Menge an Ratgeberliteratur zur Wertevermittlung zeigt an, dass es offensichtlich einen manifesten Bedarf an Klärung, Reflexion und Expertise rund um Wertfragen gibt.

In den Bildungs- und Kulturwissenschaften ist der Status von Werten jedoch alles andere als unumstritten. Debattiert wird grundlegend hinsichtlich des szientifischen Charakters von Werten. Immer wieder werden dabei Stimmen laut, die ihnen einen reputierlichen Stand absprechen, sie sogar für nicht theoretisierbar halten und damit auch jegliche empirische Werteforschung radikal infrage stellen. Für die derart kritisch Gestimmten erschöpft sich die Funktion von Werten bloß in einer Gemeinsamkeitsunterstellung, die Kommunikation möglich macht (zuletzt Sommer 2016). Andere dagegen revitalisieren der Sache nach das Programm einer „Wertwissenschaft“ (Cohn 1932; Kraft 1951): Sie weisen argumentativ die Unmöglichkeit aus, das Leben wie auch die Wissenschaft ohne Werte zu führen. Dazu bringen sie Werte auf einen theoretisch elaborierten Begriff und nehmen sich empirisch differenzierter Forschung an, um rezente Wertfragen zu beantworten.

Die Ringvorlesung im Sommersemester 2019 rückt diese bildungs- und kulturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Werten ins Zentrum. Statt jedoch auf rein epistemologischer Grundlage dabei Debatten zum Status von Werten zu führen, wird anhand von konkreten Fragen und Problemen – wie dem Zusammenhang von Werten und kultureller Vielfalt, der biographischen Genese von Werten, dem (Un-)Wert der Literatur sowie der Spezifik religiöser Werte – ihr Geltungscharakter sondiert und damit das Anliegen einer (Wieder-)Gewinnung des bildungs- und kulturwissenschaftlichen Problembewusstseins um Wertfragen verfolgt.

Die Ringvorlesung findet ab dem 16.04.2019 wöchentlich am Dienstag von 18 bis 20 Uhr in E 413 statt. Sie ist geöffnet für alle Interessierten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei Fragen zur Ringvorlesung wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Thorsten Fuchs, tfuchs@uni-koblenz.de oder Dr. Silke Allmann, allmann@uni-koblenz.de.

(Bildnachweis: Colourbox)

16.04.2019

PD Dr. Werner Moskopp (Koblenz)
Über den konkreten Wert der Universalität – eine Kritik der meta-ethischen Vernunft, veranschaulicht am Beispiel eines kleinen, hilflosen, großäugigen männlichen Kükens
23.04.2019 Prof. Dr. Peter Rödler (Koblenz)
Pluralismus als Begegnungsform?
30.04.2019 Prof. Dr. Thorsten Fuchs & Dr. Silke Allmann (Koblenz)
Omnipräsent und doch am Schwinden? Über Werttheorien in der Pädagogik
07.05.2019  Prof. Dr. Angela Kaupp (Koblenz)
Weil nicht alles gleich-gültig ist. Werte und religiöse Bildung
14.05.2019  Prof. Dr. Stefan Weyers (Mainz)
Wer bin ich und was für ein Mensch möchte ich sein? Über„starke Wertungen“, Identität und Werterziehung - Fällt aus!
21.05.2019    Prof. Dr. Jutta Standop (Bonn)
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Wertevielfalt in der Schule? Reflexionen über den Erziehungsanspruch einer Institution und seine Realisierung
28.05.2019    Prof. Dr. Henning Schluß (Wien)
Einige Überlegungen zur Entwicklung und Bedeutung von Tugenden und Werten in der Pädagogik mit besonderer Rücksicht auf Aspekte des Klimawandels
04.06.2019   Prof. Dr. Dr. h.c. Winfried Böhm (Würzburg)
Gibt es ein „Maß“ für die Erziehung?
18.06.2019  Prof. Dr. Stefan Neuhaus (Koblenz)
Ist das Literatur oder kann das weg? Der Wert der Literatur in einer pluralen Gesellschaft
25.06.2019 Prof. Dr. Winfried Gebhardt (Koblenz)
Pluralismus - zerrieben zwischen rechtem Populismus und linkem Moralismus
02.07.2019 Prof. Dr. Diana Hanke-Boer (Koblenz)
Persönliche Werte: Kulturvergleichende Perspektiven ihrer psychologischen Funktionen
09.07.2019 Prof. Dr. Benno Hafeneger (Marburg)
Werte in und von Jugendkulturen   
16.07.2019 PD Dr. Erik Ode (Köln)
Politische Altlasten, humane Imperative und globale Öffentlichkeit – Vom Wert der Universität

 
Die Ringvorlesung findet wöchentlich am Dienstag von 18 bis 20 Uhr in E 413 statt.