Spiel- und Spielzeugforschung

Spielen als eine Hauptbeschäftigung von Kindern lässt sich als ein zeitloses Thema pädagogischer Forschung beschreiben. Aber nicht nur im kindlichen Alter wird gespielt, auch Erwachsene nutzen digitale und analoge Spiele zur Freizeitgestaltung. Insbesondere im Bereich der Forschung zu Gesellschaftsspielen und Spielzeugen zeigt sich jedoch eine Forschungslücke in der pädagogischen Auseinandersetzung. Hier knüpfen die Projekte des Arbeitsbereichs an, womit sich der Bereich der Spiel- und Spielzeugforschung unter besonderer Berücksichtigung von (migrationsbedingter) Heterogenität als eine Schwerpunktthematik der Professur darstellt. Hierzu werden verschiedene Projekte bearbeitet.

Neben "klassischen" Publikationen, wie Fachartikeln und Vorträgen, werden auch Reportagen und Interviews im Sinne der Wissenschaftskommunikation unterstützt, um Erkenntnisse weitergeben zu können und einen breiten Diskurs zu ermöglichen:

Diskussionspanel beim Research Day im Rahmen der Spiel '22 in Essen

Panel "Repräsentation und Diversity" (2022): Brettspielforschung in Deutschland – Präsentiert von Boardgame Historian Unterstützt durch die SPIEL und GameInLab: https://bghistorian.hypotheses.org/spiel-research-day-22

Einladung zum Podcast Familientreffen, u.a. mit Prof. Dr. Wiebke Waburg 

Meier, Julia; Wackermann, Ole (2021): Nur Rosa und Blau: Kaum Vielfalt im Kinderzimmer. NDR Info (Hg.): Familientreffen. Podcast. Online: https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4264.html (Stand: 15.05.2021)

Gastauftritt im ZDF-Wissensmagazin Leschs Kosmos, u.a. mit Prof. Dr. Wiebke Waburg

Lesch, Harald (2018): Mythos Geschlecht. Was Männer und Frauen wirklich unterscheidet. ZDF (Hg.): Leschs Kosmos. Wissensmagazin. Online: https://www.zdf.de/wissen/leschs-kosmos/mythos-geschlecht-was-maenner-und-frauen-wirklich-unterscheidet-100.html (Stand: 15.05.2021)

 

 

Zur historischen Einbettung von Gesellschaftsspielen – eine explorative Untersuchung beliebter Spiele

Jedes Jahr erscheint eine große Zahl neuer Gesellschaftsspiele – Tendenz steigend, wie bspw. die immer größer werdende Zahl an Ausstellern aus vielen Nationen und präsentierten Spielen auf der Spielemesse „Spiel `18“ zeigte. Es ist davon auszugehen, dass bei der Entwicklung und Vermarktung von Spielen neben Spielmechanik und Spielspaß die thematische Einbettung der Spiele eine große Rolle spielt und den Aufforderungscharakter dieser entscheidend bestimmt. Die in und mit Gesellschaftsspielen aufgegriffenen Themen sind sehr vielfältig und reichen von historischen, über lebensweltlich relevanten hin zu fantasiebezogenen Szenarien. Welche Themen genau wie aufgriffen werden, wurde bislang nicht wissenschaftlich untersucht.

Das von uns durchgeführte Forschungsprojekt schließt an dieser Forschungslücke an, es besteht aus zwei Teilprojekten. Im ersten Teilprojekt wird untersucht, welche Themen aktuell in den 100 beliebtesten Spielen der Internetseite Board Game Geek (BGG) aufgegriffen werden. BGG gilt auch im deutsch-sprachigen Raum als der größte Katalog für Brettspiele (vgl. Deutsches Spielemuseum 2018) und wurde ausgewählt, da die Datenbank neben Titelbild der Spieleschachteln, Fotos und Bewertungen auch Verknüpfungen zum Regelheften bietet, sodass Einleitungstexte zu Spielsetting und -thema barrierefrei zugänglich sind. Dieses Teilprojekt zielt auf die Entwicklung eines Kategoriensystems, um zunächst das in diesen Gesellschaftsspielen angesprochene Themenspektrum abzubilden. Des Weiteren können Aussagen zur Häufigkeit des Vorkommens unterschiedlicher Themen in den Spielen getroffen werden, welche von einer großen Zahl an Spieler*innen offenbar favorisiert werden. Dabei handelt es sich um die bekanntesten und beliebtesten Spiele, die von „Vielspieler*innen“ bzw. Menschen, die viele Spiele besitzen, einkaufen und testen, auf der Internetseite bewertet wurden.
Die vertiefte Analyse der in den Spielen abgebildeten historischen Szenarien erfolgt im zweiten Teilprojekt. Hier geht es um eine differenzierte Untersuchung der angesprochenen Epochen/Ereignisse/Themen/Personen, auf die rekurriert wird. Analysiert werden Spieleanleitungen, wobei wir uns auf die Einleitungen, in denen der historische Rahmen entfaltet wird, sowie Textbausteine, die explizit und unabhängig von den Spielregeln auf historische Hintergründe eingehen, beschränken.

Vortrag:

Waburg, Wiebke; Sterzenbach, Barbara; Mehringer, Volker (2019): Zur historischen Einbettung von Gesellschaftsspielen – eine explorative Untersuchung beliebter Spiele". Beitrag zum Internationalen Symposium "Mit Geschichte spielen – Zur materiellen Kultur von Spielzeug und Spielen als Darstellung der Vergangenheit" am 15. November 2019 in Salzburg.

Veröffentlichung:

Sterzenbach, Barbara; Waburg, Wiebke (2021): Zur historischen Einbettung von Brettspielen – Eine explorative Untersuchung. In: Ch. Kühberger (Hg.): Mit Geschichte spielen. Zur materiellen Kultur von Spielzeug und Spielen als Darstellung der Vergangenheit. Bielefeld: transcript.

Gegenwärtig wird Spielzeug sehr häufig speziell für Mädchen oder Jungen produziert. Darüber hinaus sind die meisten der gegenwärtig erhältlichen Spielzeuge und Spielfiguren entsprechend vorherrschender Normalitätsvorstellungen westlicher Gesellschaften gestaltet. Das heißt, dass sie meist weiß, ohne (körperliche) Beeinträchtigung, schlank und jung sind. Sie tragen zudem teure Kleidung und gehen gut bezahlten Berufen nach. Kinder, die selbst oder deren familiäre Lebenswelten diesen Vorstellungen nicht entsprechen, finden wenig oder keine Identifikationsmöglichkeiten im aktuellen Spielzeugangebot.

Im Projekt wird vor diesem Hintergrund untersucht, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf Spielzeuge, die neben Geschlecht andere Diversity-Dimensionen – wie Hautfarbe, Behinderung, Krankheit, Körperform, Alter, Berufe – berücksichtigen, reagieren und wie sie mit ihnen spielen. 

Das Projekt beinhaltet (I) die Analyse des aktuellen Spielwarenangebots unter der Berücksichtigung der Diversity-Perspektive, (II) einen pädagogisch-praktischen Teil und (III) die empirische Untersuchung des Umgangs mit diversity-sensiblem Spielzeug.

 

Projektleitung: Prof. Dr. Wiebke Waburg, Dr. Volker Mehringer (Universität Augsburg)

 

Veröffentlichungen:

Waburg, Wiebke; Haustov, Alexandra; Kranixfeld, Micha, Sterzenbach, Barbara (2021): „Spielen mit Geschmack“: Zur Repräsentation ethnischer Gastronomie in Spielzeug am Beispiel von Kebab-Grills. In: Petra Götte; Wiebke Waburg (Hrsg.): Den Dingen auf der Spur … Zum Umgang mit Gegenständen in Kindheit und Jugend. Wiesbaden: Springer VS.

Sterzenbach, Barbara (2020): Normalitätsvorstellungen in Gesellschaftsspielen aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive – eine explorative Studie. In: Volker Mehringer; Wiebke Waburg (Hrsg.): Spielzeug, Spiele und Spielen. Aktuelle Studien und Konzepte. Wiesbaden: Springer VS, S. 103-122.

Waburg, Wiebke (2018): Diversität in Spielzeugen – wo ist sie und warum fehlt sie? Theoretische, empirische und pädagogische Annäherungen. Zeitschrift für Diversitätsforschung und  ‑management, S. 49-62. 

 

Vorträge:

Sterzenbach, Barbara (2019): Rollenangebote in Brettspielen für Kinder und Jugendliche. Vortrag gehalten auf der Tagung "Dinge der Kindheit - Dinge der Jugend". Universität Koblenz-Landau, Koblenz, 26.-27.07.2019, 

Mehringer, Volker; Waburg, Wiebke (2018): Toys and Diversity. Paper presented at the 8th International Toy Reserach Association (ITRA) World  Conference ​2018, Université Paris 13, Université Sorbonne Paris Cité, Paris, 11.-13.07.2018, 

Mehringer, Volker, Waburg, Wiebke (2017): Toys and diversity. Paper presented at the 27th ICCP World Play Conference. Vilnius, 15.-17.06.2017.

Waburg, Wiebke (2017): Diversitäts-bewusstes Spielzeug – Welche Dimensionen finden neben Geschlecht Berücksichtigung? Vortrag gehalten im Rahmen des Symposiums „Genderforschung – multidisziplinär“. Universität Augsburg, Augsburg, 16.-17.02.2017.