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Anhand von und im Dialog mit Objekten der vom Landesmuseum Koblenz betreuten Sammlung Poignard, die bürgerliche Ess- und Tischkultur insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts umfasst, werden transversale Fragestellungen zur Inklusion-Exklusion, zur Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie zur Normierung von Körper- und Ernährungspraktiken entwickelt, um neue Sichtweisen auf einzelne Segmente der Migrations-, Integrations-, Gender- und Intersektionalitätsforschung zu erproben. Die Exponate der Sammlung Poignard werden mit Blick auf ihre praktischen Funktionen und ihre Bedeutungszusammenhänge erläutert und diskutiert. Sie bilden den Ausgangspunkt für gemeinsame Fragestellungen und übergreifende kulturanthropologische Überlegungen. Die „Sprache“ der musealen Objekte (die als ehemalige Gebrauchsgegenstände und gegenwärtige Ausstellungsstücke immer eine doppelte Sprache ist) soll übersetzt und integriert werden in die jeweiligen Fachdiskurse, um für spezifische Praktiken und Semantiken zu sensibilisieren. Die jeweiligen Forschungsergebnisse werden nicht interdisziplinär aneinandergereiht, sondern auf gemeinsame Begriffe gebracht und in Parallelerzählungen erneut mit den Sammlungsobjekten konfrontiert, deren Verständnis dadurch ergänzt und erweitert wird. 

Das Projekt „Esskulturen. Objekte – Praktiken – Semantiken wird vom BMBF in der Förderlinie „Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen“ vom 1. September 2018 bis 31. August 2021 gefördert. Verbundpartner sind der Fachbereich 2 Philologie und Kulturwissenschaft der Universität Koblenz-Landau (Verbundkoordination), das Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Rheinischen Wilhelms Universität Bonn sowie das Landesmuseum Koblenz. Unter aktiver Einbeziehung von Studierenden und Promovierenden werden diverse Veranstaltungen zum Thema „Esskulturen“ (öffentliche Vortragsreihen, Filmpräsentationen, Tagungen) durchgeführt. Im Zentrum des Verbundprojekts stehen Konzeption und Realisation einer gemeinsamen Ausstellung, die in virtueller Form weiter ausgearbeitet wird.