Fallzahl Standort Koblenz: 2 (Warnstufe Gelb bis 30.04.2021) Maßnahmenkonzept

Forschung

Forschungsprofil des Fachbereichs Philologie/Kulturwissenschaften

Unser Selbstverständnis

Geistes- und Kulturwissenschaften generieren ihren Nutzen nicht durch technische Anwendung, sondern durch gesellschaftliche Relevanz. Sie produzieren Orientierungs- und Vermittlungswissen, das sich direkt an die Gesellschaft – regional, national und international – richtet, politische und soziale, aber auch wirtschaftliche und technische Entwicklungen kritisch begleitet, eine öffentlich beratende Funktion hat und zugleich als „Bildung“ in die nächsten Generationen getragen wird. Und wer würde behaupten, dass diese Art von gesellschaftsrelevantem Orientierungswissen nicht gerade heute bitter nötig ist?

Die Demokratie, noch vor 20 Jahren als selbstverständlich beste Staats- und Gesellschaftsordnung betrachtet, steht heute vor den größten Anfeindungen und Herausforderungen seit dem Zweiten Weltkrieg. Ausgestorben geglaubte Ideologien wie Nationalismus, Rassismus, Populismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus kehren wieder und sind auf massivem Vormarsch, global wie regional. Der Klimawandel erzeugt weitere tiefgreifende soziale Friktionen. Auf allen Ebenen – international, europäisch, national und auch regional – bröckelt oder bricht der gesellschaftliche Zusammenhalt. Die ökonomischen Krisen häufen sich. Die Digitalisierung schafft neue Bedingungen gesellschaftlicher und politischer Kommunikation, deren Folgen noch lange nicht abschätzbar sind. Die Suche nach Orientierung verlagert sich zunehmend in mediale Subräume. Die Öffentlichkeit macht einen massiven Strukturwandel durch. Die Migration verändert das Modell des kulturell homogenen Nationalstaats. Religions- und Glaubenskonflikte brechen auf. Und zugleich sorgt die weiterlaufende Globalisierung dafür, dass sich nicht nur Wirtschaft und Verkehr, sondern auch die gesellschaftlichen und kulturellen Probleme und Konfliktpotenziale verflechten und vervielfachen.

Auch die aktuelle sog. Corona-Krise zeigt massive Asymmetrien und Schwierigkeiten in der Kommunikation und Vermittlung zwischen Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur, die nicht eindimensional, etwa technisch, zu lösen sind. Eben darauf richtet sich das von den Geistes- und Kulturwissenschaften produzierte Orientierungs- und Vermittlungswissen; ein Wissen, das neue Einsichten hervorbringt und zugleich neue Wege vorschlägt, diese Erkenntnisse in neue Wissenspraktiken umgesetzt werden; ein Wissen, das anwendungsorientiert ist, ohne Auftragswissenschaft zu sein. Dieses Orientierungs- und Vermittlungswissen steht im Zentrum sowohl der forschungsorientierten Lehrkräftebildung als auch der vielfältigen und langjährigen Kooperationen der entsprechenden Fachbereiche mit Stadt und Region in den Bereichen Kultur, Bildung, Schule, Integration und kulturelles Erbe (Funk, Funk-Azubi, KuLaDig, Ada-Lovelace-Projekt, Change-Projekt, Wochen der Demokratie u. v. m.).

Forschungsschwerpunkt Kultur und Vermittlung

Kultur ist essentiell für unsere Gesellschaft und ihre Teilbereiche wie Politik, Wirtschaft, Technik, Bildung, Religion, Erziehung und Alltag, die von Menschen hervorgebracht, zwischen Menschen verhandelt und durch Menschen verändert werden. Wissen, Transformation und Innovation sind immer geprägt durch Formen der Wahrnehmung, der Sprache, des Glaubens, der geschichtlichen Erfahrung und der imaginären Erwartung. Nur durch Kultur kann Gesellschaft vermittelt werden. Und nur durch Vermittlung kann sie verändert werden. Die Kultur, auch historisch als kulturelles Gedächtnis, ist die Basis für die Demokratiefähigkeit der Gesellschaft. Auf diese inneren Dimensionen der kulturellen Vermittlung gesellschaftlicher Wirklichkeit richtet sich der interdisziplinäre Blick der Kulturwissenschaften. Sie fragen nach den Bedingungen der Möglichkeit von Wissen, Transformation und Innovation sowie nach den kulturellen, sozialen und medialen Bedingungen ihrer Vermittlung. Das geschieht in direkter Erforschung von Vermittlungskulturen, ihren Formen, Potenzialen und Grenzen, in Kooperation mit den anderen Profilbereichen der Universität Koblenz und in Form der eigenen Vermittlungsarbeit in der Region Koblenz durch Zusammenarbeit mit regionalen und kommunalen Institutionen.

Kooperationen

Wir forschen in einem urbanen und regionalen Umfeld, das für kulturwissenschaftliche Kooperationen hervorragend geeignet ist: Trotz relativ geringer Einwohnerzahl verbinden sich in Koblenz historisch und institutionell wie in kaum einer anderen vergleichbaren Stadt die nationale und bundespolitische Ebene (Bundesarchiv, Bundeswehr etc.) und die Landesebene (Landeshauptarchiv, Landesbibliothekszentrum, Landesmuseum, Oberlandesgericht etc.) mit einer gewachsenen städtischen Kultur und Politiktradition.

Wir arbeiten daher in der Forschung eng mit diesen und weiteren Institutionen zusammen.

Forschungsdatenbank SciPort

Über die individuellen Forschungsaktivitäten der im Fachbereich 2 tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler informiert die Forschungsdatenbank des Landes Rheinland-Pfalz, SciPort. Dort wie auch auf den Homepages der einzelnen Institute und den dort verlinkten persönlichen Seiten der Forscherinnen und Forscher finden Sie umfangreiche Informationen über Projekte und Publikationen an unserem Fachbereich.