Dissertationen

Hier finden Sie eine Auflistung der durch Prof. Dr. Ina Kerner betreuten Dissertationen.

 

Bahar OghalaiPolitisierungsbiographien Türkischer und Iranischer Feminist*innen in Deutschland 

Feministische und diasporische Identitäten haben in den letzten Jahren zunehmend politische und wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten. Das Zusammenspiel von Rassismus(-Erfahrungen), Religionszugehörigkeit, sowie Geschlechteridentitäten in Einwanderungsgesellschaften formt wichtige Themenkomplexe für feministische Debatten. In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich Politisierungsbiografien muslimischer Migrant*innen in Deutschland. Da Geschlechterfragen und damit einhergehend die Stellung der Frau, stets eine zentrale Rolle bei der Konstruktion des Bildes von Islam im Westen spielen, eröffnen Politisierungsbiografien von migrantischen Feminist*innen aus überwiegend Muslimischen Ländern in Deutschland interessante Perspektiven: als Muslimische (o. Muslimisch markierte) Frauen* sind sie einer geschlechtsspezifischen Form des anti-muslimischen Rassismus ausgesetzt, der dazu beiträgt, hoch politisierte und polarisierende Debatten über Islam in Deutschland zu festigen. Andererseits, ist politische Verfolgung durch staatlichen Islamismus der Grund für die Migration vieler dieser Feminist*innen. Der Schwerpunkt dieses Projekts ist auf Feminist*innen aus Iran und Türkei, ihre feministischen Anliegen und ihren politischen Aktivismus gerichtet.

https://www.projekte.hu-berlin.de/en/merge/people-1

 

Victor Nweke: Engaging African Political Theory Through Ubuntu: Towards a Postcolonial Theory of Justice

I seek to accentuate the significance of postcolonial studies on right conduct through academic debates on ubuntu. Ubuntu is etymological derived from indigenous Bantu languages of Southern Africa. The nearest English equivalent of ubuntu is humanness, that is, the defining attributes of a human being. The maxim, “a person is a person through other persons”, is widely accepted as a condensed idea of ubuntu thought. The repeated mention of a person(s) in the maxim captures salient principles of interconnections between human beings, individuals and social agents. All individuals are obligated to respect the rights of all persons they encounter anywhere. The norms of ubuntu prizes the perpetual promotion of humane relationship towards all rational animals and the environment as a universal ethical obligation. Experts in relevant fields of African normative studies and postcolonial studies have interpreted and employed the concept of ubuntu to discuss different issues. My re-search is preeminently matrifocal, intercultural and postcolonial. The ubuntu perspective prioritizes motherland over fatherland; mothers over fathers; relationality over rationality. The intercultural and postcolonial nature of the re-search bespeaks a conversational approach to political theory from below.

https://www.uni-koblenz-landau.de/de/koblenz/fb2/ik/institut/spw/victor_nweke

 

Lucienne Wagner: Der Diskurs um Diversität in der Hochschule. Theoretische Potenziale und kritische Praxis

In meiner Dissertation untersuche ich dekoloniale, intersektionale und queer-feministische Ansätze auf ihre unterschiedlichen Beiträge im Hinblick auf Diversitätspolitik an deutschen Hochschulen. Basierend auf der theoretischen Analyse arbeite ich heraus, auf welche Konzepte sich die an deutschen Hochschulen vorherrschenden Ansätze von Diversitäts- und Gleichstellungspolitik aktuell stützen. Ziel der Arbeit ist es aufzuzeigen, welchen Beitrag theoretische Ansätze leisten können, um Diversitätspolitiken ein kritisches Fundament zu geben. Außerdem sollen im Rahmen der Dissertation auf der praktischen Ebene Anknüpfungspunkte für kritische Diversitätspolitik entwickelt werden.

https://www.uni-potsdam.de/en/minorcosmopolitanisms/team/fellows/lucienne-wagner.html

 

Zweitbetreuungen:

Sebastian Scheele, Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung, TU Berlin: Zum Privilegien-Diskurs in feministischen und antirassistischen sozialen Bewegungen

In Feminismus und Antirassismus werden Machtverhältnisse in den letzten Jahren zunehmend mithilfe der Begriffe von Privilegien und Privilegierten thematisiert. Dieser „Privilegien-Diskurs“ taucht in den verschiedensten Feldern feministischer und antirassistischer Wissensproduktion auf: von aktivistischen Gruppen über die akademische Theoriebildung bis hin zu universitärer Personalpolitik. Eigene Textgenres wie „Privilegien-Checklisten“ haben sich herausgebildet, Kanonisierungstendenzen z.B. in Lehrbüchern sind zu beobachten. Dies gilt auch für den handlungsanleitenden Teildiskurs zu „Verbündeten“ (englisch: „allies“), der sich ebenfalls weiter verbreitet. Gleichzeitig verläuft die Debatte um den Privilegien-Begriff stark polarisiert – neben der schnellen Verbreitung existiert eine starke Ablehnung. Offenkundig ist, dass der Diskurs aus Nordamerika stammt, und seine Bedeutungen, Begründungszusammenhänge und Brisanzen dort nicht unbedingt identisch sind mit denen im deutschsprachigen Kontext. Es handelt sich um eine „travelling theory“, deren Genealogie wissenssoziologisch nachgezeichnet werden soll.
Methodisch wird dies in einem Zweischritt geleistet: Zuerst werden mithilfe von Sekundärliteratur zu Antirassismus und Feminismus Kontexte und zentrale Debatten identifiziert. Dann werden Schlüsseldokumente aus diesen Debatten diskursanalytisch auf ihre Regelhaftigkeiten und argumentativen Rahmungen untersucht.
Ziel der Arbeit ist es, diesen aktuellen Diskurs zu re-kontextualisieren und seine Entwicklung zu verstehen. Damit verbindet sich die Hoffnung, mit einer solchen Genealogie Impulse liefern zu können für die Debatte zu den (Un)Möglichkeiten von Bündnissen und Verbündeten, und dadurch idealerweise jenseits festgefahrener Polarisierungen zu feministischer und antirassistischer Praxis beizutragen.

https://www.gleichstellungsbericht.de/de/article/11.sebastian-scheele.html 

 

Tori Sinanan, Graduiertenkolleg Minor Cosmopolitanisms, Universität Potsdam: Mapping (under)development: A situational analysis of rural East Trinidad.

How do rural Trinidadians navigate their social arena? How can their narratives showcase the complex interactions between social institutions, geography and other, often taken for granted actants? In Trinidad and Tobago, material and social resources have historically trickled down from both the global and local West. This legacy of colonialism and current neo-colonial influence leaves rural citizens to grapple with a rapidly changing social arena that, by design, has excluded the nuance and realities of their existence. 

Within this thesis, I will transcribe the lived experiences of rural, East Trinidadian people into maps to illustrate connections between historical and contemporary developments in Sangre Grande. These situational maps aim to provide a theoretical outline of how coloniality, neoliberal capitalism and geography create an arena of socio-cultural institutions and policies through which citizens must navigate. The research combines sociological theories surrounding post-development, the coloniality of power and citizenship with elements of ethnographic inquiry to preserve the voices of rural citizens and will further illustrate how rural knowledges are created. In addition to the theoretical goals of the dissertation, I will show how mapping can be used to democratise social policy, and further, allow citizens to shape social policies to their communities.

https://www.uni-potsdam.de/en/minorcosmopolitanisms/team/fellows/tori-sinanan.html

 

Abgeschlossen:

Inga Nüthen: Queer_feministische Begriffe des Politischen

Die Frage danach, wovon die Rede ist, wenn wir über Politik sprechen, ist eine der grundlegenden Fragen politikwissenschaftlichen Denkens. Der Politikbegriff war theoriegeschichtlich stets umstritten, während die politik-theoretische Debatte in ihrem Kern gleichzeitig androzentrisch verengt geblieben ist. In queer_feministischen Theorien finden sich eine Vielzahl von Konzepten, die gängige Perspektiven auf Politik kritisch reflektieren und Vorschläge für eine Erweiterung oder Transformation des Begriffs machen. Dieses komplexe Begriffsfeld rekonstruiere ich in meinem Dissertationsprojekt anhand zentraler Diskussionsstränge, wie etwa Macht, Kontingenz, öffentlich-privat, Dissens und Solidarität. Ziel meiner Zusammenstellung ist es, ein mehrdimensionales, queer_feministisches Politikverständnis für eine politik-theoretische Rezeption zugänglich zu machen.

https://www.uni-marburg.de/de/fb03/politikwissenschaft/personenseiten/inga-nuethen

 

Mike LaufenbergDie Regierung der Sexualität – Subjektivität, Wahrheit und Macht im Zeitalter der Biologie

Von einer Regierung der Sexualität zu sprechen, beinhaltet einen doppelten Genitiv: Als genitivus objectivus ist Sexualität Gegenstand von Regierungstechniken, d.h. sie wird im weitesten Sinne zum Objekt von Praktiken, die das Ziel haben, sie zu steuern. Gleichzeitig kann Sexualität als genitivus subjectivus selbst als etwas gedacht werden, das regiert, und das hieße, in ihr eine Technik zu sehen, mittels derer Menschen geführt werden können. In der Dissertation werden Prozesse der Konstituierung von sexueller Subjektivität als zentraler Modus und als Funktionsweise solcher Regierungstechniken untersucht. Ausgehend von einer Co-Produktion von gesellschaftlichem und wissenschaftlichem Wissen über „sexuelle Orientierungen“ wird die Biologie als besonderes Produktionsregime von Wahrheitsdiskursen erschlossen, das in der Geschichte sexueller Subjektivitäten und der vielfältigen Versuche, diese regierbar zu machen, eine bedeutende Rolle spielt. Wissen aus Genetik, Neurowissenschaften oder Endokrinologie wird Bestandteil von Regierungswissen und damit zum Gegenstand und Medium von Auseinandersetzungen, in denen es um mehr geht als die alte Frage nach den „Ursachen“ etwa von Homo- oder Transsexualität. Die Verwissenschaftlichung und gleichzeitige Politisierung sexueller Subjektivitäten geht im Zeitalter der Biologie vielmehr mit Kämpfen einher, in deren Kern es um die Frage geht, welche Existenzweisen und Körper wir als lebbar erachten.

Buch: Sexualität und Biomacht beim Transcript Verlag

https://www.soziologie.uni-jena.de/arbeitsbereiche/politische+soziologie/personen/dr_+mike+laufenberg

 

Moses März, Graduiertenkolleg Minor Cosmopolitanisms, Universität Potsdam: Edouard Glissant`s Politics of Relation and the Imagination of the World-Community

The Martinican poet, novelist and theorist Edouard Glissant (1928-2011) is commonly considered to be among the most important postcolonial Francophone writers in the fields of literary studies, cultural studies and philosophy. Rooted in the specificity of Martinique and the creole realities of the Caribbean archipelago, Glissant’s theory of relation endorses the type of non-totalitarian universalism endorsed by the notion of micro-cosmopolitanisms. Underlying Glissant’s literary work – including a comprehensive oeuvre of essays, novels and poetry – is a concern with the development a ‘politics of relation’ that is informed by a poetics of the world and an awareness of its radical diversity. Since the theoretical potentials of his conception of the political have not yet been explored in my view, the central interest guiding my thesis asks how Glissant’s conception of the political can be theoretically defined. At a historic juncture where the global political field is perceived as increasingly contingent and the aptitude of established political theories is being critically re-evaluated from postcolonial and decolonial perspectives, Glissant’s political thought offers a new conceptual and normative framework from the Global South that opens up an imaginative space for new political positionalities and communities.

https://www.uni-potsdam.de/en/minorcosmopolitanisms/team/fellows/moses-maerz.html