Übertragung von Mensch auf Tier? Reverse Zoonose!

Covid-19, eine "Reverse Zoonose"?

Hinweis: Updates werden auf dieser Seite fortlaufend eingearbeitet.

Was ist eine Zoonose, was eine Reverse Zoonose?

Es besteht grundsätzlich eine zunehmende Gefahr von nicht wirtsspezifischen Krankheitserregern und Parasiten, die von Tieren durch Nahrung, Wasser, Vektoren, durch Kontakt mit Haustieren, durch Kontakt mit einer kontaminierten Umgebung übertragen werden. Zahlreiche Veröffentlichungen (Übersichten, Fallberichte, Originalarbeiten) über Zoonose-Erkrankungen sind zu finden.

Die Übertragung von Krankheitserregern vom Tier auf den Menschen ist im Bereich der Infektionskrankheiten von großer Bedeutung. Etwa 75% der sogenannten "emerging infectious diseases", die den Menschen betreffen, sind Zoonosen.

Der enge Kontakt zu Tieren trägt neben zahlreichen anderen Faktoren zur Übertragung von Mikroorganismen von Tieren auf den Menschen bei, darunter pathogene Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten. Insbesondere die enorme Mobilität von Menschen, Nahrungsmitteln, Tieren, Pflanzen und Material erleichtert die Ausbreitung solcher pathogenen Mikroorganismen über verschiedene Übertragungsketten.

Der Begriff „Zoonose“ wird üblicherweise verwendet, um eine Krankheit zu beschreiben, deren ätiologische Erreger von Tieren auf Menschen übertragen werden, bezieht sich aber auch auf die Übertragung von Mikroorganismen von Menschen auf Tiere. Während die Übertragung von Tieren auf Menschen als Anthropozoonose präzisiert wird, beschreibt der Wortlaut Zooanthroponose die Übertragung von Menschen auf Tiere. Diese Begriffe werden jedoch inkonsistent verwendet und sind nicht allgemein bekannt. In Bezug auf die breite Verwendung des Begriffs „Zoonose“ als Übertragung von Tieren auf Menschen beschreibt der Begriff „Reverse Zoonose“ klar seinen Inhalt (vom Mensch auf das Tier) und seine Bedeutung und vermeidet andere künstlich klingende Wortkombinationen.

Es gibt zahlreiche Beispiele (Fallberichte) für Mikroorganismen, die vom Menschen auf Tiere übertragen werden. Für Hepatitis A und E Viren, Masern, das humane Metapneumovirus, Influenzaviren, Rotaviren, Adenoviren, Astroviren, Enteroviren und Noroviren ist es bereits bekannt, dass sie vom Menschen auf Tiere übertragen werden können. Für Bakterien und Parasiten sind Reverse Zoonose - Fälle ebenfalls häufiger beschrieben (z.B. für Giardien, Kryptosporidien).

Zoonotischer Ursprung von SARS-CoV-2

Dass bei SARS-CoV-2 ein "Übergang" vom Tier auf den Menschen stattgefunden hat, wird allgemein als gesichert angenommen. Es handelt sich also um einen zoonotischen pathogenen Erreger. Über die Ursprünge des Virus (in WUHAN, China) und die in Frage kommenden Reservoirtiere findet sich in der Literatur einiges. Das SARS-CoV-2 weist eine hohe Ähnlichkeit zu einem in Fledertieren gefundenen SARS-CoV auf, mit diesem teilt es über 95% seines Genoms. Deswegen werden Fledertiere als ursprünglicher Wirt des SARS-CoV-2 angenommen. Fledertiere sind die Reservoire zahlreicher weiterer pathogener Mikroorganismen. Auch viele Viren, die für Menschen und Tiere pathogen sind, finden ihren Ursprung in Fledertieren (siehe Seite "Fledertiere als Reservoire von Viren"). Als weiterer Wirt vor dem "Übergang" auf den Menschen wird das Schuppentier (Pangolin; Ordnung: Pholidota; siehe "Die Rolle des Pangolin") oder der Marderhund angenommen (Yan-Rong 2020). Grundsätzlich kann zwischen der Entwicklung eines Virus` in Fledertieren und dem "Überspringen" auf den Menschen (über einen Zwischenwirt) jedoch Jahre bis Jahrzehnte liegen. 

Können Haustiere überhaupt infiziert sein? Können infizierte Menschen Tiere anstecken? Können infizierte Tiere Menschen anstecken?

Wie aber sieht es mit der Übertragbarkeit von SARS-CoV-2 von infizierten Menschen auf Tiere - und im Besonderen auf unsere Haustiere aus? Sind die Haustiere ebenfalls Träger oder erkranken sie sogar?

Die Berichte dazu mehren sich mittlerweile. Die Übertragung von SARS-CoV-2 von infizierten Menschen auf Tiere ist möglich (und vice versa).

Ein Spitz und ein Deutscher Schäferhund wurden Anfang März 2020 in Hong-Kong positiv getestet, nachdem ihr Halter an COVID-19 erkrankt war. Symptome wurden bei diesen Hunden nicht nachgewiesen. Ende April 2020 erkrankte in North Carolina (USA) der Mops "Winston" an COVID-19. In Holland wurden bei einem Hund ebenfalls Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Es handelte sich um eine 8-jährige amerikanische Bulldogge. Es gibt jedoch keine Verbindung zu den Infektionen in den holländischen Nerzfarmen (siehe unten). Der Hundehalter war an COVID-19 erkrankt. Der Hund hatte respiratorische Probleme und wurde am 30. April 2020 eingeschläfert, weil die Symptomatik sich zusehends verschlechterte.. Am 02. Juni folgte die Meldung aus New York, dass ein Deutscher Schäferhund positiv getestet wurde. Das Tier zeigte respiratorische Symptome. In Dänemark wurde eine COVID-19 Infektion bei einem Hund im Juni 2020 diagnostiziert. Diese Entdeckung der Infektion erfolgte im Zusammenhang mit der Surveillance auf den Nerzfarmen (siehe unten). Auch in Dänemark werden Hundehalter sowie Halter von anderen Haustieren aufgefordert für ihre vierbeinige Schützlinge ähnliche Präventionsmaßnahmen einzuhalten, wie sie auch für Menschen gelten (siehe unten). In Georgia (USA) wurde Anfang Juli 2020 ein Hund positiv für COVID-19 getestet, ohne jedoch respiratorische Symptome zu zeigen. Es zeigten sich jedoch plötzlich auftretende neurologische Symptome bei dem Tier. Die Symptomatik verstärkte sich im Laufe von einigen Tagen zunehmend. Der Hund wurde eingeschläfert. Die progressive neurologische Erkrankung soll jedoch eine andere Ursache gehabt haben. Die Halter des 6 Jahre alten Mischlings wurden ebenfalls positiv getestet. In der gleichen Meldung ist von einem zweiten SARS-CoV-2 positive Hund in Georgia die Rede. 

Es lagen bereits Anfang April 2020 zwei Fallbeschreibungen von infizierten Katzen vor, eine aus Belgien (mit typischer Symptomatik; gemeldet bereits am 27.03.2020), eine aus Hong-Kong. Die in Belgien infizierte Katze zeigte gastro-intestinale Symptome mit Erbrechen und Durchfall sowie eine erschwerte Atmung. Im Fall der in Hong Kong nachweislich infizierten Katze (mehrere Abstriche, nasal, oral und rektal; untersucht mit PCR) zeigte die Katze keinerlei Symptomatik. Sie wurde dennoch unter Quarantäne gestellt, da der Halter bestätigt an COVID-19 erkrankt war. Zudem wurden die Hygienemaßnahmen nochmal verstärkt. Nachdem beide (also Halter und Katze) negativ getestet wurden, sind sie mittlerweile wieder vereint. Über ProMed-mail erreichte uns am 17.04.2020 die Nachricht, dass zwei Katzen mit entsprechender Symptomatik in verschiedenen Bezirken von New York (USA) positiv auf COVID-19 getestet wurden. In einem Fall hatte der Halter eine bestätigte COVID-19-Erkrankung, im zweiten Fall war die Katze ein Freigänger und es bestanden COVID-19 Infektionen bei Menschen in der Nachbarschaft. Die Symptomatik bei den Katzen war mild (Augenausfluss, Niesen), beide Katzen erholten sich. Am 02. Mai wurde auch in Paris, Frankreich, eine Katze positiv getestet, die von Ihrem Besitzer angesteckt wurde. Sie zeigte lediglich milde respiratorische und gastro-intestinale Symptome. Am 08. Mai wurde bestätigt, dass in Spanien (Katalonien; Barcelona) eine Katze positiv getestet wurde, nachdem ihr Halter ebenfalls ein positives PCR-Ergebnis auf SARS-CoV-2 erhalten hatte. Negrito, so der Name der Hauskatze, starb zwar gem. Autopsie-Bericht aufgrund einer Vorerkrankung, SARS-CoV-2 wurde jedoch ebenfalls nachgewiesen. Ab Mai begannen v.a. in den Niederlanden Studien zur Untersuchung der Rolle von Katzen als Reservoire von SARS-CoV-2. Bereits jetzt ist aus Studienergebnissen bekannt, dass Katzen das Virus an Artgenossen weiterverbreiten können. In einer chinesischen Studie in Wuhan wurden Antikörper bei Katzen im Serum untersucht. Etwa 10% der Seren zeigten sich positiv für SARS-CoV-2 Antikörper in ELISA-Untersuchungen (Enzyme-linked immunosorbent assay). Am 13. Mai wurde auch eine Katze in Deutschland (Bayern) positiv für SARS-CoV-2 getestet. Der Halter, der in einem Altersheim lebte, war zuvor an COVID-19 verstorben. Die Katze zeigte keinerlei Symptomatik. Ebenfalls am 13 Mai wurde aus Frankreich eine Katze als positiv gemeldet, die mutmaßlich von ihrem Halter angesteckt wurde und respiratorische Probleme entwickelte. Dies ist somit der zweite Bericht aus Frankreich, diesmal aus Bordeaux. In Holland wurden Mitte Mai 2020 drei Katzen mit Antikörpern bestätigt, die sich in den Nerzfarmen mit den bestätigten Fällen aufhielten (siehe unten). In einer experimentellen Studie an der Veterinärmedizinischen Institut der Universität von Wisconsin in Madison, veröffentlicht im New England Journal of Medicine, wurde herausgefunden, dass Katzen leicht mit dem Virus infiziert werden können, sie das Virus auch an andere Katzen weitergeben, es jedoch nur über wenige Tage ausscheiden. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Katzen damit ein „stummer“ intermediärer Wirt für SARS-CoV-2 sein können. Ob sie als Überträger an der derzeitigen Pandemie beteiligt sind, ist unklar. Möglicherweise wird dies durch die kurze Dauer der Infektion verhindert. Am 27.05.2020 wurde auch aus Russland eine infizierte Katze gemeldet. Sie wurde unter Quarantäne gestellt. Ebenfalls Ende Mai wurde ein Fall einer (asymptomatischen) positiv getesteten Katze aus Spanien publiziert (siehe Ruiz-Arrondo et al.). Aus den USA (Minnesota) wurde am 03.06.2020 eine Fall gemeldet, bei dem eine Katze von ihrem Halter angesteckt wurde, kurzzeitig Symptome im oberen Respirationstrakt zeigte, aber sich schnell wieder erholte.

Im New Yorker Zoo (Bronx Zoo) ist Anfang April 2020 ein Tiger (Panthera tigris jacksoni) positiv getestet worden, der auch typische COVID-19 Symptome zeigte. "Nadia", so der Name des 4 Jahre alten Tigerweibchens, ist wohl von einem der Tierpfleger angesteckt worden (noch in der präsymptomatischen bzw. asymptomatischen Phase). Es wurde bereits initial angenommen, dass auch weitere Zootiere (Löwen, Tiger) infiziert wurden, da bei ihnen ähnliche Symptome beobachtet wurden. Einer der Löwen (Panthera leo) wurde am 17.04.2020 ebenfalls positiv getestet. Als Symptome wurden trockener Husten und schwergängiges Atmen angegeben. Etwa drei Wochen nach der ersten Meldung eines infizierten Tigers (genau am 22.04.2020) wurden vier weitere Tiger und drei Löwen im gleichen Zoo COVID-19 positiv getestet. Allen Zootieren geht es wieder gut.

In Indien ist Ende April 2020 ein Tiger in einem Reservat (Madhya Pradesh und Maharashtra) gestorben, bei dem SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde. Ob es die Todesursache war, ist nicht geklärt. Die dort arbeitenden Ranger sind unter Quarantäne gestellt worden. Folgemeldungen relativieren, ob der Tiger "an" oder "mit" SARS-CoV-2 gestorben ist.

In experimentellen Studien wurde zudem eine leichte Übertragung (Tröpfcheninfektion) insbesondere auf Frettchen (Mustela putorius) und Katzen gefunden. Es konnte gezeigt werden, dass die SARS-CoV-2 Virenstämme, die getestet wurden, gerade bei jungen Katzen replizieren können und leicht übertragbar sind. Eine weitere Studie (diesmal aus den USA), die Ende Mai 2020 publiziert wurde ergab, dass insbesondere Katzen suszeptibel für SARS-CoV-2 sind, jedoch ganz selten Symptome zeigen (Bosco-Lauth et al. 2020). Zudem zeigen sich protektive Antikörper. Hunde scheinen ebenfalls Antikörper aufzubauen, eine Virusausscheidung nach Infektion wurde in dieser Studie jedoch nicht nachgewiesen.

In China wurden zudem Tiere in Pelzfarmen auf SARS-CoV-2 mittels PCR untersucht. Alle untersuchten Tiere (Nerze, Füchse, Waschbären und Hunde) waren negativ.

Nerze (Neovision vison) von zwei Nerzfarmen in den Niederlanden sind jedoch Ende April 2020 positiv auf Covid-19 getestet worden. Die infizierten Tiere zeigten respiratorische Symptome. Mitarbeiter der beiden Farmen hätten zuvor Symptome der Krankheit gezeigt (gastrointestinale und respiratorische Symptomatik), teilte das niederländische Landwirtschaftsministerium mit. Die Farmen wurden großräumig abgesperrt. Selbst im Staub in der Nähe der Tiere konnten SARS-CoV-2 Viren im Rahmen einer Umgebungsuntersuchung nachgewiesen werden. Aufgrund des Infektionsgeschehens wird angenommen, dass nicht nur eine Mensch zu Nerz - Infektion stattgefunden hatte, sondern anschließend auch eine Weiterverbreitung von Tier zu Tier. Die Tiere können offensichtlich eine Pneumonie entwickeln und daran versterben. Am 07. Mai wurden Tiere von gleich zwei weiteren Nerzfarmen positiv getestet, nachdem Mitarbeiter an COVID-19 erkrankt waren. Auch diese Farmen wurden abgeriegelt und die Hygienemaßnamen verschärft. Die Farmen wurden in einem Radius von 400 Metern gesperrt. Ein Transport von Nerzen aus den betroffenen Farmen wurde untersagt. Zudem wurden verstärkte Tests und Hygienemaßnahmen in benachbarten Kaninchenfarmen eingeführt. Auch in Schweinefarmen wird gescreent. Auch Katzen und andere Tiere in der Nähe der Farmen werden mit untersucht. 24 freilaufende Katzen aus der Umgebung von zwei betroffenen Farmen wurden auf SARS-CoV-2 untersucht (Serum und oropharyngeale Proben). 7 Katzen hatten Antikörper (Nachweis mittels Neutralisationstest), eine Katze wurde auch in der PCR positiv getestet (wobei eine niedrige Viruslast festgestellt wurde; Stand 01.07.2020: siehe https://www.eurosurveillance.org/content/10.2807/1560-7917.ES.2020.25.23.2001005#html_fulltext). Zusätzlich wurden und werden Staubproben in der Umgebung auf das Vorhandensein von SARS-CoV-2 Virionen untersucht. Nerze besitzen in ihren Lungen ebenfalls die ACE-2 Rezeptoren, an die das Virus bindet. Dies ist sicherlich einer der Gründe, warum gerade Nerze (bzw. Vertreter der Familie der Marder: Mustelidae) offensichtlich sensitiv für SARS-CoV-2 sind. Bei drei Katzen auf der Nerzfarm, in der der erste Nachweis erfolgt war, wurden Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Ein aktives Virus konnte nicht mehr detektiert werden. Man geht davon aus, dass die Katzen von den Nerzen angesteckt wurden. Am 19.05.2020 meldete das holländische Gesundheitsministerium, dass davon auszugehen ist, dass einer der Arbeiter auf dieser Nerz-Farm sich bei den Tieren auch angesteckt hat (siehe: Zoonose; https://www.government.nl/latest/news/2020/05/19/new-results-from-research-into-covid-19-on-mink-farms). Er ist wieder genesen. COVID-19 wurde in Holland daraufhin am gleichen Tag offiziell als infektiöse Tierkrankheit deklariert. Am 26.05.2020 wurde ein weiterer Fall eines Farmarbeiters gemeldet, der sich mutmaßlich bei den infizierten Nerzen angesteckt hat. Ebenso wurde mittlerweile festgestellt, dass Nerze (wie Menschen und andere Tiere) die Infektion symptomfrei überstehen können. Am 02.06.2020 wurden aus drei weitern holländischen Nerzfarmen positive Fälle bei den Tieren gemeldet. Am 05.06.2020 waren es schon 7 Betriebe an 9 Orten in Holland mit infizierten Tieren. Nun wurde die Entscheidung getroffen die Tiere auf diesen Farmen zu keulen. Das Virus kann wohl länger in diesen Farmen (bzw. in den Tieren dort) persistieren und zirkulieren und stellt daher ein Public-Health-Risiko dar. Im Juni 2020 waren in den Niederlanden bereits 15 Betriebe betroffen. Seit Mitte April 2020 wurden (Stand 24.06.2020) also in 17 Nerzfarmen COVID-19 Fälle bei den Tieren festgestellt (siehe auch: https://www.wur.nl/nl/nieuws-wur/Show/COVID-19-geconstateerd-op-twee-nertsenbedrijven.htm). Die Symptome variierten von Schnupfen-ähnlich bis zu schweren respiratorischen Symptomen. Initial wurden die Viren vom Menschen auf die Tiere übertragen. Sobald ein Fall bei den Nerzen bestätigt war, wurden alle Tiere gekeult, derzeit bereits mehr als 500.000. Transportverbote und Besuchsverbote folgten für alle Farmen. Die holländische Regierung hat nunmehr das Ende für Nerzfarmen in den Niederlanden bereits zum Ende 2020 beschlossen (nicht, wie bereits festgelegt 2024). Da auch 2 Fälle bestätigt wurden, bei denen SARS-CoV-2 von den Nerzen auf Menschen übertragen wurde, stellten diese eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit (Public Health) dar. Diese beiden Fälle stellen damit die einzigen bestätigten Transmissionen von Tieren auf Menschen dar, ausgeschlossen natürlich die Übertragung auf den ersten Infizierten (Indexpatient; Patient Zero). Anfang Juli 2020 wurde die 18. Nerzfarm in Niederlanden (genauer in Landhorst) mit positiven SARS-CoV-2 getesteten Tieren gemeldet. Diese Farm umfasst 4300 Tiere. Mittlerweile sind in den Niederlanden tausende von Nerzen gekeult worden.

Auch in Dänemark kam es Mitte Juni 2020 zu einem COVID19 Ausbruch bei Nerzen in einer Nerzfarm. In der Folge wurde die Farm unter Quarantäne gestellt und die 11.000 Tiere getötet. Es wird angenommen, dass die Infektion der Tiere auch in diesem Fall durch Mitarbeiter des Betriebes erfolgte. Ähnlich wie in den Niederlanden hat die dänische Regierung ähnliche Screening-Maßnahmen angewiesen, um im „One Health“ – Ansatz zu agieren. Bislang wurden weitere Nerze in zwei dänischen Farmen positiv getestet (Nord-Jütland). Derzeit (Stand 25.06.2020) werden Untersuchungen in 120 Nerzfarmen durchgeführt. Die getroffenen Schutzmaßnahmen (Zugang, Handel etc.) entsprechen denen, die auch in den Niederlanden getroffen wurden. Anfang Juli 2020 waren bereits drei Nerzfarmen in Dänemark betroffen. Etwa die Hälfte der Nerze in der dritten Farm (die etwa 5000 Tiere umfasst) war SARS-CoV-2 positiv. Die Regierung hat die Entscheidung getroffen, dass alle Tiere gekeult werden müssen. Zudem wurden am 30.06.2020 von den dänischen Gesundheitsbehörden Präventivmaßnahmen im Zusammenhang mit den Nerzfarmen angeordnet.

Nerzfarmen befinden sich neben den Niederlanden und Dänemark vor allem auch in China, Polen und den USA. Von hier liegen jedoch derzeit keine Informationen über Fälle, Surveillance-Ergebnisse etc. vor.

In chinesischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass das Virus sich in Hunden, Schweinen, Hühnervögeln und Enten kaum repliziert, wogegen sich Katzen, Frettchen und Goldhamster sehr suszeptibel zeigten. Frettchen (Mustela putorius), Goldhamster und Katzen können SARS-CoV-2 auch an nicht infizierte Tiere (der gleichen Art) weitergeben.

Weitere Studien in Deutschland (Friedrich-Loeffler-Institut) ergaben, dass Schweine und Hühnervögel nicht suszeptibel für eine intranasale Infektion sind. Die intranasale Inokulation von SARS-CoV-2 bei Fledertieren der Art Rousettus aegyptiacus (Nilflughund, Familie Pteropodidae, "Megabats") führte zu einer Infektion. Die so infizierten Flughunde konnten auch andere Flughunde infizieren. Hier ist jedoch anzumerken, dass die experimentell infizierten Flughunde (Rousettus aegyptiacus) phylogenetisch recht weit entfernt zu den Fledertier-Reservoiren der SARS-ähnlichen Viren (Rhinolophus spp.; Familie Rhinolophidae) gestellt werden. Die in Deutschland endemischen Fledertierarten scheinen nach derzeitigem Kenntnisstand keine Rolle bei der aktuellen Pandemie zu spielen. In der gleichen Studie konnte bei Frettchen eine hohe Virusreplikation beobachtet werden.

In einer chinesischen Studie aus dem Juni 2020 wurden verschiedene Tiere auf die "Lungen-Zielzellen" für SARS-CoV-2 untersucht (siehe Chen et al. 2020). Hierbei handelt es sich um die ACE-2 Rezeptoren und die TMPRSS2 Zielzellen. Insbesondere in Katzen finden sich diese gehäuft und in verschiedenen Organsystemen. Vor allem junge Katzen scheinen daher recht suszeptibel zu sein. Zudem ist die Übertragung von Katze zu Katze beschrieben. Im Pangolin (Schuppentier) fanden sich die Zielzellen ebenfalls (siehe "Die Rolle des Pangolin"), jedoch in geringerer Ausprägung als in Katzen. Auch in Hunden ließen sich die Zielzellen nachweisen, auch hier in geringerem Ausmaß. Ähnliches gilt für Geflügel. Auch in Schweinen wurden sie detektiert, weswegen die Autoren auch gerade bei Schweinen eine Überwachung (Surveillance) anraten, um ihre mögliche Beteiligung als Zwischenwirte zu eruieren.

Die Surveillance von deutlich mehr Tierarten bezüglich ihrer Suszeptibilität für SARS-CoV-2 ist nötig. Bis zum Juli 2020 wurden zu wenige Studien bzw. Test durchgeführt, um ein tierisches Reservoir gänzlich auszuschließen. Dies umfasst auch Haustiere, Nutztiere und Wildtiere. Bei einem größeren Ausbruch bei Tieren wäre nicht nur die Tiergesundheit, sondern auch die öffentliche Gesundheit in Gefahr.

In den Niederlanden werden Surveillance-Studien bei Katzen und Mardern (wilden Nerz-Verwandten) durchgeführt. Derartige Studien sind auch wichtig, da bekannt ist, dass das Virus auch in den Tieren vorkommen kann und möglicherweise eine Variante entstehen kann, die dann in der Folge wieder auf den Menschen (oder Haus-, Nutz- sowie Wildtiere) übertragen werden kann.

In den USA laufen (Stand 24.06.2020) Studien bei Katzen, Hunden, Frettchen und Hamstern, die in Haushalten von COVID-19 Patienten leben, um die Risikofaktoren der Transmission zu eruieren. Studien in Kanada inkludieren Fledertiere, Schweine, Pferde, Hunde und Katzen.

In einer weiteren Studie wurde (erneut) festgestellt, dass infizierte Katzen andere Katzen infizieren können. Die Tiere zeigten jedoch keinerlei Symptomatik, obwohl die ausgeschiedene Virusmenge der beim Menschen entsprach. Theoretisch ist also auch eine Übertragung von der Katze auf den Menschen möglich. Diese Übertragungswege habe jedoch wohl lediglich eine Relevanz für Tierheime, die viele Katzen beherbergen.

Agrarministerin Julia Glöckner setzt gemäß Pressemeldungen auf eine Meldepflicht für an Covid-19 erkrankte Tiere. Ein Screening soll es jedoch nicht geben.

Derzeitiges Fazit: Die Experten gehen davon aus, dass also tatsächlich SARS-CoV-2 vom infizierten Menschen auf Tiere übertragen werden kann. Bislang wurden SARS-CoV-2 Infektionen vor allem in Karnivoren aus drei Familien nachgewiesen: Canidae (Hunde), Felidae (Katzen) und Mustelidae (Marder, Frettchen, Nerze).

Es wird derzeit nicht angenommen, dass Hunde oder Katzen eine Rolle im Rahmen der Ausbreitung des Erregers (etwa als Reservoire) beim Infektionsgeschehen des Menschen spielen. Die Übertragung von SARS-CoV-2 erfolgt von Mensch zu Mensch via Tröpfcheninfektion und Aerosole.

 

Dennoch wird empfohlen, dass infizierte Besitzer von Haustieren den allzu engen Kontakt mit ihren Haustieren (und anderen Tieren) vermeiden. Ist ein Haustierbesitzer an COVID-19 erkrankt, sollte die Pflege des Haustiers von einer anderen Person im Haushalt wahrgenommen werden. Ist das nicht möglich, sind die gleichen Vorsichtsmaßnahmen , wie sie bereits für den Mensch zu Mensch Kontakt vorgegeben sind, einzuhalten: Möglichst im Haus bleiben, Schutzmasken verwenden, persönliche Hygienemaßnahmen. Obwohl derzeit noch wenige (experimentelle) „Tier zu Tier“ Übertragungen bestätigt sind, ist ein nachweislich an COVID-19 erkranktes Haustier von anderen Haustieren fernzuhalten. Ähnliches gilt für den Kontakt von infizierten Haustieren und Nutztieren. Die Rolle von Haustieren als Reservoire von Infektionserregern, die auch Nutztieren gefährlich werden können, ist vor allem bei Hunden bekannt. Daher wird es wichtig sein, herauszufinden, ob infizierte Haustiere als (permanente) Reservoire von SARS-CoV-2 für Nutztiere oder Menschen dienen können (McNamara et al. 2020). 

Entsprechende Hygienemaßnahmen (Händewaschen!) sind auch beim sonstigen Umgang mit oder der Pflege von Tieren nötig.

Die Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta (CDC) empfehlen, dass

  • der Kontakt von Haustieren und Menschen außerhalb des Haushalts minimiert werden sollte
  • dass Katzen zur Kontaktvermeidung mit anderen Menschen oder Tieren im Haus bleiben sollen (wenn möglich)
  • dass Hunde strikt an der Leine zu führen sind, um Abstand zu anderen Menschen und Tieren zu gewährleisten
  • dass Hundewiesen oder Parks zu meiden sind, wo viele Hunde und Menschen zusammenkommen

 Siehe auch: https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/daily-life-coping/animals.html.

Mittlerweile werden auch in Deutschland Informationen hierzu zur Verfügung gestellt:

https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00029177/Empfehlung-Umgang-mit-empfaenglichen-Haustieren_23-04-2020.pdf

 

McNamara-et-al

Shi-et-al

Halfmann-et-al

Ruiz-Arrondo et al. 

Bosco-Lauth-et-al