Université Nacionale du Rwanda (UNR) und dem Institut de Recherche Scientifique et Technologique du Rwanda (IRST)

Im Rahmen eines Rwanda-Aufenthaltes des Präsidenten der Universität Koblenz-Landau, Prof. Dr. Hermann Saterdag und von Prof. Dr. Eberhard Fischer, Institut für Biologie auf Einladung des Rektors der Nationaluniversität wurde am 19. Juli 1999 ein Kooperations­ver­trag zwischen der Université Nationale in Butare und der Universität Koblenz-Landau unter­schrieben. Es wurden zwei Partnerschaftsbeauftragte bestimmt, welche die Koordination der verschiedenen Einzelprojekte übernehmen sollen. Auf rwandischer Seite ist dies Prof. Dr. Bonfils Safari, Dekan des Fachbereichs Naturwissenschaften und Technik, auf der Seite der Universität Koblenz-Landau ist dies Prof. Dr. Eberhard Fischer. Ein erstes konkretes Projekt wurde im Bereich der Biodiversitätsforschung vereinbart. Im Rahmen des Universitäts­besuches fanden Gespräche mit dem Rektor Prof. Dr. Emile Rwamasirabo, dem akademi­schen Vizerektor Prof. Dr. Jean-Bosco Butera und den Dekanen der Erziehungswissenschaft­lichen Fakultät (Faculté des Sciences d’Education) und der Wirtschafts- und Sozialwissen­schaftlichen Fakultät (Faculté des Sciences Economiques, Sociales et de Gestion) statt.

Außer zur Universität besteht auch eine Partnerschaft mit dem Institut de Recherche Scienti­fique et Technologique (IRST). Ein Kooperationsvertrag mit diesem Institut wurde bereits im Mai 1999 vom Präsidenten Prof. Saterdag anlässlich des Besuches von Prof. Dr. Chrysologue Karangwa, Generaldirektor des IRST, in Koblenz und Mainz unterzeichnet. Forschungs­schwerpunkte des IRST sind Studien zur Sprache von Rwanda (Kinyarwanda) sowie zu alter­nativen Energien und zur traditionellen Medizin. Auch hierbei wurden konkrete Projekte im Bereich der traditionellen Medizin vereinbart, darüber hinaus ist die Anlage eines Botani­schen Gartens zur Erhaltung gefährdeter Medizinalpflanzen geplant.

Während des 10-tägigen Aufenthaltes von Prof. Saterdag und Prof. Fischer fanden mehrere Gespräche in der Hauptstadt Kigali statt. Gesprächspartner waren die Generalsekretärin des Aussenministeriums (MINAFFET), der Staatssekretär im Erziehunsministerium (MINEDUC) Prof. Dr. Jean-Damascène Ntawukurilyayo, der Minister für Lokale Administration (MINA­LOC) Nyandwi, der Partnerschaftsbeauftragte im Bureau de Coordination Rwanda-Rhenanie-Palatinat Karlheinz Seibert und die deutsche Botschafterin Frau Dr. König.

Die noch junge Partnerschaft hat sich in den drei Jahren ihres Bestehens relativ schnell ent­wickelt, was sich unter anderem in einem kontinuierlichen personellen Austausch wider­spiegelt: Mit den Professoren Beck, Fischer, Graafen und König haben seit 1999 vier Mit­glieder des Fachbereichs Naturwissenschaften die Partneruniversität und das Institut de Recherche Scientifique et Technologique du Rwanda (IRST) jeweils mehrfach besucht, um dort eigene Forschungsarbeiten durchzuführen sowie Lehraufgaben an der Faculté d’Agro­nomie und der Faculté des Sciences Naturelles et Appliquées wahrzunehmen. Umgekehrt haben der damalige Vizerektor und jetzige Staatssekretär im rwandischen Bildungsmini­sterium Prof. Dr. Jean-Damascène Ntawukulilyayo, der Rektor der Nationaluniversität, Herr Prof. Dr. Emile Rwamasirabo, der damalige Dekan der Faculté d’Agronomie Prof. Dr. Gashagaza Mukwaya sowie der Direktor des Institut de Recherche Scientifique et Techno­logique (IRST) Prof. Dr. Chrysologue Karangwa – letzterer mehrfach – die Universität Koblenz besucht, um gemeinsame Projekte zu koordinieren.

Auch Studierende der UNR und des IRST besuchten bereits für mehrere Monate die Uni­versität Koblenz. So hielt sich Jean-Pierre Nkurunziza für Forschungsarbeiten im Rahmen seiner Dissertation über traditionelle Medizinalpflanzen für drei Monate im Sommer 1999 sowie von November 2000 bis Januar 2001 und von Februar bis Juni 2002 in Koblenz auf. Eine Mitarbeiterin des Rechenzentrums der UNR Butare, Clementine Nsanzineza, hat im November und Dezember 2000 ein Praktikum am Fachbereich Informatik in Koblenz ab­solviert.

Im Jahre 2002 hielten sich drei Mitarbeiter des IRST in Koblenz auf: Frau Dancille Muka­rubibi arbeitete als Praktikantin am Geographischen Institut im Sommersemester 2002 zwei Monate lang zusammen mit Herrn Prof. Dr. R. Graafen im Projekt: „imidugudu“; Herr Jean-Pierre Nkurunziza führte die Untersuchungen zu rwandischen Medizinalpflanzen im Rahmen seiner von Prof. Dr. E. Fischer betreuten Promotion an der Universität Koblenz-Landau weiter und Herr Joseph Museruka absolvierte ein zweimonatiges Praktikum am Rechenzentrum der Universität Koblenz.

Von Oktober 2000 bis Oktober 2002 haben sechs Studierende aus Koblenz Praktika im Part­nerland abgeleistet, zur Zeit (April 2003) arbeiten weitere vier Koblenzer Praktikanten in Rwanda. Der Austausch zwischen den Studierenden der beiden Universitäten soll in Zukunft durch gemeinsame Exkursionen und Praktika intensiviert werden.

Von Seiten des Instituts für Biologie und des Geographischen Instituts werden in Rwanda derzeit Forschungsarbeiten in folgenden Bereichen durchgeführt:

  • ·        Erfassung der Biodiversität von Flachmooren (marais) (Prof. Dr. E. Fischer)

  • ·        Erfassung der Biodiversität im Forêt de Nyungwe und an den Vulkanen
       (P.N. Birunga, Prof. Dr. E. Fischer)

  • ·        Biomonitoring mittels epiphytischer Flechten und Moose (Prof. Dr. E. Fischer)

  • ·        Geomorphologische Untersuchungen im Osten Rwandas (Prof. Dr. N. Beck)

  • ·        Ländliche Neusiedlungen nach 1994 (Prof. Dr. R. Graafen)

  • ·        Bodenerosion und -degradation und Möglichkeiten des Bodenschutzes
       (Prof. Dr. D. König)

  • ·        Ökologischer Landbau in den Tropen - Intensivierung der kleinbäuerlichen Agrar­produktion durch ökologisch angepaßte Landnutzung (Prof. Dr. D.    König)

Darüber hinaus arbeiten die oben genannten rwandischen und deutschen Wissenschaftler an einem gemeinsamen interdisziplinären Forschungsprojekt zum Thema: „Jüngere Veränderun­gen in der Kulturlandschaft Rwandas“, das sich insbesondere mit den Problemen beschäftigt, die mit der Gründung zahlreicher neuer Dörfer (imidugudu) verbunden sind. Das Spektrum der Forschungsfragen reicht dabei von der Erarbeitung von Kriterien für eine optimale Stand­ortwahl für solche Plansiedlungen über die Langzeitbeobachtung bereits bestehender Sied­lungen bis hin zu Untersuchungen zur Entwicklung der kleinbäuerlichen Produktion (z.B. zur Verfügbarkeit geeigneter landwirtschaftlicher Nutzflächen und zur Veränderung der Boden­nutzung und der Bodenqualität). Weitere Schwerpunkte der Untersuchungen werden die Ver­änderung der Biodiversität sowie die Landschaftsdegradation in der Umgebung der imi­dugudu sein. Ziel der Forschungsarbeiten ist es, Möglichkeiten zu einer ökologisch ange­paßten Nutzung der vorhandenen Ressourcen zu erarbeiten und damit einen Beitrag zur Er­haltung der Biodiversität und zum Schutz vor Landschaftsdegradation zu leisten.

Durch die wiederholte Durchführung von Lehrveranstaltungen in Butare leisten Mitglieder der Universität Koblenz zugleich einen Beitrag zur Verbesserung der Lehrsituation an der Nationaluniversität von Rwanda, an der es seit dem Genozid nach wie vor es an qualifizier­tem Lehrpersonal mangelt. Zugleich versuchen die Universitäten Mainz und Koblenz gemein­sam, den Mangel an Fachliteratur und an sonstigen Lehrmaterialien durch die Bereitstellung von Fachliteratur und Karten aus den Beständen der Mainzer Universitätsbibliothek und des Geo­graphischen Instituts Koblenz sowie von eigens hierfür angeschafften Lehrmaterialien zu lindern.

Tagungen und Arbeitsgespräche

1. Besuch des Botschafters der Republik Rwanda an der Universität in Koblenz am 02.01.2001

Der Botschafter der Republik Rwanda, S.E. Laurent Ngirabanzi besuchte am 2. Februar 2001 die Universität Koblenz-Landau, Abt. Koblenz. Dort traf er zu einem Gespräch mit dem Präsidenten Prof. Dr. Josef Klein, dem Vizepräsidenten Prof. Dr. Herbert Druxes, dem Dekan des Fachbereichs Naturwissenschaften Prof. Dr. Ulrich Sinsch, der Leiterin des Akademi­schen Auslandsamtes Irene Latschar, dem Koordinator der Partnerschaft mit Rwanda Prof. Dr. Eberhard Fischer sowie den Professoren Dr. Rainer Graafen und Dr. Dieter König vom Geographischen Institut zusammen.

Im Laufe des zweistündigen Gespräches stellten die Professoren Fischer und König die lau­fenden Projekte dar und berichteten über die Zukunftsperspektiven im Bereich von Forschung und Lehre. Ein zentraler Punkt neben der Unterstützung in der Lehre an der Nationaluni­versität sind die Auswirkungen von dorfähnlichen Neusiedlungen (imidugudu), die in Rwanda traditionell nicht existierten, da die Bevölkerung zerstreut in Einzelgehöften wohnte.

Der Botschafter, ehemaliger Erziehungs- und Umweltminister und dadurch mit den aktuellen Problemen sehr gut vertraut, dankte Prof. Klein für die Einladung und bot der Partnerschaft seine ganze Unterstützung an. Das Beispiel der Kooperation mit Rwanda belegt, daß auch kleine Institute mit nur 2 Professoren wissenschaftlich effektiv arbeiten können. Neben den rein wissenschaftlichen Aspekten dient die Partnerschaft auch dem gegenseitigen kulturellen Austausch.

 

2. Konferenz zur Hochschulzusammenarbeit mit Rwanda an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz am 21.02.2001

Am 21. Februar 2001 fand eine gemeinsame Konferenz der Universitäten Koblenz-Landau, Mainz und Butare (Rwanda) zur Perspektive der Partnerschaft in Forschung und Lehre statt, an der von rwandischer Seite der Rektor der UNR, Prof. Dr. Emile Rwamasirabo, der Di­rektor des IRST Prof. Dr. Chrysologue Karangwa sowie der Botschafter der Republik Rwanda, S.E. Laurent Ngiranbanzi teilnahmen. Die Universität Koblenz vertraten Vizepräsi­dent Prof. Dr. Herbert Druxes, der Dekan des Fachbereichs Naturwissenschaften Prof. Dr. Ulrich Sinsch, Prof. Dr. Eberhard Fischer vom Institut für Biologie, Prof. Dr. Nordwin Beck, Prof. Dr. Rainer Graafen und Prof. Dr. Dieter König vom Geographischen Institut. Im Rah­men der Tagung stellten Prof. Fischer, Prof. Graafen und Prof. König die jeweiligen Ko­operationsprojekte vor.

 

3. Séminaire-atelier sur la coopération an der Université Nationale du Rwanda in Butare am 25.10.2001

Am 25. Oktober 2001 fand an der Universität Butare ein Workshop statt, der einer verbesser­ten Koordination der verschiedenen an der UNR angesiedelten Forschungsprojekte diente und an dem der Rektor der UNR, Prof. Dr. Emile Rwamasirabo sowie die beiden Vizerektoren der UNR, Prof. Dr. Jean-Bosco Butera und Prof. Dr. Thatien Munyaneza sowie die Repräsentan­ten der einzelnen Projekte teilnahmen. Die Universitäten Mainz und Koblenz-Landau vertrat Prof. Dr. Dieter König mit einem Vortrag über das „Projet Agricole et Sociale Interuni­versitaire“, und einer kurzen Darstellung der Zusammenarbeit zwischen der Universität Koblenz-Landau, dem IRST und der Nationaluniversität von Rwanda.

4. Wissenschaftliche Tagung an der Universität Koblenz-Landau am 30.04.2002: 20 Jahre Länderpartnerschaft Rheinland-Pfalz – Rwanda
Aus Anlaß des zwanzigjährigen Bestehens der Länderpartnerschaft fand am 30. April 2002 an der Universität Koblenz-Landau eine von Prof. Dr. E. Fischer und Prof. Dr. D. König orga­nisierte und von einer fünfköpfigen Delegation aus Rwanda besuchte wissenschaftliche Tagung statt. Der Delegation gehörten der Rektor der Nationaluniversität, Prof. Dr. Emile Rwamasirabo, der Leiter des IRST, Prof. Dr. Chrysologue Karangwa sowie drei weitere Vertreter höherer Bildungseinrichtungen in Rwanda an. Vorträge von Wissenschaftlern aus den Partneruniversitäten in Butare, Koblenz und Mainz dokumentierten den Stand der wissen­schaftlichen Forschung und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Universi­täten in Rheinland-Pfalz und Rwanda. Die Schriftfassungen der Vorträge der von mehr als 80 Teilnehmern besuchten Veranstaltung, deren Programm im Folgenden wiedergegeben ist, wurden im Jahre 2003 in einem Sonderheft der Reihe „Koblenzer Geographisches Kollo­quium“ veröffentlicht.