Biomanipulation zur Wiederherstellung des hyporheischen Interstitials

Als Habitat für Lachs, Flussperlmuschel und 22 weiteren Fischarten ist die Nister ein Hotspot der aquatischen Biodiversität in Rheinland-Pfalz. Leider hat sich der Zustand der Nister seit einem Jahrzehnt kontinuierlich verschlechtert. Es erfolgte ein paralleler Einbruch des Fischbestandes (v.a. piscivore und herbivore Fische > 15 cm) bei zunehmenden Massenentwicklungen benthischer Algen.

Sediment Heimborn Apr 2019

Folgen der Algenmassenentwicklungen sind pH-Werte von teils über pH 9,9 im Frühjahr und Sommer sowie geringe Sauerstoffkonzentrationen im hyporheischen Interstital durch biogene Kolmation nach Absterben der Algen. Dies stellt eine massive Einbuße der Lebensraumqualität für sämtliche Gewässerorganismen dar und fürht zu einer Reduktion der Biodiversität.

In einem Modell- und Demonstrationsvorhabens wird seit 2015 analysiert, ob die Eutrophierungserscheinungen an der Nister durch die Steuerung der Fischbestände reduziert werden können und ob Kormorane die aktuellen Verstärkung der Eutrophierungserscheinungen ausgelöst haben könnten. Das Projekt wird in Kooperation mit dem Büro für gewässer- und fischökologische Studien und der ARGE Nister e.V. durchgeführt.

Ebelhaeuser2016

In verschiedenen Experimenten wird die veränderung der Habitatqualität des hyporheischen Interstitials bei unterschiedlichen Fischdichten untersucht. Von besonderem Interesse sind die Sauerstoffversorgung des Interstitials und die Biomasse benthischer Algen.

Im Sinne einer Nahrungskettensteuerung wird die Dichte der herbivoren Nase (Chondrostoma nasus) und des omnivoren Döbels (Squalius cephalus) experimentel erhöht. Über mehrere Jahre wird die Auswirkung dieser Veränderung auf die Qualität des Interstials untersucht. Erste Ergebnisse eines kleinskaligen Experimentes zeigen, dass Fische grundsätzlich die Algenbiomasse beeinflussen können (Gerke et al. 2018).

Aktuelle Messwerte in einem großskaligen Experiment zeigen ebenfalls eine signifikante Verbesserung der Sauerstoffversorgung in Bereichen mit hohen Fischdichten. Die Sauerstoffkonzentration im Frühling war bei hohem Fischbestand um ca. 3,4 mg/L höher. Diese Verbesserung der Sauerstoffversorgung sollte die erfolgreiche Reproduktion kieslaichender Arten ermöglichen.  

Fischeffekte

Im Mai 2019 informierte sich Bundeslandwirtschaftsminsiterin Julia Klöckner und Vertreter der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Projektträger) über die Ergebnisse des Projektes (Weitere Informationen).

 

Projektträger Nister

Im Nachfolgeprojekt soll die praktische Anwendbarkeit der Nahrungsnetzsteuerung zur Verbesserung der Gewässerqualität überprüft werden. Wichtige Fragen in diesem Zusammenhang sind ob (1) in anderen Fließgewässern der Region hohe Fischbestände eine ähnlich positive Wirkung zeigen und (2) ob eine Vergrämung von Kormoranen notwendig ist um solche hohe Fischbestände zu entwickeln.

Beobachtungen an der Nister legen nahe, dass der Prädationsdruck durch Kormorane zu einem starken Einbruch der Fischbestände geführt hat und durch eine intensive Vergrämung die Entwicklung hoher und artenreicher Fischbestände möglich sind. Daher soll im Projekt der Fraßdruck des Kormorans auf Nasenbeständen in ca. 1 km langen Strecken an 4 Fließgewässern im Westerwald quantifiziert werden.

Nahrungsnetz mit KormoranSchema der Nahrungsnetzbeziehungen an der Nister (Piktogramme: Janno Worischka)

Finanziert wird das Projekt vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung.

Lpgo BMLE