Entwicklung konstitutiver Merkmale eines eigenständigen Schulfachs Gesellschaftswissenschaften

Zeitraum: 01.06.2019 - 31.12.2022
Status: laufend

Promotionsvorhaben M. Ed. Florian Johann

Betreuer: Priv.-Doz. Dr. Thomas Brühne

 

In den meisten deutschen Bundesländern werden an einzelnen Schulformen Fächerverbünde unterrichtet, welche einen ganzheitlichen Zugang auf gesellschaftswissenschaftliche Fragestellungen, beispielsweise aus der geographischen, historischen und politischen Perspektive, anstreben. Aufgrund des Bildungsföderalismus finden sich hierbei nicht nur eine Vielzahl unterschiedlicher Bezeichnungen (zum Beispiel Gesellschaftslehre in Rheinland-Pfalz oder Weltkunde in Schleswig-Holstein), sondern es herrscht darüber hinaus ein sehr heterogenes Fachverständnis vor. Auch wenn der Ansatz einer Zusammenlegung traditioneller gesellschaftswissenschaftlicher Fächer bereits auf das Jahr 1972 mit der Einführung der Hessischen Rahmenrichtlinien für das Fach Gesellschaftslehre zurückzuführen ist, lassen sich in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit verstärkt Integrationsbemühungen konstatieren. Zuletzt führten Berlin und Brandenburg (2015) sowie Thüringen (2017) den Fächerverbund Gesellschaftswissenschaften in ihr Schulsystem ein. Allerdings existieren bislang für solche Integrationsfächer weder universitäre noch schulpraktische Ausbildungsangebote, was Lehrkräfte vor hohe Herausforderungen stellt.


Im Rahmen des Promotionsvorhabens sollen durch wissenschaftliche Analysen von Lehrplänen die curriculare Berücksichtigung der Schulgeographie ermittelt und mögliche konstitutive Merkmale (zum Bespiel Themen) eines eigenständigen Schulfachs entwickelt werden, das sich nicht als zusammengesetzter Fächerverbund konstruiert. Damit soll mittel- und langfristig eine bildungstheoretische Ordnung auf fachdidaktischer, schulpraktischer und bildungspolitischer Ebene geschaffen werden. Angesichts sich neu herausbildender gesellschaftswissenschaftlicher Fragestellungen im Kontext der Themenkomplexe Migration, Industrie 4.0, globaler Terrorismus, globale Krisen, Energiewende und Informationsgesellschaft erscheint die Notwendigkeit eines konsistenten Fachverständnisses für alle Akteure im Bildungsbereich unumgänglich.