Biographie

Klaus G. Troitzsch war Professor für Informatikanwendungen in den Sozialwissenschaften von 1986 bis 2012.

Er wurde 1946 in Ilsed-Oberg, Niedersacdhsen, geboren, verbrachte den größten Teil seiner Schulzeit in Mülheim an der Ruhr, Nordrhein-Westfalen, und begann 1965 sein Soziologiestudium an der Universität Köln. Nach drei Jahren Wehrdienst setzte er seine Studien an der Universität Hamburg fort und erwarb seinen Abschluß als Politikwissenschaftler.

Von 1972 bis 1974 arbeitete er als Assistent der FDP-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft und war von 1974 bis 1978 Abgeordneter in der Bürgerschaft, in der er auch als Fraktionsgeschäftsführer der FDP tätig war.

Im Jahre 1979 kehrte er, nach seiner Promotion in Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, zur Wissenschaft zurück, erst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Modellversuch zur Gründung eines Studiengangs "Angewandte Informatik" und seit 1980 als Akademischer Rat und Oberrat am Institut für Politikwissenschaft der Universität Koblenz-Landau, schließlich seit 1986, nach seiner Habilitation in Koblenz, bis zu seiner Pensionierung im März 2012 als Professor mit der Verantwortung für den Aufbau des Anwendungsfachs Sozialwissenschaftliche Informatik (computergestützte Forschungsmethoden, Politik- und Verwaltungsinformatik).

Er engagierte sich in der Universität als Dekan (1987–1992) und Prodekan (1992–2000) des Fachbereichs Informatik und war von 2001 bis 2005 Leiter des Instituts für Wirtschafts- und Verwaltungsinformatik.

Seine Hauptinteressen in Forschung und Lehre sind die Methodologie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und insbesondere die formale Modellierung und die Simulation in diesen Disziplinen. Er gehört zu den Gründern der Sektion Modellbildung und Simulation der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und gehörte für fast eine Dekade zu ihrem Vorstand. Er gehörte auch zu den Gründern des Simulating Societies Consortium (SimSoc), das von 1992 bis 2003 Konferenzen zur sozialwissenschaftlichen Simulation organisierte, 1997/1998 das Journal of Artificial Societies and Social Simulation (dessen Forum Editor er ist) gründete und im Jahre 2003 in der European Social Simulation Association aufging, die er mit gegründet hat und als deren Schatzmeister und Webmaster er in den ersten fünf Jahren fungierte.

Zu seinen wichtigeren Forschungsvorhaben zählte MIMOSE (von der DFG von 1988 bis 1992 gefördert), welches ein Simulationswerkzeug für die Mikro- und Mehrebenensimulation entwickelte. Von 1996 bis 2002 koordinierte ein internationales Projekt (gefördert von der Europäischen Union in ihrem TEMPUS/TACIS-Programm), in dem Simulations- und andere Methodenveranstaltungen, teilweise auch für das e-Learning entwickelt wurden (zusammen mit Nigel Gilbert, University of Surrey, Guildford, England, und Serge Chernyshenko, Nationale Universität Dnipropetrovs'k, Dnipropetrovs'k, Ukraine). In diesem Projekt organisierte eine Reihe von Sommerschulen zu sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden, insbesondere zur Simulation, für Teilnehmer aus vielen Ländern. Die Sommerschule zur Simulation für Sozialwissenschaftler wird (mit einem Kurs für Fortgeschrittene im Frühjahr) seitdem fortgesetzt, immer noch in Zusammenarbeit mit Nigel Gilbert und ZUMA, dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen in Mannheim.

Von 2000 bis 2003 war er an einem EU-Projekt im 5. Rahmenprogramm beteiligt — Freshwater Integrated Resources Management with Agents (FIRMA) —, in dem seine Arbeitsgruppe u.a. für die Entwicklung und Weiterentwicklung von Simulationswerkzeugen zuständig war.

Er koordinierte ein weiteres TEMPUS/TACIS-Projekt (2004–2006) mit Partnern aus Russland, der Ukraine, Spanien, Italien, der Slowakei und Deutschland, das ein "System zur Modernisierung von Universitätsmanagement" entwickeln und fördern soll; ferner war er an einem Leonardo-da-Vinci-Projekt (2004–2006) beteiligt, welches Simulation in die Lehrpläne lettischer Studiengänge einführte. Simulation stand auch im Zentrum eines Projekts zur Analyse und Simulation von Verkehrsteilnehmerverhalten und eines Projektes, welches Partnerwahl- und Eheschließungsverhalten zwischen den verschiedenen in Neuseeland vertretenen Ethnien untersuchte und simulierte. Von September 2006 bis Oktober 2009 war er auch Partner in einem EU-geförderten Projekt zur Untersuchung von Emergenzprozessen in sozialen Systemen, das ebenfalls agentenbasierte Simulation benutze und weiterentwickelte. Seine Gruppe war von Oktober 2012 bis September 2015 Partner in einem weiteren FP7-Projekt zur globalen Dynamik von Schutzgelderpressungssystemen und trug mit Arbeiten zum Data und Text Mining sowie zur agentenbasierten Simulation bei.

Im Januar 2010 startete ein anderes EU-Projekt "Open collaboration in policy modelling (OCOPOMO) , an dem seine Grupe ebenfalls beteiligt ist. Außerdem koordinierte er von Anfang 2009 bis Anfang 2011 ein E-Government Project unter TEMPUS mit Partnern in Russland, der Ukraine, Moldawien und Armenien sowie aus Spanien und der Slowakei und hat im Herbst 2010 zwei weitere TEMPUS-Projekte zur Qualitätssicherung an armenischen bzw. turkmenischen Universitäten begonnen.

Er ist Autor, Koautor und Herausgeber einer Reihe von Büchern zur Simulation, Autor zahlreicher Artikel zur sozialwissenschaftlichen Simulation und er hat einige nationale und internationale Workshops und Konferenzen zur sozialwissenschaftlichen Simulation organisiert.