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Public History an Rhein und Mosel

GESCHICHTE IN UND FÜR DIE ÖFFENTLICHKEIT ALS CHANCE ZUR KOOPERATION ZWISCHEN UNIVERSITÄT UND REGION

Aus Wikipedia

Datum:     19.02.2021

Uhrzeit:    09:30 - 16:30 Uhr

Raum:      Die Veranstaltung wird digital angeboten.

Leitung:   Stephanie Faber, Institut für Geschichte; Dr. Christian Grieshaber, Zentrum für Lehrerbildung, Universität Koblenz-Landau - Campus Koblenz

Sie können sich ab dem 01.02.2021 anmelden.Anmeldung

„Geschichte von unten“, „öffentliche Geschichte“ oder „angewandte Geschichte“

– für das Phänomen der Public History gibt es die unterschiedlichsten Umschreibungen und Definitionen. Fest steht jedoch, dass Public History ein Bindeglied zwischen jeder „Form der öffentlichen Geschichtsdarstellung, die sich an eine breite, nicht-geschichtswissenschaftliche Öffentlichkeit richtet“ bildet. Es ist aber gleichzeitig auch eine Teildisziplin der Geschichtswissenschaft, die sich mit der „Erforschung von Geschichtspräsentationen“ beschäftigt (Zündorf, 2018).


Ehrenbreitstein in Corona-ZeitenDie Attraktivität von Public History zeigt sich nicht zuletzt an einer zunehmenden Institutionalisierung an vielen Universitäten (Studiengänge in Berlin, Gießen, Regensburg, Heidelberg, Bochum, München etc.), aber auch an der Tatsache, dass Geschichte in der Regel über die außerhalb des akademischen Betriebes stattfindende öffentliche Geschichtsdarstellung in Computerspielen, TV-Dokumentationen, Spielfilmen, historischen Romanen, Comics, Ausstellungen, im Tourismus, in der Werbung oder über öffentliche Diskurse wahrgenommen wird. Die gemeinsam vom Institut für Geschichte und vom Koblenzer Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) veranstaltete Online-Tagung möchte sich daher mit Formen der öffentlichen Geschichtsdarstellung im nördlichen Rheinland-Pfalz beschäftigen, welche außerhalb der Universitäten stattfinden. Ziel ist eine erste Bestandsaufnahme und ein Austausch aller interessierten Akteure über künftige Projekte mit der Universität. Zielgruppe der Tagung sind daher nicht nur Historiker*innen, Geschichtsdidaktiker*innen, Kulturwissenschaftler*innen bzw. Lehramtsstudierende, Referendar*innen und Lehrkräfte der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, sondern auch diejenigen, die außerhalb der Universitäten oder Schulen Geschichte „praktisch anwenden“. Hier reicht die Bandbreite von Geschichtsvereinen, Redakteur*innen von Print- und audiovisuellen Medien über Museumspädagog*innen, Stadtführer*innen, Autor*innen von Geschichtsromanen (popular history) bis hin zu kommerziellen Dienstleistern.

 

Programm

09:30 Uhr                Ankommen
09:50 Uhr                           Begrüßung durch die Organisatoren (Stephanie Faber & Dr. Christian Grieshaber)
10:00 Uhr Grußwort PD Dr. Marlies Theis-Scholz, Dezernentin für Bildung und Kultur der Stadt Koblenz
10:15 Uhr

Keynote: Prof Dr. Cord Arendes, Professur für Angewandte  Geschichtswissenschaft – Public History, Universität Heidelberg, 

Public History in der Regionalgeschichte (mit Diskussion)

Digitale Kaffeepause (bis 11:30 Uhr)

11:35 Uhr

Lukas Greven, M. Ed.,  Institut für Politische Wissenschaften (IPW), RWTH, Aachen

Eine geschichtskulturelle Praxis im Wandel?

Eine diachrone Untersuchung des forschend-historischen Lernens im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

12:00 Uhr

Dr. Christian Grieshaber, ZfL Koblenz, Universität Koblenz-Landau

Projektorientierte LehrerInnenbildung in Koblenz: der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

12:25 Uhr Gemeinsame Diskussion (Moderation: Stephanie Faber)
Digitale Mittagspause (bis 13:30 Uhr)
13:35 Uhr

Prof. Dr. Christian Geulen, Neuere und Neueste Geschichte und deren Didaktik, Universität Koblenz-Landau

Public History/Popular History: Öffentliche Geschichtsvermittlung als Praxis und Gegenstand

14:00 Uhr

Ernst Heimes, Schriftsteller, Löf an der Mosel

Bevor das Vergessen beginnt - Public History am Beispiel der Suche nach dem KZ-Außenlager Cochem

14:30 Uhr

Gemeinsame Diskussion (Moderation: Dr. Christian Grieshaber)

Digitale Kaffeepause (bis 15:10 Uhr)
15:15 Uhr

Dr. Marco Zerwas, Lehrer am Gymnasium Petrinum in Recklinghausen

Plötzlich preußisch - Lokale Identitätssuche der Stadt Koblenz zur Wendezeit

15:40 Uhr

Podiumsdiskussion: Public History – eine Chance zur Kooperation zwischen Universität und Region?!

Moderation: Stephanie Faber & Dr. Christian Grieshaber                            

16:30 Uhr

Verabschiedung

 

Koblenz von Oben

Reader zu den Vorträgen

Für eine moderne Regionalgeschichte ist es von großer Bedeutung ihre Forschungen transparent zu gestalten und eine breitere Öffentlichkeit bereits am Forschungsprozess und nicht erst an den späteren Forschungsergebnissen teilhaben zu lassen. In regionalgeschichtlichen Projekten kommt die Funktion der Public History zum einen als einer Reflexionsinstanz über das wechselseitige Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit sowie zum anderen als einer spezifischen Praxis („doing history“) besonders gut zum Tragen. Vor diesem Hintergrund richtet die Keynote einen kurzen Blick auf die Entwicklung der Public History in Deutschland und behandelt dann an Fallbeispielen die Potentiale sowohl der Public History für die Regionalgeschichte als auch von regionalgeschichtlichen Projekten für die Public History an den Universitäten.

Prof. Dr. Cord Arendes, Lehrstuhl für Angewandte Geschichte und Public History, Universität Heidelberg

Wettbewerbsförmiges forschend-historisches Lernen, verstanden als explorativer historischer Lernprozess, welcher in logischer und struktureller Analogie zum geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisprozess verläuft, weist Merkmale informellen Lernens auf. Wenn das forschend-historische Lernen im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten häufig (und zunehmend) unter tutorierender Begleitung realisiert wird und (Geschichts-) Lehrende die wichtigste Gruppe der Tutorierenden bilden, wird dieses forschend-historische Lernen zugleich schulnah, da es über die Person der Tutorierenden an das intendierte historische Lernen im System Schule zurückgebunden ist. Ebenso wie dieses – angeregt durch geschichtsdidaktische, -kulturelle oder -politische Impulse – Veränderungen erfahren hat, können auch für die praktische Realisierung des forschend-historischen Lernens in der geschichtskulturellen Institution ,Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten‘ Änderungen angenommen werden. Diese Annahme präzisierend wendet sich die vorzustellende Studie der Frage zu, inwiefern sich das forschend-historische Lernen im Wettbewerb vor dem Hintergrund sich wandelnder geschichtsdidaktischer Bedingungen verändert hat. Der Vortrag fokussiert dabei am Beispiel der für das forschend-historische Lernen im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten bedeutsamen ZeitzeugInnenbefragungen und -aussagen die Teilfrage, inwiefern sich die Interaktion der Lernsubjekte mit Lernmedien gewandelt hat. Beide Fragen beabsichtigt die dem Vortrag zugrundeliegende Studie in einer retrospektiv-längsschnittartigen Untersuchung von insgesamt 168 Wettbewerbsbeiträgen aus acht Wettbewerbsrunden zwischen 1975 und 2013 zu ergründen. Die bisher vorliegenden, inhaltsanalytisch generierten Ergebnisse legen nahe, die oben formulierte Annahme ins Gegenteil zu verkehren, da sich forschend-historisches Lernen über die Zeit in vielerlei Hinsicht konstant zeigt. Diese zentrale Feststellung wird der Vortrag ausführen und vor dem Hintergrund disziplinhistorischer Überlegungen zur Geschichtsdidaktik sowie wettbewerbshistorischer Beobachtungen diskutieren.

Lukas Greven, M. Ed. LuF Didaktik der Gesellschaftswissenschaften, RWTH Aachen

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ist einer der renommiertesten Schüler-wettbewerbe und zugleich der größte historische Forschungswettbewerb für Kinder und Jugendliche in Deutschland. Er wurde vom ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann und dem Hamburger Unternehmer Kurt A. Körber bereits im Jahre 1973 ins Leben gerufen und ermutigt Schülerinnen und Schüler dazu, in der eigenen Familie oder bei Freunden, am eigenen Wohnort bzw. ihrer Heimatstadt oder Region auf historische Spurensuche zu gehen.

In meinem Vortrag, werde ich zunächst auf den Stellenwert von projektorientiertem Lernen im Rahmen der LehrerInnenbildung eingehen und erste Ergebnisse von Studierenden zum aktuellen Wettbewerbsthema Sport macht Geschichte vorstellen. Die dazu entwickelten regionalen Beispiele wurden im Rahmen meiner Lehrveranstaltungen an der Universität Koblenz-Landau entwickelt und haben das Ziel, Studierende als MentorInnen fachdidaktisch und fachwissenschaftlich auszubilden, so dass sie in der Lage sind, Schülerinnen und Schüler in einer späteren Praxisphase kompetent in Schulen betreuen zu können. Dabei erhalten die Studierenden einen Einblick in außerschulische Lernorte in der Archivstadt Koblenz: das Stadtarchiv, das Landeshauptarchiv und das Bundesarchiv sowie Denkmäler und historische Orte. Zusammenfassend sollen Potentiale von regionalgeschichtlichen Projekten für die Ausbildung von HistorikerInnen skizziert und das bisher bestehende Koblenzer Netzwerk vorgestellt werden.

Dr. Christian Grieshaber, ZfL Koblenz, Universität Koblenz-Landau

folgt

Prof. Dr. Christian Geulen, Neuere und Neueste Geschichte und deren Didaktik, Universität Koblenz-Landau

In seinem viel beachteten Buch Ich habe immer nur den Zaun gesehen berichtete Ernst Heimes erstmals umfassend über das KZ-Außenlager Cochem und den wahnwitzigen Ausbau des Tunnels zwischen Bruttig und Treis zu einer unterirdischen Waffenfabrik. Er durchbrach mit seinem Buch eine Mauer des Schweigens und Verschweigens und beleuchtete eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte. Auf eindringliche Weise erzählt er jetzt von seinen Nachermittlungen. Dabei begegnen ihm Opfer, Täter und Beobachter. Er wertet bisher gänzlich unbekannte Schriftstücke aus, stellt sie in den Kontext und macht ihre Inhalte hier erstmals nachlesbar. Heimes‘ Recherchen hatten sehr unterschiedlichen Charakter. Vieles erfuhr er direkt aus erster Hand.

Ernst Heimes, Schriftsteller, Löf an der Mosel

Koblenz am Rhein, 1989/90. Ganz Deutschland ist im Taumel der sich anbahnenden Wiedervereinigung, in Koblenz geht man dahingegen eigene Wege: Nachdem das in den letzten Zügen des Zweiten Weltkriegs zerstörte Reiterstandbild Wilhelms I. auf dem Deutschen Eck, dessen Sockel 1953 eine geschichtsträchtige Neuwidmung erfuhr, jahrzehntelang aus dem kollektiven Gedächtnis der Koblenzer Bevölkerung (annähernd) verschwunden war, kommt ab Mitte der 80er Jahre Bewegung in eine Wiedererrichtungsdebatte. Alle bisherigen Initiativen, so vereinzelt und so unregelmäßig diese auch aufkamen, scheiterten letzten Endes immer an der Finanzierung. Das war angenehm für die politisch Verantwortlichen, eine ideologiekritische Debatte eines wiedererstehenden Preußens blieb somit erspart. 1985/87, eine neue Situation, private Spender wollen die Finanzierung teilweise bzw. ganz tragen – es werden Antworten der Politik fällig, die sich nicht auf leere öffentliche Kassen zurückziehen können:

Ist es angemessen, einem menschenrechtlich mindestens kritisch zu bewertenden Monarchen im demokratischen Deutschland ein Denkmal zu setzen? Darf dafür ein Ort des demokratischen Bewusstseins geopfert werden? Schließlich war das Deutsche Eck seit den frühen 50er Jahren das ‚Mahnmal der deutschen Einheit’. Aber um genau die soll es doch in diesen Tagen nach 1989 gehen. Koblenz musste sich auf die Suche machen, nach einer geschichtlichen Identität, die sich einerseits mit preußischer Vergangenheit auseinandersetzt - die Stadt war nach 1820 Hauptstadt der Preußischen Rheinprovinz und Sitz des Regierungspräsidenten – und andererseits aber dies auch mit einem Preußenbild vereinbaren, das durch die Katastrophen des 20. Jahrhunderts mit seinen zwei Weltkriegen und der Vorstellung von Preußen als Militärstaat in der kollektiven Erinnerung tief geprägt und belastet ist. Vor allem war es dabei die Vermutung, Preußen oder preußische Faktoren hätten in der Herstellung und Befestigung der nationalsozialistischen Diktatur eine vorbereitende Rolle gespielt, die einen langen Schatten über die Geschichte Preußens warf.

 Vor dem Hintergrund der Wiedervereinigung spielt sich nun um 1990 in der rheinland-pfälzischen „Provinz“ eine geschichtskulturelle Posse ab, die bundesweit ihresgleichen sucht. Das Ergebnis ist uns allen bekannt: Seit dem Jahr 1993 steht eine Replik des Monarchen auf dem Denkmalsockel. Das Verhältnis Koblenz’ zur preußischen Vergangenheit ist seither komplett neu bewertet. Die Anlagen bspw. der preußischen Festung sind fester Bestandteil des Stadtmarketings, Preußentage bereichern den lokalen Festkalender und die Kaiserin-Augusta-Anlagen sind sowohl baulich aufgewertet wie auch mit dem Gedenken an die Namensgeberin revitalisiert. Eine Leichtigkeit beschwingt den Umgang mit der schweren Vergangenheit, die preußische Accessoires nicht nur während des Karnevals sorglos ins Stadtbild integriert.

Das alles bleibt aber in der Folge nicht auf dem Niveau einer lokalen Angelegenheit am Rhein, vielmehr sind die Koblenzer Vorgänge die Vorhut einer gesamtdeutschen Neubewertung des kulturellen Erbes Preußens, wie wir es bis in die Gegenwart mit der städtebaulichen Aufwertung der Hauptstadt Berlin durch das Stadtschloss/Humboldt Forum erleben.

Dr. Marco Zerwas, Lehrer am Gymnasium Petrinum in Recklinghausen

 

 

 

 

 

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