Entwicklung und Validierung eines Instruments zur computergestützten Inhaltsanalyse von vertrauensrelevanten Merkmalen in der Medienberichterstattung am Anwendungsbeispiel "Vertrauen in die Energiewende"

Jutta Milde, Ines Vogel, Karin Stengel, Steffen Staab, Christoph Kling & Jérôme Kunegis

Seit der Katastrophe in Fukushima setzt Deutschland auf den Atomausstieg. Die Politik steht nun vor der komplexen Herausforderung, die Bedingungen für den Einstieg in die Erneuerbaren Energien umweltpolitisch und wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten. Jedoch gerät die Umsetzung immer mehr in die öffentliche Diskussion, da Zweifel daran geäußert werden, ob die formulierten Ziele von einzelnen politischen Akteuren und Parteien konsequent verfolgt werden. Dies kann Auswirkungen auf das Vertrauen der Bürger haben, ohne deren Unterstützung die Energiewende nicht realisierbar ist. Da Medien in diesem Prozess eine wichtige Rolle einnehmen, widmet sich das geplante Forschungsprojekt der Medienberichterstattung über die Energiepolitik und analysiert, inwieweit politische Akteure in vertrauensrelevanten oder skeptischen Kontexten dargestellt werden und welchen Einfluss dies auf das Vertrauen von Medienrezipienten in die Energiewende hat.

Im Rahmen des interdisziplinär ausgerichteten Teilprojektes mit Beteiligten aus den Fachdisziplinen Psychologie, Informatik, Kommunikations- und Sozialwissenschaften soll untersucht werden, in welcher Form automatisierte computergestützte Methoden zur Vertrauensmessung die kommunikations­wissenschaftlichen Methoden ergänzen und unterstützen können. Die Grundlage der Vertrauensmessung bildet dabei das Referenzmodell des FSP nach Mayer und Kollegen (Mayer, Davis & Schoorman, 1995; Schoorman, Mayer & Davis, 2007). Zum einen werden Modellierungsgrundlagen einer qualitativen kommunikationswissenschaftlichen Vorstudie genutzt, um Verfahren der automatisierten Analyse von Publikationen auf eine bestimmte thematische Domäne und indikative Sprachformen anzupassen. Zum anderen soll evaluiert werden, inwieweit automatisch aus größeren Datenmengen gewonnene Ergebnisse sich mit den Ergebnissen der klassischen quantitativen Inhaltsanalyse decken und diese ergänzen. Als Stichprobe dienen zufällig ausgewählte Online-Artikel deutscher Tageszeitungen und Wochenmagazine, die sechs Monate vor und nach der Bundestagswahl im Jahr 2013 erschienen sind. Die Wirkung der Medienberichterstattung auf die Rezipienten soll schließlich im Rahmen von Rezeptionsexperimenten mithilfe von prototypischem, aus den Inhaltsanalysen generiertem Stimulusmaterial untersucht werden.

Literatur:

Mayer, R. C., Davis, J. H., & Schoorman, F. D. (1995). An integrated model of organizational trust. Academy of Management Review, 20(3), 709–734.

Schoorman, F. D., Mayer, R. C., & Davis, J. H. (2007). An integrative model of organizational trust: Past, present, and future. Academy of Management Review, 32(2), 344–354.