Wirkungen von Wahlversprechen auf das Vertrauen in Politiker und die Wahlentscheidung der Bürger

Evelyn Bytzek, Melanie C. Steffens & Julia Dupont (externer Kooperationspartner: Frank M. Schneider, Universität Mannheim)

Zu Wahlkämpfen gehört es dazu, dass Politiker und Parteien Versprechen dazu abgeben, was sie im Falle eines Wahlsiegs nach der Wahl umsetzen werden. Solche Wahlversprechen spielen in der Wahlkampfkommunikation eine wichtige Rolle: Einerseits werden vor einer Wahl Einschätzungen dazu abgegeben, was von den aktuellen Wahlversprechen zu halten ist, andererseits wird genau betrachtet, ob die Parteien ihre bei der letzten Wahl abgegebenen Wahlversprechen gehalten haben. Die Wahlversprechen der Parteien stellen hierbei kondensierte Forderungen dar, die in größerer Ausführlichkeit in den Wahlprogrammen niedergelegt sind. Wahlprogramme und Wahlversprechen dienen den Parteien dazu, mit konkreten Forderungen um die Gunst der Wähler zu werben. Hierdurch wird folglich implizit unterstellt, dass Wahlversprechen einen Einfluss auf das Wahlverhalten haben. Im Gegenzug wird davon ausgegangen, dass das Brechen von Wahlversprechen die Glaubwürdigkeit der Parteien und damit auch das Vertrauen in diese senkt, was sich negativ auf Wiederwahlchancen auswirken dürfte.

Erstaunlicherweise wurde die Wirkung von Wahlversprechen auf die Wahlentscheidung der Bürger bislang jedoch selten politik- oder kommunikationswissenschaftlich untersucht. Stattdessen steht die Wirkung der Positionen der Parteien auf unterschiedlichen Politikfeldern oder der allgemeinen ideologischen Position auf Wahlentscheidungen im Vordergrund. Auch wenn dies vor dem Hintergrund der theoretischen Modellierung, die auf dem räumlichen Modell der Wahlentscheidung basiert, sinnvoll ist, wird hierdurch jedoch der Kommunikationskontext ignoriert: Parteien vermitteln in ihrer Wahlkampfkommunikation nicht ganze Programme, sondern gezielt einzelne Standpunkte (die Wahlversprechen).Zudem findet bei der nächsten Wahl eine Bewertung der Parteien auf Basis der gegeben Wahlversprechen statt. Dieser Aspekt wird bislang bestenfalls in Form der Regierungsleistung als recht allgemeine Bewertung in Modelle der Wahlentscheidung einbezogen. Die Wahrnehmung der Regierungsleistung dürfte jedoch von vielen Faktoren neben dem Einhalten oder Brechen von Wahlversprechen abhängen. Hier gibt es also eine große Lücke zwischen der populären Annahme, dass Wahlversprechen eine Wirkung auf Wahlentscheidungen haben, und der wissenschaftlichen Forschung, die diese angenommene Beziehung bislang nicht empirisch untersucht hat und auch nicht einbezieht, welche Folgen die Leistung der Regierung in Hinblick auf Wahlversprechen hat.

Legt man den Fokus auf Wahlversprechen als Teil des Kommunikationsprozesses zwischen Parteien, Massenmedien und Wählern, legt dies zudem die Einbeziehung von Sender-, Botschafts- und Rezipienten-Merkmalen nahe: Zum einen sollten die Glaubwürdigkeit des Senders und der Botschaft beim Einbeziehen von Wahlversprechen in Wahlentscheidungen eine Rolle spielen. Zum anderen dürfte auch das Vertrauen des Rezipienten in den Sender und in Parteien allgemein darüber mitentscheiden, ob Wahlversprechen einen Einfluss auf Wahlentscheidungen nehmen. Darüber hinaus dürften in Hinblick auf die Wähler auch sozialpsychologische Prozesse eine Rolle spielen, beispielsweise die Identifikation mit der sozialen Gruppe, der der Sender des Wahlversprechens angehört. Diese Faktoren zu beachten bedeutet jedoch auch, dass eine Abkehr von Umfrage- hin zu experimentellen Studien notwendig ist, um die Wirkung von Wahlversprechen genau untersuchen zu können. Daher wird für die Untersuchung von Wirkungen der Wahlversprechen auf Wahlentscheidungen und die Glaubwürdigkeit von Politikern eine Serie von aufeinander aufbauenden Umfrage-Experimenten durchgeführt. Durch dieses Vorgehen ist es möglich, die unterschiedlichen relevanten Perspektiven (politikwissenschaftliche, kommunikationswissenschaftliche und sozialpsychologische) methodisch sauber abzudecken.