Sich verstärkende Vertrauensspiralen

Lukas Otto & Fabian Thomas (externer Projektpartner: Yariv Tsfati; U Haifa)

Bereits seit den 70er Jahren wurden Effekte der Rezeption politischer Nachrichten auf Vertrauensurteile über Politikerinnen und Politiker untersucht (Robinson, 1976). Gleichzeitig hat das Vertrauen in Medien und politische Eliten einen Einfluss darauf, ob Menschen überhaupt politische Nachrichten rezipieren (Tsfati & Cappella, 2005). Vertrauen spielt also sowohl bei der Auswahl, als auch bei der Untersuchung von Medieneffekten eine entscheidende Rolle.

Innerhalb dieses Projekts möchten wir uns der (gleichzeitigen) Erforschung von Medienselektion und Medienwirkungen widmen. Dabei soll herausgefunden werden, inwiefern bestimmte Mediencharakteristika einerseits das Vertrauen in Politikerinnen und Politiker, sowie das Vertrauen in Medien beeinflussen und, welche Rolle diese Vertrauensmaße bei der Selektion politischer Nachrichten spielen. Diese (dynamische) Beziehung zwischen der Auswahl bestimmter Medien und Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsurteilen, kann mit Hilfe des reinforcing spirals model (Slater, 2007, 2015) beschrieben werden. Innerhalb dieses Models wird, wie oben beschrieben davon ausgegangen, dass Medienwirkung und –selektion nicht getrennt voneinander ablaufen, sondern miteinander verbundene, selbstverstärkende Prozesse sein können.

Mit experience sampling Studien sollen diese Dynamiken analysiert werden. Mit Hilfe ihres Smartphones können Probanden unmittelbar nach der Rezeption politischer Nachrichten Fragebögen beantworten. Dabei können unter anderem Vertrauensurteile über Politikerinnen und Politiker abgeben, oder die Glaubwürdigkeit einer Nachricht bewertet werden. Darüber hinaus kann die Mediennutzung der Rezipienten sehr genau untersucht werden, da die Befragung per Smartphone die Möglichkeit bietet etwa Fotos von den gelesenen Zeitungsartikeln zu senden oder die genauen Links von rezipierten online Nachrichten zu berichten. Auf diese Art und Weise erhalten wir sehr detaillierte Daten zur Mediennutzung – und wirkung über einen kurzen Zeitraum. Mit Hilfe dieser Daten können dynamische Prozesse der täglichen Medienrezeption abgebildet und mit Medieninhaltsanalysedaten verknüpft werden.

Gleichzeitig handelt es sich um ländervergleichende Studien, da die beschriebenen Studien sowohl in Deutschland als auch in Israel durchgeführt werden. Deutschland gilt hierbei als Land mit relativ hohem politischen Vertrauen, während das Vertrauen, in Medien und politische Akteure, in Israel deutlich geringer ausfällt.

 

Literatur:

Robinson, M. J. (1976). Public Affairs Television and the Growth of Political Malaise: The Case of "The Selling of the Pentagon". The American Political Science Review, 70(2), 409–432.

Slater, M. D. (2007). Reinforcing Spirals: The Mutual Influence of Media Selectivity and Media Effects and Their Impact on Individual Behavior and Social Identity. Communication Theory, 17(3), 281-303. doi:10.1111/j.1468-2885.2007.00296.x

Slater, M. D. (2015). Reinforcing Spirals Model: Conceptualizing the Relationship Between Media Content Exposure and the Development and Maintenance of Attitudes. Media Psychology, 18(3), 370-395. doi:10.1080/15213269.2014.897236

Tsfati, Y., & Cappella, J. N. (2005). Why Do People Watch News They Do Not Trust? The Need for Cognition as a Moderator in the Association Between News Media Skepticism and Exposure. Media Psychology, 7(3), 251–271. doi:10.1207/s1532785xmep0703_2