Pädagogikstudent Thorsten Lewentz - Erzieher

 

 

Den eigenen Horizont erweitern und sich beruflich breiter aufstellen: Das verbindet Thorsten Lewentz mit seinem Pädagogik-Studium.

Nach seinem Realschulabschluss investierte er fünf intensive Jahre in seine Ausbildung zum Erzieher. Im Anschluss war er weitere fünf Jahre in seinem erlernten Beruf erfolgreich tätig – eine Leitungsstelle war in Aussicht. Der 27-Jährige entschied sich jedoch bewusst für eine wissenschaftliche Weiterqualifizierung an der Universität.

 

Aus welchen Gründen haben Sie sich für ein Studium an der Universität entschieden?

Der Gedanke, in einigen Jahren nicht mehr als Erzieher arbeiten zu können bzw. zu wollen, bewegte mich zum Studium. Der Arbeitsmarkt ist meiner Ansicht nach heute hauptsächlich auf Studienabschlüsse ausgelegt, sodass es schwierig wird, das Berufsfeld zu wechseln, wenn man „nur“ eine Ausbildung gemacht hat. Um mich also breiter aufzustellen, wollte ich studieren gehen. Durch meine Berufserfahrung konnte ich bereits Praxiserfahrungen im pädagogischen Bereich sammeln. Jetzt erweitere ich mit einem theoretischen Fokus an der Universität mein Profil. Die Möglichkeit, in diesem Beruf sowohl eher in planerischer Funktion als auch im direkten praktischen Feld zu arbeiten (und beides kombiniert), führten mich in das Pädagogikstudium. Generell interessiert mich der Umgang mit Menschen, deren Begleitung, Unterstützung und Förderung.

 

Wie reagierte Ihr Umfeld (Familie, Freunde, KommilitonInnen) auf Ihr Vorhaben zu studieren?

Gemischt. Meine Kollegen zunächst verwundert, da ich ja die Aussicht auf eine Leitungsstelle in der Kita hatte, aber dann doch bestärkend. Meine Freunde und Familie waren zwar besorgt wegen der vielen Änderungen in meinem Leben, z.B. die Aufgabe einer unbefristeten Stelle. Letzten Endes bekräftigten sie meine Entscheidung und versuchten mich zu unterstützen, wo es nur ging. Dank ihrer Zustimmung bin ich das anfängliche „Hirngespinst“ des Studiums angegangen.

Was erwarten Sie von Ihrem Studium?

Vor allem wünsche ich mir eine Horizonterweiterung, durch die ich Dinge mit neuem Blick sehen und angehen kann. Sowohl in beruflicher als auch privater Hinsicht.

Wichtig ist mir auch eine breitere Auswahlmöglichkeit an Jobs, in denen ich dann arbeiten kann. Nicht zuletzt hätte ich natürlich nach dem Studium gerne einen Job, in dem ich mich wieder so wohl fühle wie in meinem Beruf als Erzieher.

 

Vor welchen Herausforderungen standen/ stehen Sie vor und während Ihres Studiums?

Meinen sicheren Job vor dem Studium zu kündigen, war sicher die größte Hürde für mich. Wegen einer Kündigungsfrist musste ich meinen unbefristeten Vertrag kündigen, bevor ich überhaupt eine Zusage von der Universität bekommen hatte.

Dieser Schritt ins Ungewisse wiederholte sich auch bei meiner Wohnung. Die alte Wohnung musste gekündigt werden, ein Nachmieter und eine neue Bleibe in Koblenz gefunden werden und das alles, bevor überhaupt ganz sicher war, das ich an der Uni angenommen war. Die Finanzierung meines Studiums ist eine weitere der ganz großen Herausforderungen. Da ich kein BAföG beziehe, bin ich auf Erspartes, Unterstützung von meiner Familie und auf Nebenjobs angewiesen.

 

Wie organisieren Sie Ihren Alltag (Studium, Arbeit, Familie)?

Durch mein Vollzeitstudium fehlt mir gefühlt häufig die Zeit zum ausgiebigen Vor- oder Nachbereiten. Daher versuche ich mir feste Zeiten zum Lernen im Kalender festzuhalten, was jedoch durch spontane Ereignisse häufig doch nicht gelingt. Für meinen Job als studentische Hilfskraft versuche ich mir bei der Planung meines Stundenplanes zuvor Zeit freizuhalten. Meine recht flexiblen Arbeitszeiten kommen mir da sehr entgegen, so dass ich Studium und Nebenjob ganz gut organisiert bekomme.

 

Welche Qualifizierungsangebote der Universität nutzen Sie, die nicht verpflichtender Teil Ihres Studiums sind?

Eindeutig zu wenige! Häufig gebe ich meiner Freizeit dann doch den Vorrang – im Studium lernt man halt auch viele neue Leute kennen, das ist dann auch sehr verlockend.

Bisher habe ich schon an einer Schreibwerkstatt des Projektes Ressourcen² teilgenommen, das hat mir beim Schreiben einer Hausarbeit sehr geholfen.

Welche beruflichen Pläne haben Sie für Ihre Zukunft?

Diese sind noch nicht all zu konkret. Ich kann mir vorstellen, im Bereich der Medienpädagogik tätig zu sein oder auch in einer beratenden Tätigkeit. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ich später mal wieder in einer Kita arbeite, da ich den Beruf wirklich gerne ausgeübt habe – dann aber mit einem neuen beruflichen Hintergrund.

 

Welche Vorteile bringt Ihnen Ihre berufliche Erfahrung im Studium?

Zum einen die schlichte Erfahrung, wie sich die Arbeitswelt anfühlt. Also was es praktisch heißt, jeden Tag arbeiten zu gehen, Verantwortung zu tragen oder sich komplett selbst zu finanzieren. Ganz konkret für mein Studium bedeutet meine Berufserfahrung, die Theorie direkter mit der Praxis vergleichen zu können. Ich kenne mögliche Spannungsfelder und auch den ein oder anderen Fachbegriff.

 

Was können Sie beruflich qualifizierten Studieninteressierten empfehlen?

Mit anderen Studenten oder besser noch speziell beruflich Qualifizierten im Vorfeld zu sprechen. Sich an das Projekt Ressourcen² zu wenden und Beratungsangebote zu nutzen.

Und nachdem man die Chancen und Risiken gut überdacht hat, den Schritt ins Ungewisse zu wagen.

 

Stand September 2016