Dissertationsprojekte

 

Musikalische Transformationen. Eine Studie zur Dynamik von Bedeutungszuschreibungen und Beziehungen zwischen Musiker*innen, Musik und Profession. 

Durch den gezielten Einsatz von Musik in therapeutischen und pädagogischen Settings vollzieht sich ein Übergang vom Studium zu Beruf, von individueller zu stellvertretender Krisenbewältigung und schließlich von einem privaten Kontext hin zu einem beruflichen.  

In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit der Frage, wie sich die Bedeutung von Musik für das Individuum sowie die Beziehungen zum Gegenstand Musik während des Überganges nach dem Studium in ein musikbezogenes berufliches Handlungsfeld gestalten.  

Dabei interessiere ich mich für Bildungsprozesse, die sich innerhalb von Krisenbewältigungsprozessen abspielen und frage danach, ob musikalischen Verständnisse sich im Prozess der Professionalisierung verändern und ob sich diese insbesondere in der therapeutischen Praxis von denen musikbezogener Sozialer Arbeit oder der Kultur- und Unterhaltungsbranche unterscheiden. Welche Rolle spielt Musik für Menschen, die diese professionell im Sinne der Beziehungsgestaltung und stellvertretenden Krisenbearbeitung „einsetzen“ sodass jene Kunst nun mehr zum Bestreiten ihres Lebensunterhaltes praktizieren? 

Das Dissertationsprojekt fokussiert zusammengefasst den Übergang junger Menschen nach dem Studium in ein musikbezogenes berufliches Handlungsfeld und zielt auf das Verständnis transformatorischer Bildungsprozesse sowie auf Bedeutungszuschreibungen bezogen auf den Gegenstand Musik im Kontext von Professionalisierung. 


 

Verdachtsmanagement im Kinderschutz. Fragilitätstests des Jugendamts

In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit der Frage, wie Fachkräfte im Kinderschutz zu dem Urteil gelangen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt oder nicht. Da es im deutschen Kinderschutz kein standardisiertes Vorgehen der Verdachtsabklärung bei Kindeswohlgefährdung gibt und wenig darüber bekannt ist, wie Entscheidungen in der Praxis getroffen werden, wird in dem Dissertationsprojekt der Versuch unternommen, die „Black Box“ der Entscheidungsfindung im Kinderschutz zu öffnen.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „Fallkonstitutive Urteilsbildung bei Kindeswohlgefährdung“ habe ich in einem ethnographischen Feldzugang den Arbeitsalltag von Fachkräften in Allgemeinen Sozialen Diensten ausgewählter Jugendämter in Deutschland teilnehmend beobachtet.

In der Dissertation kann gezeigt werden, dass die Fachkräfte zwei verschiedene Teststrategien anwenden, mit denen sie „verdächtige Eltern“ im Hinblick auf die „Fragilität“ ihrer Elternschaft testen. Weiter zeige ich auf, wie die untersuchten Fachkräfte die Testverfahren unter jeweils spezifischen Fallbedingungen anwenden. Die Explikation dieser Anwendungsbedingungen führte zu einer fast-and-frugal-Heuristik (im Sinne von Gerd Gigerenzer), der die untersuchten Fachkräfte bei der Bearbeitung von Kinderschutzfällen implizit folgen. Die implizite Befolgung der Heuristik kann als Verdachtsmanagement des Kinderschutzes bezeichnet werden, da es hier darum geht, den aufgekommenen „Verdacht“ auf Kindeswohlgefährdung aktenförmig zu verwalten. Die ethnographischen Analysen zeigen außerdem, dass die Anwendung der Testverfahren stigmatisierend für die Eltern und deren Kinder ist. Diese Stigmatisierung ist Folge der Struktur des gegenwärtigen Systems der Kinder- und Jugendhilfe, denn um erzieherische Hilfen erhaltenzu können, muss ein „erzieherischer Bedarf“ vorliegen.


 

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Die Fridays for Future-Bewegung Deutschland – ethnografische Erkundungen

Lange Zeit blieb die Politisierung von Jugend wissenschaftlich unterbeleuchtet bzw. wurde als absent deklariert. Mit der Entstehung der Fridays for Future-Bewegung jedoch erlebte die Wahrnehmung junger Menschen als Agent*innen sozialökologischen Wandels regelrecht einen Höhepunkt.

Obwohl bzw. gerade weil bereits so viel über die Bewegung und ihre Akteur*innen gewusst wird und gesagt wurde, verfolgt mein ethnografisches Dissertationsprojekt das Ziel, zu verstehen, was in diesem diffusen Feld eigentlich vor sich geht und so die Eigenheiten des Feldes, die Binnenperspektiven, offenzulegen. Einer ethnografischen Haltung der Befremdung des vermeintlich Vertrauten folgend, nehme ich die Bewegung und ihre jungen Akteur*innen, die sich in Deutschland für Klimagerechtigkeit einsetzen, zum Gegenstand.

Inspiriert von Bruno Latours und Adele E. Clarkes relationalen Theorie-Methoden- Zusammenhängen geht das Projekt dabei der praxistheoretisch geleiteten Frage nach, wie politische und soziale Teilhabe im Kontext der Bewegung hervorgebracht und verhandelt wird: Wer darf und kann wie mitsprechen? Welche spezifischen Subjektformen können in diesem Zusammenhang Akteur*innen im Feld annehmen, um legitime, „kompetente“ Mitspieler*innen im Drama um Klimaaktivismus zu werden?

Mein Forschungsprojekt öffnet sich damit insgesamt sowohl für innovative, gestalterische Impulse junger Menschen hinsichtlich sozialer Probleme, als auch für spezifische lebensweltliche, zeitaktuelle Zusammenhänge, die heutiges Aufwachsen prägen – nicht, ohne sich hierzu reflektierend zu positionieren.


Externe Doktorand*innen

Beteiligung von Kindern im Verfahren zum Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdungen gem. §8a Abs. 4 SGB VIII

Die Meinung von Kindern ist in allen sie betreffenden Angelegenheiten zu berücksichtigen. Dies ist seit Inkrafttreten der UN-Kinderrechtskonvention eine Rechtsvorschrift, die spezifiziert auch im komplexen Bereich des Kinderschutzes auf bundesrechtlicher Ebene wiederzufinden ist. So heißt es im Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdungen (gem. §8a SGB VIII), dass Kinder in eine Gefährdungseinschätzung einzubeziehen sind, soweit dadurch der wirksame Schutz des Kindes nicht in Frage gestellt wird. Die Beteiligung ist dabei nicht altersabhängig, sondern hängt u. a. von der Fähigkeit, Bereitschaft und dem Willen des Kindes auf der einen Seite und von Strukturen, Fähigkeiten, Kompetenzen sowie der Haltung der pädagogischen Fachkräfte auf der anderen Seite ab.

Die Umsetzung legitimer Beteiligung im Themenkomplex Kinderschutz scheint die Praxis allerdings vor Herausforderungen zu stellen. So existieren bereits einige Untersuchungen zum Thema, in denen hemmende und fördernde Faktoren für gelingende Beteiligung herausgestellt wurden.

In meiner Dissertation beschäftige ich mich mit der Frage, wie die Beteiligung von Kindern an einer Gefährdungseinschätzung in Kindertagesstätten umgesetzt wird.

In meiner ethnographischen Forschung stelle ich zunächst anhand eines normativen Ansatzes dar, was Beteiligung an Gefährdungseinschätzungen sein soll und untersuche folgend, welche Beteiligungsformen in der Praxis vorhanden sind.

Ziel der Forschung ist es, das Passungsverhältnis von „Gesetz und Praxis“ hinsichtlich möglicher Diskrepanzen zu untersuchen.