Projekt: "Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht" im Graduiertenkolleg "Unterrichtsprozesse" (DFG)

Graduiertenkolleg "Unterrichtsprozesse"

Projektleitung:  Prof. Dr. Andreas Helmke, Prof. Dr. Gisela Kammermeyer, Prof. Dr. Peter Ludwig, Prof. Dr. Stephan Merten, Prof. Dr. Andreas Müller, Prof. Dr. Wieland Müller, Prof. Dr. Renate Rasch, Prof. Dr. Manfred Schmitt, Prof. Dr. Wolfgang Schnotz (Sprecher)

Gefördert durch:  DFG

Laufzeit:  2009 - 2013

Kurzbeschreibung:  Das Graduiertenkolleg Unterrichtsprozesse ist ein Kooperationsunternehmen der empirischen Erziehungswissenschaft, der Pädagogischen Psychologie und ausgewählter Fachdidaktiken an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau. In sieben jeweils interdisziplinär besetzten Einzelprojekten werden Unterrichts- bzw. Lehr-Lern-Prozesse in verschiedenen Bildungsbereichen vom Kindergarten über die Grundschule bis zur Sekundarstufe sowohl prozess- als auch ergebnis-orientiert analysiert. Die Beteiligten gehen von der gemeinsamen Annahme aus, dass eine stärkere Prozessorientierung den Blick öffnet für bislang verborgene Hindernisse bei der Erreichung von Lehr- und Lernzielen.

Eine differenziertere Sicht dieser Prozesse kann dazu führen, dass Lehrkräfte beim Auftreten von Verständnisschwierigkeiten ihrer Schüler und Schülerinnen anstelle der wiederholten (und manchmal rigiden) Anwendung der gleichen didaktischen Mittel flexibler reagieren und so einen stärker adaptiven Unterricht realisieren können, indem sie die Ursachen der Schwierigkeiten besser verstehen und entsprechend gezielt einwirken können. Damit rückt die allgemeine und fachspezifische diagnostische Kompetenz von Lehrkräften in den Vordergrund, die nicht nur die kognitiven Lernvoraussetzungen von Schüler/innen, sondern auch ihre motivationalen und emotionalen Voraussetzungen sowie - angesichts der häufig anzutreffenden heterogenen sozialen Zusammensetzung von Schulklassen - auch ihren sprachlich-kulturellen Hintergrund in Rechnung stellen muss.

Projekt: "Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht" im Graduiertenkolleg "Unterrichtsprozesse"

(S. Merten, A. Helmke, F.-W. Schrader, K. Kuhs, I. Hosenfeld)

Zielsetzung und Fragestellung.  Neuere Forschungen zum Lehrerwissen und zur Lehrerexpertise zeigen, dass fachdidaktisches Wissen ("pedagogical content knowledge") und diagnostische Kompetenz wichtige Bedingungen für den Unterrichtserfolg sind. Während dies für Fächer wie Mathematik gut erforscht ist, weiß man derzeit noch wenig über spezifische Kompetenzen von Lehrkräften im Unterricht mit Deutsch-als-Zweitsprache-Lernern ("zweitsprachendidaktische Kompetenzen"). Mangels einschlägiger empirischer Untersuchungen lassen sich die folgenden Fragen aktuell nicht zuverlässig beantworten: Ist Lehrpersonen bewusst, in welcher besonderen Sprachlernsituation sich Lernende befinden, für die der deutschsprachige Unterricht ein Zweitsprachenunterricht ist? Nehmen sie die Sprachlernbedürfnisse dieser Lernenden an entscheidenden Stellen des Unterrichts wahr und setzen sie dieses Wissen in geeignete Maßnahmen der spezifischen unterrichtlichen Unterstützung um? Langfristiges Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Diagnose- und Trainingsprogramms bezogen auf die zweitsprachendidaktische Kompetenz von Lehrpersonen.

Theoretischer Hintergrund.  Den Hintergrund dieses Projektes bilden drei Theoriestränge:
(1) Die Interkulturelle Pädagogik, insbesondere die Forschung zum Zweitsprachenerwerb und zur Didaktik des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache, (2) die kognitionspsychologisch orientierte Forschung zum Lehrerwissen (insbesondere "pedagogical content knowledge" i. S. von Shulman) und zum situierten Lernen sowie (3) die fachübergreifende Forschung zur Unterrichtsqualität.

Relevanz.  Die Vergleichsstudien IGLU, PISA und VERA haben deutlich gemacht, dass Migrantenschüler und -schülerinnen zu den Verlierern im deutschen Bildungswesen gehören. Bei Kompetenztests erreichen sie ein erschreckend niedriges Niveau, gravierend sind die hohen Zahlen der niedrigen Schulabschlüsse und der Schulabgänger ohne Abschluss (Diefenbach, 2007). Eine Ursache hierfür wird darin gesehen, dass Schulen in Deutschland in vielen Fällen unzureichend auf die gegebene kulturelle und sprachliche Heterogenität der Schulklassen reagieren. Schulorganisatorische Konzepte bleiben hinter dem Stand der internationalen Diskussion zurück (Banks, 2004). Sie beschränken sich häufig auf Submersionsmodelle, d. h. auf die Unterrichtung in deutschen Regelklassen ohne ausreichende Unterstützung beim Erwerb der und Lernen in der Zweitsprache Deutsch (Reich u. a., 2002). Das dabei verfolgte Ziel ist die Einsprachigkeit in der Mehrheits- bzw. Unterrichtssprache. Einer der Gründe hierfür dürfte der geringe Kenntnisstand deutscher Lehrperonen im Bereich der Zweitsprachendidaktik sein. Deswegen wird von maßgeblichen Bildungspolitiker/innen und -forscher/innen/n ein "professioneller Umgang mit der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen" (Gogolin & Wulf, 2007) gefordert.

Mögliche Dissertationsthemen

  • Sprachdiagnostische Kompetenzen von Deutschlehrer/innen im Unterricht mit Lernenden mit Deutsch als Zweitsprache
  • Entwicklung von Kompetenzprofilen von Lehrpersonen bzgl. der Sprachentwicklung und Sprachförderung im mehrsprachigen Deutschunterricht
  • Deutschunterricht aus der Perspektive von Lernenden mit Migrationshintergrund
  • Situiertes zweitsprachendidaktisches Lernen mit Hilfe von Video-Vignetten

Kontakt

  • Dr. Katharina Kuhs, Arbeitsbereich Interkulturelle Bildung im Institut für Bildung im Kindes- und Jugendalter, Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, kuhs@uni-landau.de
  • Prof. Dr. Stephan Merten, Institut für Germanistik, Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, merten@uni-landau.de