Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik

Sprache ist ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Kommunikationsmedium des Menschen; sie tritt immer als verkörperte Sprache in Erscheinung: gesprochen, geschrieben oder gebärdet, häufig auch in Kombination mit anderen Zeichensystemen wie Bild und Musik (z.B. in der Plakatwerbung und in Fernsehspots). In diesem Sinne gibt es keine unvermittelte, d.h. a-mediale, sprachliche Kommunikation. Oder, anders formuliert: Losgelöst von Kommunikation und Medien haben grammatische Strukturen keine Existenz. Die Sprachwissenschaft (= Linguistik) lässt sich daher naturgemäß weder von der Kommunikations- noch von der Medienwissenschaft trennscharf abgrenzen. In der Landauer Germanistik begreifen wir die Linguistik als die Wissenschaft a) von der sprachlichen Kommunikation und b) von den Sprachsystemen. Dies schlägt sich auch im Profil unserer Module nieder: In Modul 3 (Grammatik) beispielsweise wird Sprache vornehmlich als System behandelt, in Modul 4 (Pragmatik) vornehmlich als Kommunikationsmedium. In den Modulen 8 und 10 (Sprachwandel und Sprachvariation) wird sie sowohl von der System- als auch von der Gebrauchsseite her untersucht. Wichtig ist hierbei vor allem, dass stets im Bewusstsein gehalten wird, dass die sprachlich-kommunikative, kulturgebundene Interaktion die Basis für die Herausbildung von Sprachsystemen ist, d.h. auch für die Herausbildung von grammatischen Strukturen, und dass die Teilgebiete der Linguistik daher nicht isoliert voneinander zu sehen sind.


Unsere Grundidee einer kommunikationsorientierten, kulturwissenschaftlichen Sprachwissenschaft korrespondiert mit unserer Auffassung davon, was Sprachdidaktik leisten sollte. Sprachdidaktik thematisiert in Forschung und Lehre den Erwerb von mündlicher und schriftlicher Kommunikationsfähigkeit. Sie diskutiert Aspekte von sprachlichem Wissen, von Sprachbewusstheit und sprachlicher Ästhetik sowie Möglichkeiten zu deren Vermittlung. Im Zeitalter der sog. Neuen Medien kommt die Auseinandersetzung mit nicht sprachlichen Zeichensystemen und neuen Kommunikationsformen (E-Mail, Chat etc.) hinzu.


Wie auch die Sprachwissenschaft untersucht die Sprachdidaktik den produktiven, den rezeptiven sowie den reflexiven Gebrauch der deutschen Sprache in Wort und Schrift. Sie analysiert und berücksichtigt Struktur und Funktion der deutschen Standardsprache wie auch deren regionale, soziale, funktionale und geschlechtsspezifische Varietäten. Die Sprachdidaktik reflektiert Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen der Kommunikation. Sie entwickelt Konzepte zur Förderung kommunikativer Kompetenzen und hinterfragt beispielsweise Grammatik und Grammatiken nach deren Bildungswert und Lernbarkeit. Sie erforscht die sprachlichen Fertigkeiten, die für Lernende gegenwärtig und zukünftig von Bedeutung sind. Darüber hinaus entwickelt sie geeignete Methoden und Medien zu deren Vermittlung. Theoretisch und zunehmend auch empirisch erforscht die Sprachdidaktik nicht nur das, was Lernende sprachlich lernen sollen, sondern auch das gesamte sprachliche Geschehen im Unterricht. Sprachdidaktik interessiert sich beispielsweise dafür, was und wie ein Lehrender einem Lernenden etwas erklärt, und nicht nur, dass etwas erklärt wird. Da Sprache nicht nur mündlich und in traditionellen schriftlichen Medien (Buch, Zeitung, …) verwendet wird, macht die steigende mediale Differenzierung moderner Kommunikationsformen die Beschäftigung mit den unterschiedlichen Medien und verschiedenen Zeichensystemen unter sprachdidaktischem Aspekt notwendig.


Ein Hauptziel der Sprachdidaktik ist es, in interdisziplinärer Zusammenarbeit nach Wegen zu suchen, wie die Sprachentwicklung von Heranwachsenden gegenwärtig und zukünftig gefördert und in differenzierender Weise angeregt und begleitet werden kann. Das gelingt, wenn sie die sich verändernde sprachliche, soziale und mediale Lebenswelt der Heranwachsenden und auch von Erwachsenen konzeptionell thematisiert und nicht nur auf Entwicklungen in den genannten Feldern reagiert.


Auf diese Weise leisten Sprachdidaktik und Sprachwissenschaft einen entscheidenden Beitrag dazu, dass Lernende in unterschiedlichen Institutionen und auf verschiedenen Altersstufen ihr sprachliches Wissen, ihren Sprachgebrauch, ihr ästhetisches Sprachempfinden, ihre stilistische Kompetenz und ihre Fähigkeit zu Sprachreflexion fortentwickeln können.