Trinationales Projekt "Youth. Europe. Music"

Zur Durchführung des ersten Teils des trinationalen Projektes „Youth. Europe. Music – Das Weimarer Dreieck der Jugend musikalisch belebt“ befanden sich Mitarbeiter*innen aus der Katholischen Religionspädagogik, des Schwerpunktes Rhetorik und der Arbeitsstelle Menschenrechtsbildung in der Zeit vom 01. bis zum 10. Mai im polnischen Oświęcim.

„Youth. Europe. Music“ verbindet Gedenkstättenpädagogik und politische Bildung mit einem interkulturell-musikalischen Austausch. Nach langer Vorbereitung und mehrfacher, pandemiebedingter Verschiebungen kamen nun Anfang Mai knapp 60 jugendliche Musiker*innen aus den Musikschulen von Oświęcim (PL), Wissembourg (FR) und Landau (D) in der südpolnischen Kleinstadt Oświęcim zusammen. Prof. Dr. Matthias Bahr, einer der Initiatoren und Hauptverantwortlichen des Projekts, verband die Reise mit einem Seminar, sodass auch eine Gruppe Lehramtsstudierender mit vor Ort war. Zusätzliche Betreuung erfuhren die Studierenden von apl. Prof. Dr. Francesca Vidal vom Schwerpunkt Rhetorik.

Gruppenbild Zeitzeugin

Neben Proben und Konzerten standen zwei Besuche in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mittelpunkt der Reise. In einem knapp dreistündigen Workshop wurden die Beteiligten auf das vorbereitet, was sie in der Gedenkstätte erwarten würde. An den beiden Folgetagen gab es zunächst eine Führung durch das Stammlager, bei der auch die Länderausstellungen von Frankreich und Israel besucht wurden, ehe die jungen Musiker*innen und die Studierenden auf dem weitläufigen Gelände des Lagerkomplexes Birkenau dann selbstständig Eindrücke von den Überresten des nationalsozialistischen Vernichtungsapparats sammeln konnten.
Im Rahmen der pädagogischen Nachbereitung der Gedenkstättenbesuche fand in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) von Oświęcim (die ebenfalls am Projekt beteiligt ist) ein Zeitzeugengespräch mit einer Überlebenden des Holocaust statt: Eindrücklich berichtete Zdzisława Włodarczyk, die 1933 geboren wurde, von ihrer Kindheit und Jugend im Krieg. Im Jahr 1944 wird sie mit ihrer Familie ins KZ Auschwitz-Birkenau gebracht, entgeht bei der Selektion nur durch einen Zufall der Gaskammer und bleibt bis zur Befreiung im Januar 1945 im Lager. Im Brückenschlag von ihren eigenen Erfahrungen mit Krieg und Vernichtung zum gegenwärtigen Krieg in Europa schloss Włodarczyk mit einem entschiedenen Appell für Verständigung, Toleranz und ein friedliches Miteinander.

Besuch des Lagerkomplexes Birkenau

Dieser Botschaft verliehen die Jugendlichen zum Ende der Reise– musikalisch – Nachdruck: Bei zwei Konzerten, in der Musikschule von Oświęcim sowie in der Schlesischen Philharmonie in Katowice, spielte das trinationale Orchester (dirigiert von Marc Bender) neben populären und klassischen Stücken auch ein eigens (von Johannes Stange) geschaffenes Arrangement aus polnischen, französischen und deutschen Freiheitsliedern. Diese musikalische Belebung des Weimarer Dreiecks – jenes politischen Austauschformats, das in der Nachwendezeit von den Außenministern Polens, Frankreichs und Deutschlands initiiert wurde – fand unter den Augen der Lokalpolitik statt: Sandra Fischer-Junck (Bürgermeisterin von Wissembourg) und Dietmar Seefeldt (Landrat des Landkreises Südliche Weinstraße) waren eigens angereist und stießen zum Ende der Reise, bei einem Tagesausflug nach Kraków, zur Gruppe hinzu; der Bürgermeister von Oświęcim, Janusz Chwierut, schloss sich ihnen beim Konzert am Folgetag an. Bei einer Gesprächsrunde konnten die Projektbeteiligten zudem Fragen an die anwesenden Politiker*innen richten. Im Mittelpunkt standen hierbei Möglichkeiten der Verstetigung von Austauschformaten wie "Youth. Europe. Music.", die Wichtigkeit grenzüberschreitender, europäischer Kooperationen - gerade für die Jugend - sowie die förderliche Rolle der Kunst für derartige Prozesse.
Im Spätsommer dieses Jahres (10. bis 18. September) kommt es dann zum Gegenbesuch der polnischen Musiker*innen in Deutschland und Frankreich. Geplant sind (u. a.) Konzerte auf dem Hambacher Schloss sowie im Europäischen Parlament in Straßburg.


Die erste Projektphase fand ein nicht unerhebliches mediales Echo: Neben einem Beitrag in der SWR-Fernsehsendung „SWR Aktuell Rheinland-Pfalz“ (ab Min. 13:35) erschienen Berichte in der „Rheinpfalz“, in den „Dernières Nouvelles d’Alsace“, auf dem Internetauftritt der IJBS und auf dem Online-Portal „Fakty Oświęcim“.

Zu den Bildern: Die erste Aufnahme zeigt (v. l. n. r.) Jolanta Brandys (Musikschule Oświęcim), Francesca Vidal (Uni Landau, Schwerpunkt Rhetorik), Adrian Rinck (Kreismusikschule Südliche Weinstraße), Matthias Bahr (Uni Landau, Kath. Religionspädagogik u. Arbeitsstelle MRB), Adeline Hirschler und Marc Bender (Philharmonie Baden-Baden) mit der Zeitzeugin Zdzisława Włodarczyk vor der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (7. Mai). Das zweite Bild ist beim Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 5. Mai aufgenommen worden.

Weitere Eindrücke von der Reise können unten gewonnen und auf der Startseite des Projekts Menschenrechtsbildung angesehen werden.

 

 

Workshop

Workshop in der IJBS zur Vorbereitung auf die Besuche in der Gedenkstätte (3. Mai)

Besuch im Stammlager

Führung durch das Stammlager am 4. Mai

Israelische Ausstellung

Zwei Schülerinnen in der israelischen Ausstellung vor einem Verzeichnis der Opfer der Shoa

Gedenkstätte Birkenau

Besuch im Lagerkomplex Birkenau am 5. Mai

Zeitzeugin

Treffen mit der Zeitzeugin Zdzisława Włodarczyk in der IJBS

Verabschiedung Zeitzeugin

Verabschiedung von Zdzisława Włodarczyk

Politikerrunde

Ein kleines Weimarer Dreieck - Gesprächsrunde mit Politiker*innen aus Oświęcim, Wissembourg und des Kreises Südliche Weinstraße

Kennenlernen in der Musikschule

Ein erstes Kennenlernen in der Musikschule von Oświęcim am 2. Mai

Probe

Proben für die beiden Konzerte

Konzert Musikschule

Am Ende des Konzertes in der Musikschule von Oświęcim am 8. Mai

Konzert Katowice

Konzert in der Schlesischen Philharmonie in Katowice am 9. Mai

 

 


Datum der Meldung 20.05.2022 00:00