Ringvorlesungen des FB 6

Fortsetzung der Ringvorlesung Fakt und Fake:

Im Sommersemester 2022 werden die vier Veranstaltungen im Rahmen der Ringvorlesung, die coronabedingt im Januar und Februar entfallen mussten, nachgeholt!

Termine, Themen und Referenten finden Sie hier.

Der Fachbereich 6 organisiert regelmäßig Ringvorlesungen zu kultur- und sozialwissenschaftlichen Themen. Bis heute fanden sieben Ringvorlesungen statt, die stets auch ein interessiertes Publikum aus Stadt und Umgebung an die Universität führen.

8. Ringvorlesung  im Wintersemester 2021/22
Fakt und Fake: Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Wahrheit und Lüge

 „Nichts ist so gewiss, wie die Ungewissheit der Zukunft“ – das gemeinhin Niklas Luhmann zugeschriebene Bonmot scheint angesichts aktueller Debatten und Diagnosen um eine neue Unübersichtlichkeit und Orientierungslosigkeit ergänzungsbedürftig. Denn nicht mehr allein was zukünftige Wirklichkeiten sein könnten, auch Gegenwart und Vergangenheit verlieren ihre Berechenbarkeit und Eindeutigkeit und büßen an Verbindlichkeit ein. So wird, was vielen für lange Zeit stabil, sicher und selbstverständlich gegolten haben mag, beweglich, verhandelbar und ungewiss – auch die Unterscheidung von wahr und falsch.

Diese Entwicklungen rücken das Verhältnis von Wahrheit und Lüge verschärft ins Blickfeld der Kultur- und Sozialwissenschaften. Ihren Horizont unterschiedlicher Ansätze, Perspektiven und Einsichten will die Ringvorlesung ausloten und diskutieren. Denn nie zuvor – so scheint es – gab es so viele und so tiefe Abgründe zwischen Wahrheit und Lüge, und nie zu vor waren die Vertrauensverluste und Glaubwürdigkeitskrisen in Religion, Politik und Wirtschaft, Medien und Wissenschaft so verbreitet und groß. Nicht nur, dass Information und Werbung, Dokumentation und Fiktion, Authentizität und Inszenierung, Aufklärung und Ideologie, objektives Wissen und Verschwörungstheorien, fundierte Meinungen und haltloses Geschwätz gleichberechtigt und gleichverfügbar nebeneinanderstehen. Auch das Wissen von Intellektuellen und Expertinnen erfährt Glaubwürdigkeits- und Akzeptanzerosionen gegenüber einem Denken, das Abstände proklamiert und Gegensätze zementiert, weil es an die Tradition und die moralische Autorität absoluter Gewissheit glauben will: Wir allein verstehen und erklären die Welt mit unseren Methoden, Daten und Fakten richtig! Solche Hegemonialansprüche nehmen heutzutage gerne aggressive Züge an, von Stigmatisierungen und Diffamierungen bis hin zu offenem Hass.

Doch was ist Fakt – und was ist Fake? Sind Wahrheiten nichts Anderes als Illusionen, von denen wir vergessen haben, dass sie welche sind (Nietzsche), und Lügen nichts Anderes als Sprachspiele, die wir lernen und beherrschen müssen, wie andere kognitive und ästhetische Fertigkeiten auch (Wittgenstein)? Welche Verfahrensweisen und Techniken der Wahrheitsfindung können wir einsetzen und wer befindet darüber, was wahr und falsch ist, und was nicht (Foucault)? Wie ist es um die Wahrheitsfähigkeit und Wahrhaftigkeit von Sprache und Text bestellt? Wenn Bilder mehr als tausend Worte sagen, lügen Bilder dann auch mehr als tausend Worte? Was sind die Strategien der Grenzverwischung zwischen Fakten und Fakes in Propaganda und Populismus, welches die Gegengifte zu ihrer Enttarnung und Entkräftung? Können moderne Gesellschaften und Lebenswelten die Grenzlinie zwischen der unumstößlichen Gewissheit eines letztgültig Erschlossenen einerseits und den diese Tatsachen verdrehenden, verspiegelnden, verzerrenden Täuschungen andererseits überhaupt noch trennscharf und abschließend ziehen? Oder sind Wahrheit und Lüge unter den Vorzeichen einer globalisierten und digitalisierten Kultur und Kommunikation nicht mehr exklusiv und dichotom, sondern zunehmend relational zu denken und auf ihre bereichsspezifischen Ausprägungen und Spannungen hin zu befragen?

Das Programm finden Sie hier.

Zurückliegende Ringvorlesungen

Sommersemester 2019: Political Correctness

Die 7. Ringvorlesung widmete sich dem Thema bzw.  Schlagwort der „Political Correctness“, das  seit einigen Jahren von großer gesellschaftspolitischer Relevanz ist: Im öffentlichen Diskurs werden geschlechtergerechter Sprachgebrauch und „Gender-Mainstreaming“, der Sprachgebrauch im Zusammenhang mit Flucht und Migration, die tatsächliche oder vermeintliche Bedrohung von Meinungsfreiheitsrechten sowie der Umgang mit sogenannten Hasskommentaren in Internetdiskussionen regelmäßig thematisiert. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den verschiedenen Disziplinen des Fachbereichs widmeten sich dem vielseitigen und komplexen Thema aus kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive.

Das Plakat finden Sie hier.

Publikation:

Albert, Georg, Bluhm, Lothar, Schiefer Ferrari, Markus (Hg.): Political Correctness. Kultur- und sozialwissenschaftliche Perspektiven, Baden-Baden, Tectum Verlag, 2020.

 

Sommersemester 2018: „Bist du ein Mensch, so fühle meine Not“.

Die 6. Ringvorlesung stand für den Fachbereich im Zeichen der interdisziplinären Auseinandersetzung mit den Menschenrechten. Im Dezember 1948  wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. In der Veranstaltungsreihe unter der Überschrift: „Bist du ein Mensch, so fühle meine Not“ beleuchteten die Referentinnen und Referenten die Menschenrechte aus ihrer ganz eigenen fachlichen Perspektive.

 

Publikation:

Bluhm, Lothar, Schiefer Ferrari, Markus, Sesselmeier, Werner (Hg.): 'Bist du ein Mensch, so fühle meine Not.' Menschenrechte in kultur- und sozialwissenschaftlicher Perspektive, Baden-Baden, Tectum Verlag, 2019.

Sommersemester 2017: „Das süße Wort: Ich liebe dich!"

Die 5. Ringvorlesung des Fachbereichs 6 widmete sich der Liebe in Literatur, Kunst und Wissenschaft. Unter dem Titel „Das süße Wort: Ich liebe dich!“ boten die unterschiedlichen Fächer, von der Soziologie über die Germanistik bis hin zur Kunstgeschichte, von Ende April bis Mitte Juli 2017 einen vielschichtigen Blick auf die Liebe. Eine Publikation hierzu ist in Vorbereitung

 

Publikation:

Bluhm, Lothar, Müller-Schneider, Thomas, Schiefer Ferrari, Markus, Zuschlag, Christoph (Hg.): Das süße Wort: Ich liebe dich": Konstellationen der Liebe in Literatur, Kunst und Wissenschaft, Baden-Baden, Tectum Verlag, 2018.

Sommersemester 2016: Konflikt ohne Toleranz? Judentum und Antisemitismus in Europa

Im Sommersemester 2016 veranstaltete der Fachbereich 6 in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, der Evangelischen Akademie der Pfalz, dem Arbeitskreis Kirche und Judentum der Evangelischen Kirche der Pfalz und dem Frank-Loeb-Institut die vierte Ringvorlesung. Vorbereitend und parallel zur Wanderausstellung der Nordkirche „Ertragen können wir sie nicht“, die sich mit Luthers Haltung zu den Juden sowie seinen Judenschriften auseinandersetzt, wurde thematisch ein großer Bogen von der Antike bis zur Gegenwart mit einem Schwerpunkt auf der Reformationszeit gespannt.

Publikation:

Ulrich A. Wien (Hg.): Judentum und Antisemitismus in Europa, Tübingen, Mohr Siebeck Verlag, 2017.

Sommersemester 2015: Zur Kultur- und Sozialgeschichte des Gartens

Anlass der im Sommersemester 2015 durchgeführten Ringvorlesung »›Ich wandle unter Blumen / Und blühe selber mit‹ – Zur Kultur- und Sozialgeschichte des Gartens« war die vierte rheinland-pfälzische Landesgartenschau, die vom 17. April bis 18. Oktober 2015 in Landau stattfand. Die Vorlesung thematisierte die Chronologie und verschiedenen Erscheinungsformen der Gartenkunst vorwiegend in Europa und schlug dabei einen großen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart: von den Gärten in der griechischen und römischen Antike und mittelalterlichen Kloster- und Burggärten über italienische Renaissancegärten, französische Barockgärten und englische Landschaftsgärten bis hin zu den Volks- und Freizeitgärten des 19. und 20. Jahrhunderts und zur Gartenkunst in der Gegenwart.

Publikation:

Bluhm, Lothar, Schiefer Ferrari, Markus, Zuschlag, Christoph (Hg.): "Ich wandle unter Blumen / Und blühe selber mit". Zur Kultur- und Sozialgeschichte des Gartens, Baden-Baden, Tectum Verlag, 2018.

Sommersemester 2012: Interkulturalität

Die im Sommersemester 2012 stattgefundene Ringvorlesung „Interkulturalität“ wurde in Kooperation mit der Evangelischen Akademie der Pfalz und dem Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstitut der Evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz (EFWI) organisiert. An sieben Abenden wurden die gesellschaftlichen, pädagogischen, sprachlichen sowie religiösen und politischen Aspekte der Interkulturalität berücksichtigt und so eine  Zwischenbilanz des interkulturellen Zusammenlebens im zunehmend multikulturellen Deutschland vorgestellt.

Wintersemester 2010/2011: Apokalypse

Die Ringvorlesung Apokalypse fand im Wintersemester 2010/2011 statt. Ziel war die Zusammenführung von Forschungsinteressen, die in den verschiedenen Fachrichtungen in der einen oder anderen Weise auf das Themenfeld sowie im engeren Sinne auf die Johannesoffenbarung und die unterschiedlichen Wahrnehmungen dieses wirkungsmächtigen Kulturdokuments gerichtet waren. Besonderes Gewicht galt den Untergangsszenarien und deren Wahrnehmung in der Moderne. Hierzu ist ein hochwertiger Sammelband im De Gruyter Verlag erschienen.

Publikation:

Bluhm, Lothar, Schiefer Ferrari, Markus, Wagner, Hans-Peter, Zuschlag, Christoph (Hg.): Untergangsszenarien. Apokalyptische Denkbilder in Literatur, Kunst und Wissenschaft, Berlin, Akademie Verlag, 2013.