Forschungsprojekte

"Wir versprechen Vollbeschäftigung bis 2025" - Zur Wirkung von Wahlversprechen auf Wahlbeteiligung und Wahlentscheidung

Wahlversprechen von Parteien sind ein zentrales Instrument des Wahlkampfs, denn sie erfüllen eine wichtige demokratische Funktion: Sie geben Auskunft über das politische Angebot und legen den Maßstab fest, anhand dessen man das Regierungshandeln der letzten Jahre bewerten kann. Wahlversprechen spielen daher in Wahlkämpfen eine wichtige Rolle und können die Bürgerinnen und Bürger in zweierlei Hinsicht beeinflussen: zum einen die Entscheidung, überhaupt zur Wahl zu gehen, da Wahlversprechen programmatische Unterschiede zwischen den Parteien aufdecken, die mobilisierend wirken können. Zum anderen sollte es den Bürgerinnen und Bürgern durch Wahlversprechen erleichtert werden, sich für eine zu ihren politischen Wünschen passende Partei zu entscheiden. Dennoch ist die Wirkung von Wahlversprechen in der Politikwissenschaft noch kaum erforscht. Als Grund für diese Forschungslücke wird der hohe Aufwand einer notwendigerweise interdisziplinären Forschung vermutet. Daher verbinden wir politikwissenschaftliche und (kommunikations-)psychologische Ansätze, um die folgende Fragestellung zu beantworten: Welche Auswirkung haben Wahlversprechen der Parteien auf die Wahlbeteiligung und auf die Wahlentscheidung für eine bestimmte Partei?

Zwei Annahmen leiten die Studie: Erstens, Wahlversprechen haben einen positiven Effekt auf die Wahlbeteiligung, wenn sie die Unterschiede zwischen Parteien herausstellen. Zweitens erhöhen Wahlversprechen, die den politischen Präferenzen der Bürgerinnen und Bürgern entsprechen, die Wahrscheinlichkeit der Wahl dieser Partei. Weiterhin nehmen wir an, dass die Intensität der Wirkung von Wahlversprechen durch eine Reihe von moderierenden Persönlichkeitsfaktoren des einzelnen Wählers, wie z. B. politisches Vertrauen, die Parteibindung, Einstellungen gegenüber Wahlversprechen, politisches Interesse und Politikverdrossenheit (bzw. Zynismus), beeinflusst wird. Die theoretischen Annahmen werden in einer Serie von Experimenten überprüft. Erste Ergebnisse zeigen, dass unterschiedliche Wahlversprechen (im Vergleich zu sehr ähnlichen) allenfalls bei Bürgerinnen und Bürgern, die sich nicht in der politischen Mitte platzieren, eine mobilisierende Wirkung haben. Zudem ist die mobilisierende Wirkung bei den Bürgerinnen und Bürgern stärker, die sich gerne mit komplizierten Sachverhalten auseinandersetzen.

Projektnehmer: Dr. Evelyn Bytzek, Prof. Dr. Melanie C. Steffens (Universität Koblenz-Landau)

Projektmitarbeiterin: Julia Schnepf (Universität Koblenz-Landau)

Projektträger: Fritz Thyssen Stiftung

Projektlaufzeit: 7/2018 bis 6/2020