Die Geschichte des Mauerfalls: Prof. Dr. Werner Müller über den Zusammenbruch der DDR 1989/90

Am 9. November 2014 jährte sich zum 25. Mal der Fall der Berliner Mauer. Ein Bauwerk, das wie kaum ein anderes die Teilung Deutschlands sowie den Ost-West-Konflikt symbolisierte. Die Öffnung der innerdeutschen Grenze bedeutete nicht nur das Ende des Kalten Krieges. Der Mauerfall ist auch ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zur Deutschen Einheit. Die Grenzöffnung läutete das Ende der Deutschen Demokratische Republik (DDR) ein. Der Fall der Berliner-Mauer muss dabei als Kulminationspunkt eines bereits länger währenden Niedergangprozesses gelten, wie Professor Werner Müller (Universität Rostock) in seinem Gastvortrag vom 17. Dezember 2014 am Campus Landau betonte. Der Historiker und DDR-Forscher sprach im Rahmen der Vorlesung von Professor Manuela Glaab „Das politische System Deutschlands“ über die Gründe und Ursachen, die zum Zusammenbruch der DDR in den Jahren 1989/90 führten.

Im Kern lasse sich der Niedergang der DDR auf drei, sich teils wechselseitig bedingende Faktoren zurückführen, so Professor Müller.

 

Werner Müller

 

Zunächst sei die Funktionsfähigkeit des politischen Systems der DDR im Jahr 1989 erheblich erodiert, ja geradezu „paralysiert“ gewesen. Insbesondere Regelungsprobleme, die keiner Lösung mehr zugeführt werden konnten und zu einer erheblichen Destabilisierung führten, seien dabei zu nennen. Zum zweiten ließen wirtschaftliche Turbulenzen wie Devisenprobleme die Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) sowie den Sicherheitsapparat unter Druck geraten, konstatierte Müller. Drittens sei das System in den Jahren 1989/90 auch „geistig am Ende“ gewesen. Die Staatsideologie des Marxismus und Leninismus war „schlichtweg bankrott“, so Müller pointiert. Es folgten das Aufkommen der Bürgerrechtsbewegung, die sogenannten Montagsdemonstrationen und die Einrichtung von Runden Tischen. Kurzum: Die Systemkrise wurde manifest. Als wichtiges Ereignis der voranschreitenden friedlichen Revolution in der DDR hob Professor Müller die Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 hervor. Angesichts von 70.000 Demonstrantinnen und Demonstranten kapitulierten SED-Führung und Sicherheitsapparat an diesem Tag vor der Bürgerbewegung, die schließlich ungehindert und ohne gewaltsame Übergriffe durch die Leipziger Innenstadt ziehen konnten. Dass die Bürgerrechtsbewegung insbesondere in der Institution Kirche wichtige Unterstützung fand, legte Professor Müller in der Diskussion mit den anwesenden Studierenden und Gasthörern dar. Die Kirchen bildeten in dieser Zeit wichtige Zufluchtsorte für den Widerstand gegen die staatliche Führung der DDR, hielt der Historiker zum Ende der Diskussion fest.


Datum der Meldung 02.01.2015 00:00