Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte

 

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Die von Professor Manuela Glaab geleitete Arbeitseinheit „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“ beschäftigt sich mit Aspekten des modernen Regierens in theoretischer wie in empirischer Perspektive. Im Zentrum stehen die Entwicklungen in Deutschland, auf Bundes- wie auf Landesebene, in komparativem Zugriff aber auch andere westliche Demokratien, hier vor allem Großbritannien und die USA. Mit Themenbereichen wie politische Führung, Regierungskommunikation, Strategie und Politikberatung richtet sich der Fokus auf Gegenstände der Regierungsforschung. Im Bereich Demokratie und politische Partizipation stehen insbesondere die Potenziale und Grenzen der neuen, informalen Formen von Bürgerbeteiligung im Zentrum des Forschungsinteresses. Ergänzt wird dieser inhaltliche Zuschnitt durch Fragen der Parteien-, Wahl- und Kampagnenforschung sowie der politischen Kulturforschung. Der Anspruch der Arbeitseinheit besteht darin, politisch aktuelle und relevante Themen- und Problemstellungen aufzugreifen, theoretisch zu reflektieren sowie anwendungsorientiert zu analysieren. Der Brückenschlag zwischen Theorie und Praxis ist dabei ein besonderes Anliegen.

Aktuelle Projekte:

 

Projekt „Politik mit Bürgern - Politik für Bürger. Praxis und Perspektiven einer neuen Beteiligungskultur“ (Laufzeitende: Februar 2016)

Bürgerinnen und Bürger wollen, können und sollen sich in Politik einmischen. Welche Beteiligungsformen geeignet sind, den in der Bevölkerung vorhandenen Wunsch nach mehr Partizipation aufzunehmen und welche Chancen, aber auch Probleme hierbei in der Praxis bestehen, diesen Fragen geht das Projekt in zwei Arbeitsschritten nach:

In Kooperation mit der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz wurde in einem ersten Schritt eine Fachtagung „Politik mit Bürgern – Politik für Bürger. Praxis und Perspektiven einer neuen Beteiligungskultur“ konzipiert, im Rahmen derer namhafte ExpertInnen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung am 25. Juni 2015 in Mainz aktuelle Forschungsergebnisse präsentierten, aber auch Praxiserfahrungen diskutierten (weiter hier). Im zweiten Schritt wird von Professor Manuela Glaab eine Buchpublikation ediert (Redaktion: Anna Maria Kulak), um einen tiefergehenden Beitrag zur Debatte um eine neue Beteiligungskultur zu leisten und die Befunde einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen. Neben den ReferentInnen der Fachtagung konnten hierfür weitere WissenschaftlerInnen gewonnen werden. Der (begutachtete) Band wird im Februar 2016 in der Reihe „Bürgergesellschaft und Demokratie“ (Springer VS) erscheinen.

 

-          Handbuch Politikberatung (laufend)

Im September 2006 erschien erstmals das „Handbuch Politikberatung“ (Springer VS), das sich rasch als Standardwerk etablierte. In über 50 Beiträgen führender ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis wurde das Thema Politikberatung erstmals umfassend und systematisch behandelt, theoretisch fundiert und anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis illustriert. Der Bedarf an einer solchen Orientierungshilfe ist weiterhin groß, weil Politikberatung eine immer größere Rolle im politischen Prozess spielt: Die politischen Probleme werden vielschichtiger, der Entscheidungsdruck größer und damit steigen die Anforderungen an die politischen Akteure – die deswegen verstärkt auf Beratung und Expertise von außen zurückgreifen. Ein neues Herausgeberteam (Svenja Falk, Manuela Glaab, Andrea Römmele, Henrik Schober und Martin Thunert) hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, die neuesten Entwicklungen des Forschungs- wie auch Praxisfelds der Politikberatung in einer Publikation abzubilden. Bei der zweiten Ausgabe des Handbuchs handelt es sich um eine konzeptionell erweiterte, vollständige Neubearbeitung. Dazu wird es nicht nur aktualisiert und um neue Artikel ergänzt, sondern richtet den Blick auch auf neue Gegenstandsbereiche wie digitale Formen und das Methodenspektrum der Politikberatung. Im Zentrum stehen die folgenden Bereiche: (I.) Theoretische Grundlagen und Zugangsweisen zum Thema Politikberatung; (II.) Ressourcen und Akteure der Politikberatung; (III.) Politikberatungsprozesse auf verschiedenen Handlungsebenen und in ausgewählten Politikfeldern; (IV.) Politikberatung international; (V.) Politikberatung und Digitalisierung; (VI.) Methoden und Werkzeuge  der Politikberatung.

 

-          Politikmanagement und Regierungskommunikation (laufend)

Kommunikation zählt in westlichen Demokratien aufgrund der gewachsenen Bedeutung der Medien in modernen Gesellschaften inzwischen zu den Kernkompetenzen politischer Akteure. Für Regierungen stellen Informations-, Darstellungs- und Vermittlungsleistungen einen Schlüsselfaktor im Politikmanagement dar. Die Arbeitseinheit beschäftigt sich daher regelmäßig mit dem Feld der Kommunikations-, Kampagnen- und Strategieforschung.

 

Das Forschungsinteresse richtet sich hier zuvorderst auf die Krisenkommunikation nationalstaatlicher Regierungen. In Ausnahmesituationen wie der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise der Jahre 2007 bis 2009 ist diese unmittelbar gefordert: Unsicherheit, Problemdruck sowie eine eskalative Risikozuspitzung steigern den Informations- und Legitimationsdruck und stellen die Kommunikationsleistungen der zum raschen Handeln gezwungenen Regierungen auf den Prüfstand. Wie nationalstaatliche Regierungen in modernen westlichen Demokratien in ihrem Kommunikationsmanagement den tiefgreifenden Herausforderungen der internationalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2007 bis 2009 begegneten, untersucht das Dissertationsprojekt von Daniel Reichard M.A. mittels eines ländervergleichenden Mix-Methods-Design. Ziel ist es, einen empirischen Beitrag zur bislang von der Forschung selten systematisch in den Blick genommenen Ausgestaltung gouvernementaler Krisenkommunikationsprozesse zu leisten. Erste Befunde sind bereits publiziert

 

 

-         Wahlkampf- und Kampagnenforschung (laufend)

Als „Hochämter der Demokratie“ sind Wahlkämpfe nicht nur von herausragendem öffentlichen Interesse, sie stellen auch einen zentralen Gegenstand der politikwissenschaftlichen Forschung dar. Bislang noch wenig erforscht sind Wahlkämpfe auf Landesebene. Dies gilt insbesondere für die in der Literatur zur Kampagnenforschung vielfach diskutierten professionalisierungstheoretischen Annahmen. Das laufende Forschungsprojekt der Abteilung „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“ zu den jüngsten Landtagswahlkäpfen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt greift dieses Desiderat auf. Ziel ist es, die unter den Begriffen „Modernität“ und „Professionalisierung“ diskutierten Entwicklungstrends der Kampagnenkommunikation für die Landtagswahlkämpfe 2016 zu überprüfen. Hierzu führt die Arbeitseinheit eine standardisierte Befragung unter den Wahlkampfmanagern der Parteien in den entsprechenden Bundesländern durch.