Die USA nach der Wahl: Gastvortrag von Prof. Dr. Andrea Römmele

Die USA nach der Wahl: Nicht das Ende der Welt

Gastvortrag von Prof. Dr. Andrea Römmele im Rahmen der Lecture Series zu aktuellen Fragen der Politikforschung am Campus Landau

„Das Ende der Welt (wie wir sie kennen)“ titelte ein deutsches Nachrichtemagazin in seiner ersten Ausgabe nach der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA. Nicht nur in der hiesigen Berichterstattung lösten der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf und dessen Ergebnis kontroverse Diskussionen aus. Auch innerhalb der Politikwissenschaft sorgte das Wahlergebnis für Debatten, hatten Wahlforscher bis zum Wahltag anfang November 2016 doch stets einen – wenn auch knappen – Wahlsieg Hillary Clintons prognostiziert. Wie der für eher unwahrscheinlich gehaltene Wahlerfolg Trumps erklärt werden kann, dieser Frage widmete sich Prof. Dr. Andrea Römmele von der Hertie School of Governance Berlin in ihrem Gastvortrag „Die USA nach der Wahl“ am 30. Januar 2017 an der Universität Koblenz-Landau. Professor Römmele war einer Einladung von Prof. Dr. Manuela Glaab gefolgt, im Rahmen der von ihr am Campus Landau regelmäßig organisierten Lecture Series zu aktuellen Fragen der Politikforschung zu sprechen.

Um den Wahlerfolg Trumps nachvollziehen zu können, blickte Römmele zunächst auf die Ausgangslage des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016. Die USA seien nicht erst seit dem vergangenen Jahr ein gesellschaftlich weithin gespaltenes Land, so Römmele. Vor allem die Mittelschicht der USA fühle sich bereits seit einiger Zeit zunehmend perspektivlos und abgehängt. Das Gefühl der bürgerlichen Mitte Globalisierungsverlierer zu sein, stelle einen gewichtigen Faktor dar, wolle man den Ausgang der Wahl um das US-amerikanische Präsidentenamt verstehen, konstatierte Römmele.

Überhaupt betonte die Politikwissenschaftlerin, die die US-Wahlen als Beobachterin vor Ort mehrere Monate begleitete, dass Emotionen die zentrale Kenngröße der Auseinandersetzung der Kontrahenten dargestellt habe. So berichtete sie, dass in der Wahlkampfzentrale der Demokraten große Sorge darüber geherrscht habe, diese Wahl nicht gewinnen zu können. Als aussichtsreiche Kandidatin auf den Wahlerfolg ins Rennen gegangen, sei die Kampagne von Hillary Clinton letztlich auch an einer „massiven Übersteuerung“ gescheitert, bilanzierte Römmele. Während Clinton in erster Linie einen „Geschlechterwahlkampf“ führte, um die Stimmen der weiblichen Wählerinnen für sich gewinnen zu können, verfolgte Trump einen „Identity-Wahlkampf“. Der Kandidat der Republikaner habe in besondere Weise die gesellschaftliche Stellung seiner Wählerklientel ins Zentrum seiner Kampagnenstrategie gestellt. So lasse sich auch erklären, analysierte Römmele, warum 40 Prozent der Frauen in den USA für Trump votierten: „Class beats gender“, so der Befund der Politikwissenschaftlerin.

Was der Einzug Donald Trumps ins Weiße Haus und die damit verbundene zunehmende politische Polarisierung in den USA für die Zukunft bedeutet, darüber diskutierte Professor Römmele mit den zahlreich erschienene Studierenden und Angehörigen der Universität im Anschluss an ihren Vortrag. Dabei musste offen bleiben, inwieweit die angesichts gesteigerter Anti-Establishment-Tendenzen sowie dem Phänomen der „Fake News“ zu beobachtende neue Qualität der gesellschaftlichen Polarisierung wieder „eingefangen“ werden könne. Ebenso sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum abzusehen, wie sich die Demokratische Partei nach der Clinton-Niederlage personell neu aufstellen wollen. Klar sei dagegen, dass sich das liberale Amerika unter Trump verändern werde, so Römmele in ihrem Schlussstatement. An ein Auseinanderdriften der USA glaube sie jedoch nicht – und damit auch nicht an das Ende der Welt.


Datum der Meldung 03.02.2017 00:00