Homeless Media statt Fernsehen - Ein Werkstattbericht zum Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die junge Generation

Gastvortrag von Sophie Burkhardt im Rahmen der „Lecture Series zu aktuellen Fragen der Politikforschung“ am Campus Landau

 

Die jüngste Erhebung der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation aus dem Jahr 2015 zeigt einmal mehr: Die Mediennutzung in Deutschland verändert sich rapide. Diese Beobachtung gilt vor allem für jüngere Zielgruppen. Während für die Gesamtbevölkerung weiterhin das Fernsehen den Nutzungsschwerpunkt bildet, rangiert bei den 14-29-Jährigen das Internet vor allen anderen Medien. 187 Minuten sind die Unter-30-Jährigen inzwischen täglich online. Genutzt werden verschiedene Anwendungen wie soziale Netzwerke, Streamingdienste oder Messagingplattformen. Durch den mobilen Internetzugang über Smartphones können Nachrichten, Fernsehsendungen und Videos mittlerweile auch fernab des heimischen Sofas konsumiert werden.

 

Diese Trends stellen die klassischen Medien, insbesondere das Fernsehen, vor neue Herausforderungen. Durch seinen verfassungsrechtlichen Auftrag, einen Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung zu leisten und dazu eine Grundversorgunganzubieten, sieht sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk gefordert, Antworten auf die Frage nach der Zukunft des Fernsehens zu entwickeln. Welche Konzepte ARD und ZDF derzeit erarbeiten, erläuterte Sophie Burkhardt am 14. Juni 2016 in ihrem Gastvortrag „Homeless Media statt Fernsehen. Formatentwicklung für Unter-30-Jährige“ an der Universität Koblenz-Landau.

Die ZDF-Beauftragte und stellvertretende Geschäftsführerin des „Jungen Angebots“ von ARD und ZDF war einer Einladung von Prof. Dr. Manuela Glaab gefolgt, im Rahmen der von ihr organisierten Lecture Series zu aktuellen Fragen der Politikforschung am Campus Landau zu sprechen. Ausgehend von der Frage, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk junge Zielgruppen in einer veränderten Medienlandschaft erreichen kann, präsentierte Sophie Burkhardt neue Ansätze eines medialen Angebots, das sie gemeinsam mit ihrem Team ab Oktober 2016 in einem „Jungen Angebot“ von ARD und ZDF auf den Markt bringen wird. Darin setzen die Entwickler besonders auf neue mediale Formate, die bis dato nicht zu den gängigen Genres öffentlich-rechtlicher Programmangebote zählen: Die Zielgruppe der 14-29-Jährigen soll etwa durch das Streamen von US-amerikanischer TV-Serien, durch Comedy-Formate oder durch schulische Nachhilfeangebote erreicht werden. Klassische Nachrichtensendungen würden nicht im Vordergrund stehen. Vielmehr seien Dokumentationen geplant, die einen Perspektivenwechsel und persönliche Blicke auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen ermöglichen. Einen eigenen Sendeplatz im deutschen Fernsehen wird das „Junge Angebot“ von ARD und ZDF zunächst nicht erhalten, sondern nur im Netz an den Start gehen. Die online bereitgestellten Inhalte werden dann sowohl über eine eigene App, als auch über eine eigene Website, über Drittplattformen und durch die Distribution in sozialen Netzwerken abrufbar sein. Man wolle gezielt auf Multiplikatoren – wie beispielsweise bekannte Youtuber - setzen, um das entwickelte Angebot bekannt machen und gezielt junge Nutzer erreichen zu können, so Burkhardt.

Für die Entwicklung der einzelnen Inhalte werde eng mit den anvisierten Zielgruppen zusammengearbeitet. Die Formatentwicklung erfolge nicht nur am grünen Tisch, betonte die ZDF-Beauftragte. Es gebe intensive Kooperationen mit Schulen und Hochschulen sowie deren Absolventen, um den zielgruppenspezifischen Bedürfnissen und Präferenzen gerecht werden zu können. Inwieweit dabei nachrichtliche Angebote außen vor bleiben können, wurde im Anschluss an den Vortrag mit den zahlreich erschienen Studierenden der Politikwissenschaft diskutiert. „Wer Nachrichten finden möchte, der findet sie“, erklärte Sophie Burkhardt. Es gehe nicht so sehr darum, Nachrichtenformate für jüngere Zielgruppen zu entwickeln. Wichtiger sei es, junge Leute durch geeignete Online-Inhalte an bestehende Nachrichtenangebote heranzuführen, so Burkhardt. Angesichts einer veränderten Medienlandschaft müsse der Grundversorgungsauftrag von ARD und ZDF neu interpretiert werden. Zu dieser Interpretation würden dann auch mediale Formatinnovationen zählen, die nicht nur die älteren Menschen im Blick haben, sondern auch die Bedürfnisse jüngerer Gesellschaftsgruppen ernst nehmen und aufgreifen – realisiert in einem eigenen, neuen „Jungen Angebot“ von ARD und ZDF.

 


Datum der Meldung 21.06.2016 00:00