„Verhandeln, Vermitteln, Kommunizieren“ – die Spring School 2020 im Landtag Rheinland-Pfalz

„Verhandeln, Vermitteln, Kommunizieren“ – unter diesem Motto stand die diesjährige Spring School des Landtags Rheinland-Pfalz, die vom 17. bis 19. Februar 2020 in Mainz stattfand. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Landtagsverwaltung in Kooperation mit der Arbeitseinheit „Politisches System der Bundesrepublik Deutschland“ von Prof. Dr. Manuela Glaab, Abteilung Politikwissenschaft der Universität Koblenz-Landau. Rund dreißig Studierende waren der Einladung nach Mainz gefolgt, um im Rahmen der dreitägigen Spring School selbst zu erleben, wie im Landtag Politik gemacht wird. Die Spring School war zugleich Bestandteil des universitären Master-Seminars „Fachwissenschaftliche Vertiefung zum politischen System der Bundesrepublik Deutschland“, das sich im Wintersemester 2019/20 anhand des Fallbeispiels Rheinland-Pfalz mit dem Regieren im föderalen Staat beschäftigte. Theoretisch erworbenes Wissen konnte so vor Ort durch ein anspruchsvolles Planspiel zum Thema Schulpolitik um praktische Einblicke ergänzt und vertieft werden.

 

Ein intensiver erster Tag

Bevor das Planspiel allerdings in den Mittelpunkt des Formats rückte, stand für die Teilnehmenden am ersten Veranstaltungstag ein Workshop zum Thema „Reden schreiben“ auf dem Programm. Nach einer zunächst theoretischen Einführung sowie der Erörterung wichtiger Merkmale von politischer Rhetorik und politischen Reden durch Ralph Schrader, Referent und Redenschreiber beim Landtagspräsidenten von Rheinland-Pfalz, lautete die Aufgabe für die Studierenden, eine eigene wirkungsvolle Rede zur Streitfrage eines möglichen Verbots der Vollverschleierung im öffentlichen Raum zu formulieren. Ziel war es, diese so zu verfassen, dass sie zum Ende der Spring School im Rahmen eines Redewettbewerbs vorgetragen werden konnte.

Im Anschluss an den Workshop brachen die Teilnehmenden zum gemeinsamen Abendprogramm in die Mainzer Altstadt auf. Das von Professor Glaab moderierte Kamingespräch mit dem rheinland-pfälzischen Landtagspräsidenten Hendrik Hering (SPD) und dem Leiter der Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen im ZDF, Matthias Fornoff, bot den Studierenden die Gelegenheit, aktuelle Fragen der Politikvermittlung im digitalen Zeitalter zu diskutieren, mit einem besonderen Augenmerk auf die Anforderungen und Gegebenheiten auf der Landesebene. Gut anderthalb Stunden lebhafter Diskussion beschlossen somit einen intensiven ersten Tag.

 

Planspiel zur Einführung einer „Elite-Schule“ in Rheinland-Pfalz

Die folgenden eineinhalb Tage der Spring School standen dann ganz im Zeichen des parlamentarischen Planspiels. Die Studierenden schlüpften hierfür in bestimmte Rollen und beschäftigten sich als Abgeordnete fiktiver Fraktionen der Regierungsmehrheit wie auch der Opposition sowie als Journalistinnen und Journalisten mit einem ebenso fiktiven Gesetzesentwurf. Dieser war per Volksinitiative erfolgreich in den rheinland-pfälzischen Landtag eingebracht worden mit dem Ziel, ein staatlich gefördertes Naturwissenschaftliches Landesgymnasium für hochbegabte Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz zu errichten.

Der erste Planspiel-Tag startete mit einer Plenarsitzung im rheinland-pfälzischen Landtag und der Entscheidung, das Gesetz zur Beratung an die mit der Thematik befassten Ausschüsse zu übermitteln. Im Anschluss an diese erste parlamentarische Beratung standen Fraktionssitzungen, fraktionsinterne Arbeitskreistreffen, Pressekontakte, Bürozeiten mit der Gelegenheit zu Hintergrundgesprächen sowie fraktionsübergreifende Verhandlungen auf dem Plan, sodass die Studierenden durch das aufbereitete Setting einen umfassenden Einblick in die tägliche Arbeit der rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten gewinnen konnten.

Der zweite Planspiel-Tag begann wiederum mit einer Fraktionssitzung sowie einer Bürozeit, bevor schließlich am Nachmittag in einer Plenarsitzung des Landtags die zweite Beratung und Abstimmung zum Gesetzesentwurf „Elite-Schule“ stattfand. Auf Basis einer Vielzahl von Redebeiträgen der Regierungs- und Oppositionsfraktionen wurden mehrere zuvor eingebrachte Anträge zu Gesetzesänderungen beraten und hoch kontrovers debattiert. Dass hierbei ein SWR-Fernsehteam das Geschehen vor Ort für die abendliche Nachrichtensendung filmte, erhöhte noch die Spannung – und das Gefühl, tatsächlich als politischer Akteur auf einer öffentlichen Bühne zu stehen. Schlussendlich – dies musste die Opposition trotz allen Engagements hinnehmen – setzte sich die Regierungsmehrheit im Planspiel mit ihren Vorschlägen durch.

 

„Siegerehrung“ zum Schluss

Nach dem realitätsnah simulierten Gesetzgebungsprozess bildete eine Prämierung der beiden besten Planspieler und Planspielerinnen sowie der im Rahmen des Rede-Workshops ausgearbeiteten und abschließend vorgetragenen Reden den Höhepunkt des Veranstaltungsprogramms. Drei Tage intensiver Verhandlung, Vermittlung und Kommunikation gingen zu Ende – die Komplexität und Dynamik politischer wie parlamentarischer Prozesse, aber auch das gemeinsame Erlebnis, fachwissenschaftliches Wissen praktisch anwenden zu können, dürften den Studierenden sicherlich noch länger in Erinnerung bleiben.


Datum der Meldung 25.02.2020 00:00