Neuerscheinung: Skandal! Ruf ohne Imperativ?

In dem soeben erschienenen Sammelband "Theoretische Einsichten" von Nicole Burzan und Ronald Hitzler (Hrsg.) findet sich der Beitrag "Skandal! Ruf ohne Imperativ?" von Stefan Joller der Abteilung Soziologie in Landau. [Download über Springerlink]

Skandal! Ruf ohne Imperativ?

Von kommunikativen Referenzpunkten und moralischen Kollektiven

Stefan Joller

Zusammenfassung

Skandale leben von der Empörung – Medienskandale von der Inszenierung. Daraus folgt aber gerade nicht, dass der (massen-)mediale Skandalisierungsversuch mit dem Medienskandal per se gleichzusetzen ist und die kommunikative Dynamik dem Willen des Skandalisierers folgt. Die kollektive Empörung, die aus dem Skandalruf erst einen Skandal werden lässt, steht sowohl in Medienskandalen als auch in (lokalisierten) Skandalen als neuralgischer Punkt zentral. Der Unterschied besteht darin, dass die moralische Entrüstung auf massenmedialer Bühne weniger als Beobachtungs- sondern primär als Inszenierungsproblem erscheint, zumal unmittelbare Empörung erst dann weitreichend ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit gerät, wenn sie selbst wiederum Teil der kommunikativen Inszenierung wird. Im vorliegenden Beitrag wird dieses Problem der Inszenierung kollektiver Empörung theoretisch eingebettet und empirisch aufgearbeitet. Am Beispiel der Plagiatsaffäre um die Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg in der Süddeutschen Zeitung kann nachgezeichnet werden, wie Medienskandale kommunikative Referenzpunkte hervorbringen, sich entlang dieser strukturieren und mit ihrer Hilfe eine gegenstandsgebundene Inszenierung moralischer Kollektive feilbieten, die den Skandalruf mit einer kollektiven Empörungssuggestion versehen.


Datum der Meldung 24.09.2020 01:09