Gerechtigkeitserleben

 
Unterrichtsforschung hat sich bislang überwiegend auf kognitive Prozesse wie den Erwerb von Wissen und Kompetenzen konzentriert. Neben kognitiven Prozessen werden zunehmend auch motivationale und sozial-emotionale Lern- und Leistungsfaktoren untersucht. Im Gegensatz dazu gibt es bisher nur vereinzelt Studien, in denen der Einfluss des Gerechtigkeitserlebens auf Variablen des Lern- und Leistungsverhaltens untersucht wurde. Dies ist insofern verwunderlich, als Gerechtigkeit in der Schule eine große Rolle spielt (z.B. Transparenz der Bewertung, Gleichbehandlung von Schüler/innen durch Lehrkräfte, faire Behandlung durch Mitschüler/innen). Dementsprechend soll in diesem Projekt untersucht werden, wie wahrgenommene Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit in der Schule und im Unterrichtskontext (1) produktives Verhalten in der Schule (z.B. Leistungsbereitschaft, schulisches Engagement, Leistung, Hilfsbereitschaft), (2) kontraproduktives Verhalten (z.B. Stören, Bullying), (3) die Ungerechtigkeitssensibilität und (4) das Wohlbefinden von Schüler/inne/n beeinflussen.

Diese Hypothesen sollen in diesem Projekt mit quasiexperimentellen Interventionsstrategien überprüft und in Kooperation mit anderen Projekten der Forschungsinitiative untersucht werden. Hierfür soll die im Rahmen anderer Projekte vorgenommene Zuteilung der Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Lernorten und zu verschiedenen mehr oder weniger attraktiver Aufgaben bzw. Lernbedingungen genutzt werden. Da eine Zuteilungen zu verschiedenen Aufgaben bzw. Lernbedingungen auch im normalen Unterrichtsgeschehen unvermeidbar ist, lassen sich auf diese Art Wahrnehmungen prozeduraler und distributiver Gerechtigkeit im natürlichen Unterrichtsgeschehen ethisch vertretbar induzieren. Dies erlaubt eine kontrollierte Untersuchung der Effekte erlebter Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit auf Schülervariablen wie z.B. Leistungsbereitschaft, Motivation und Wohlbefinden.