Invasive Neophyten

Ausbreitungsstrategien und Prozesse invasiver Neophyten

 

Leitung: Dr. Constanze Buhk, Team Plant Ecology

Forschungsförderung 2011-13 und 2015 und 2016: Forstliche Versuchsanstalt Trippstadt

Laufzeit 2009-2016

 

Zusammenfassung der Ergebnsisse der letzten Jahre

Das Team Pflanzenökologie am Lehrstuhl für Geoökologie / Physische Geographie an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau hat in den vergangenen Jahren invasive Neophyten in RLP untersucht. Ziel waren Informationen zum Vorkommen, zur Ausbreitung, zu Effekten sowie zur Prognose der Entwicklung im Rahmen des Klimawandels zu sammeln. Zu sechs Arten, die in ihrem Auftreten regional besonders relevant sind bzw. dies vermutlich bald sein werden, habe werden im Folgenden knappe Hintergrundinformationen und Resultate zusammengestellt.

Der Artkomplex um Fallopia japonica (Japanischer Staudenknöterich) zeigt sich schon seit längerem invasiv, ist aber durch sein bisher lediglich vegetatives Ausbreitungsverhalten an Bächen und Wegen gebunden. Wir konnten nun durch die Kombination von genetischen und ökologischen Daten zeigen, dass in Rheinland-Pfalz inzwischen vermehrt Hybride (Bastard-Knöterich) auftreten, die nicht nur aggressiver in ihrem Verhalten gegenüber der restlichen Vegetation ist, sondern durch massive Samenbildung und sexuelle Ausbreitung neue und schnellere Ausbreitungswege nutzen kann. Der Hybrid dürfte durch seine größere Standortsbreite besser als viele andere Arten mit dem Klimawandel zurechtkommen.

Phytolacca americana, die Amerikanische Kermesbeere, explodiert gerade in ihrem Vorkommen in Wäldern im Rheingraben und kommt auch schon im Pfälzer Wald vor. Die bisher kaum bekannte Pflanze ist durch die langlebigen Samen und die effektive Vogelverbreitung und Ausbreitung in Reifen kaum aufzuhalten. Hier besteht noch viel Forschungsbedarf. In unseren Untersuchungen scheint sie uns in der Lage innerhalb der nächsten Jahrzehnte die Waldstruktur im Gebiet deutlich zu verändern.

Impatiens glandulifera, das Drüsige Springkraut ist lange im Gebiet bekannt und primär für offene Bachauen ein Problem. Wir haben nun auch vermehrt Vorkommen in Wäldern selbst untersucht und festgestellt, dass sie primär von Verdichtung durch Forstfahrzeuge und damit einhergehende Störungen profitiert. In Impatiens glandulifera Beständen ist die Phytodiversität im Vergleich zur Umgebung meist verringert. Das hängt aber stark vom Vegetationstyp ab.

Rubus armeniacus, die Armenische oder Gartenbrombeere, ist in den letzten 10 Jahren in ihrer Ausbreitung explodiert. Der Gartenflüchtling wird meist nicht erkannt und daher nicht direkt bekämpft. Die Verbreitung ist bisher auf bestimmte Räume beschränkt und verläuft meist unerkannt, da Rubus Arten schwer bestimmbar sind. Die Bestände wuchern sehr hoch und machen vor menschlicher Infrastruktur nicht halt. Im Unterwuchs gibt es keine andere Vegetation. Die Pflanze ist eine Beachtung wert!

Lupinus polyphyllus gilt vielfach als Pflanze, um Straßenböschungen schnell durch Vegetation zu befestigen. Wir zeigen auf, dass die Lupine in nahe gelegenen Gebieten (z.B. in der Rhön) dramatisches Invasionspotential zeigt und extensiv genutztes Offenlandmanagement massiv erschwert. Erste Invasionsanzeichen im Biosphärenreservat Pfälzer Wald / Nordvogesen konnten wir bereits feststellen.

Ambrosia artemisiifolia, die Beifussblättrige Ambrosie, gehört auch zu den unscheinbaren Pflanzen, die unerkannt bleiben, bis die Dichte so hoch ist, dass eine Bekämpfung unmöglich wird. In RLP ist die Verbreitung bisher örtlich noch sehr begrenzt. Es ist noch nicht zu spät. Ärgerlich ist die massive Einbringung von Ambrosie durch Erdarbeiten, bei denen kontaminierter Boden eingebracht wird. Hier ist eine Sensibilisierung und Quellensuche dringend erforderlich, denn durch die Pollenbelastung der Ambrosie kommt es bei sehr vielen Menschen zu asthmatischen Beschwerden.

Alle genannten Arten werden durch den Klimawandel eher profitieren. Die Sensibilisierung der Forstarbeiter und Planer und Arbeiter bei Bauarbeiten sind besonders wichtig, um Fernausbreitungen aller genannten Arten in sensible und naturnahe Gebiet hinein und Massenbestände zu verhindern.

Verweis auf eine deutschsprachige Publikation zur Thematik