Abschlussarbeiten

Grundsätzlich gilt, dass ich für jede Fragestellung zum Thema Perfektionismus und/oder Selbstwertkontingenzen offen bin. Wenn Sie also selbst eine Fragestellung spannend finden, die mit einem der Konstrukte oder gerne auch mit beiden zu tun hat, wenden Sie sich mit Ihrer Idee an mich. Solange ich Kapazitäten frei habe, werde ich Sie gerne betreuen.

 

Empirische Arbeit: Vergleich zweier Maße zur Erfassung von Selbstwertkontingenzen

Zur Erfassung von Selbstwertkontingenzen werden bevorzugt die Messinstrumente von zwei Autorengruppen eingesetzt, die Contingencies of Self-Worth Scale von Crocker, Luhtanen, Cooper und Bouvrette (2003) und die Skalen von Johnson und Blom (2007). Beide liegen in deutschsprachigen Forschungsversionen vor, wurden aber bisher kaum eingesetzt und sind vor allem bisher nicht gemeinsam erhoben worden. Im Rahmen einer Fragebogenstudie soll diese Lücke geschlossen werden. 

 

Literatur zum Reinschnuppern:

Crocker, J., Luhtanen, R. K., Cooper, M. L., & Bouvrette, A. (2003). Contingencies of Self-Worth in College Students: Theory and Measurement. Journal Of Personality And Social Psychology, 85(5), 894-908.

Johnson, M., & Blom, V. (2007). Development and validation of two measures of contingent self-esteem. Individual Differences Research, 5(4), 300-328.

   

 

Empirische Arbeit: Perfektionismus und Selbstwertkontingenzen

Im Rahmen der Theorie zum klinisch relevanten Perfektionismus (Egan, Wade & Shafran, 2011) wird angenommen, dass perfektionistische Tendenzen dann zum Problem werden, wenn der Selbstwert einer Person vom Erreichen anspruchsvoller Ziele und hoher Standards abhängt. Bisher gibt es dazu nur wenige empirische Belege. Im Rahmen einer Fragebogenstudie sollen die Befundlage erweitert und auf den deutschsprachige Raum werden.

 

Literatur zum Reinschnuppern:

Egan, S.J.; Wade, T.D.; Shafran, R. (2011): Perfectionism as a transdiagnostic process: a clinical review. Clinical psychology review, 31 (2), S. 203–212.

 

 

Zwei empirische Arbeiten: Kein Perfektionist aber trotzdem Angst zu versagen?  Wie geht das denn?

Perfektionismus ist ein zweidimensionales Konstrukt mit den Dimensionen Perfektionistisches Streben und Perfektionistische Bedenken. In der Regel wird davon ausgegangen, dass eine Kombination aus hohem Perfektionistischen Streben bei gleichzeitig hohen Perfektionistischen Bedenken zu psychischen Problemen führt. Gaudreau und Thompson (2010) bestreiten in ihrem 2x2 Modell des Perfektionismus nicht, dass ausgeprägte Perfektionistische Bedenken problematisch sind, gehen aber davon aus, dass vor allem eine Kombination mit niedrigem Perfektionistischen Streben zum Problem wird. Sie begründen das unter anderem damit, dass diese Personen deswegen Perfektionistische Bedenken haben (wie z.B. die Angst zu versagen), weil sie die wahrgenommenen Ansprüche an ihre Leistung nicht verinnerlicht haben. Diese Aussage wurde bisher nicht empirisch untersucht, eine Lücke, die durch eine Fragebogenstudie geschlossen werden soll.

Eine Alternativerklärung für das auch empirisch immer wieder belegte Phänomen, dass eine Kombination aus hohen Perfektionistischen Bedenken und niedrigem Perfektionistischem Streben problematische Konsequenzen hat, ist die, dass Perfektionistisches Streben mit positiven Copingstrategien einhergeht und so die negative Wirkung Perfektionistische Bedenken abpuffern kann. Sind Perfektionistische Bedenken hoch ausgeprägt, das Perfektionistische Streben dagegen niedrig, fehlt diese Pufferwirkung. In einer zweiten Fragebogenstudie zum 2x2 Modell soll dieser Frage nachgegangen werden.

 

Literatur zum Reinschnuppern: 

Gaudreau, P., & Thompson, A. (2010). Testing a 2×2 model of dispositional perfectionism. Personality And Individual Differences48(5), 532-537. 

Gaudreau, P., & Verner-Filion, J. (2012). Dispositional perfectionism and well-being: A test of the 2 × 2 model of perfectionism in the sport domain. Sport, Exercise, And Performance Psychology1(1), 29-43.

 

Empirische Arbeit: Validierung einer Skala zur Erfassung von Perfektionismus im Sport

Zusammen mit einem Kollegen der Universität Duisburg-Essen habe ich eine Skala zur Erfassung des Perfektionismus im Sport vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Zur Beurteilung der Messeigenschaften (Dimensionalität, Reliabilität, Itemcharakteristika) werden aktuell an verschiedenen Universitäten Daten zu der Skala erhoben, wobei grundsätzlich nur Personen befragt werden, die sich im weitesten Sinne als Sportler bzw. Sportlerinnen bezeichnen. Zusätzlich werden Daten zur Validität der Skala benötigt. In Frage kommen Leistungsvariablen wie z.B. der Trainingsaufwand und Befindlichkeitsvariablen wie Angst vor Wettkämpfen, Verletzungshäufigkeit u.ä..  Es können daher mehrere BSc Arbeiten vergeben werden, die sich jeweils unterschiedlichen Validierungsvariablen widmen. Wichtig ist jedoch, dass Sie Zugang zu einer potentiellen Stichprobe von Sportlerinnen bzw. Sportlern haben.

 

Literatur zum Reinschnuppern:

Gotwals, J. K., Stoeber, J., Dunn, J. H., & Stoll, O. (2012). Are perfectionistic strivings in sport adaptive? A systematic review of confirmatory, contradictory, and mixed evidence. Canadian Psychology/Psychologie Canadienne53(4), 263-279.

 

 

Empirische Arbeit: Welchen Einfluss haben perfektionistische Selbstdarstellungstendenzen auf die Selbstdarstellung?

Neben Traitmaßen zur Erfassung des Perfektionismus gibt es eine Reihe weiterer Fragebogen, die Spielarten des Perfektionismus erfassen. Einer dieser Fragebogen erfasst perfektionistische Selbstdarstellungstendenzen (Hewitt et al., 2003). Erfasst werden drei Facetten: Perfectionistic Self-promotion, Nondisplay of Imperfection und Nondisclosure of Imperfection. Das Instrument liegt in einer bisher nicht veröffentlichten deutschsprachigen Version vor (BSc Arbeit von Singer, 2011). 

Eine Annahme zu Konsequenzen perfektionistischer Selbstdarstellung ist, dass dieser Trait zu Verzerrungen des Antwortverhaltens in Studien führt, in denen Leistungsbezogene Variablen erhoben werden sollen. Ein Beispiel wäre die Einschätzung des aktuellen Affekts nach negativem Feedback, die bei hohen Werten auf der Skala Nondisclosure of Imperfection, motiviert verzerrt sein kann so dass der wahre Affekt nicht mehr abgebildet werden kann.

Interessante Aufschlüsse können hier implizite Affektmaße geben wie der IPANAT, die nicht so leicht verzerrt werden können. Im Rahmen eines Feedbackexperiments sollen dazu explizite und implizite Effektmaße verglichen werden. 

 

Literatur zum Reinschnuppern:

Hewitt, P. L., Flett, G. L., Sherry, S. B., Habke, M., Parkin, M., Lam, R. W., & ... Stein, M. B. (2003). The interpersonal expression of perfection: Perfectionistic self-presentation and psychological distress. Journal Of Personality And Social Psychology, 84(6), 1303-1325.

 

Empirische Arbeit: Hat Perfektionismus einen Effekt auf die Wahrnehmung Anderer?

Das Perfectionism Social Disconnection Model (PSDM; Hewitt et al., 2017) nimmt an, dass der vielfach empirisch belegte Zusammenhang zwischen Perfektionismus und Depression unter anderem durch das Erleben sozialer Unverbundenheit vermittelt wird. Für die beiden Facetten des Perfektionismus (Perfektionistisches Streben und Perfektionistische Bedenken) werden dabei unterschiedliche Prozesse postuliert. Einer dieser Prozesse bezieht sich auf die Wahrnehmung Anderer als übermäßig kritisch, ablehnend oder sogar feindselig. Im Rahmen einer Online-Studie soll geprüft werden, ob sich diese Annahme bei der Interpretation von Gesichtsausdrücken bestätigen lässt.

 

Literatur zum Reinschnuppern:

Mackinnon, S. P., Sherry, S. B., Antony, M. M., Stewart, S. H., Sherry, D. L., & Hartling, N. (2012). Caught in a bad romance: Perfectionism, conflict, and depression in romantic relationships. Journal of Family Psychology, 26(2), 215–225. 

Magson, N. R., Oar, E. L., Fardouly, J., Johnco, C. J., & Rapee, R. M. (2019). The Preteen Perfectionist: An Evaluation of the Perfectionism Social Disconnection Model. Child psychiatry and human development50(6), 960–974.