Dialekt – Vorteil oder Nachteil?

Dialekt – Vorteil oder Nachteil?

Autorin: Terese Schimmer

Dialekte sterben aus. Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann möchte Dialekte an Schulen stärken. Was spricht dafür und was dagegen?

Nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach fiel der Anteil von Dialektsprechenden in Ostdeutschland von 41 Prozent im Jahr 1991 auf 33 Prozent 2008; in Westdeutschland im selben Zeitraum von 28 auf 24 Prozent.

Doch wieso sterben Dialekte aus?

Drei Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen: Mütter, Medien und Mobilität.

Manche Mütter sprechen mit ihren Kindern Hochdeutsch, damit sie es in der Schule leichter haben und nicht als weniger gebildet wahrgenommen werden.

Mit der Einführung des Rundfunks wurde Hochdeutsch auch in Gegenden gebracht, in denen zuvor nur Dialekt gesprochen wurde. Sprachforscher Kleiner ist der Meinung, dass eine einheitliche mediale Sprache einen Einfluss darauf hat, was als vorbildlich angesehen wird.

Weiter scheint die zunehmende Mobilität eine Rolle für das Sterben der Dialekte zu spielen. Menschen ziehen zunehmend aus ihren Heimatorten weg, auch in Orte, in denen der Heimatdialekt nicht gesprochen wird. Zudem kommen sie mehr mit Menschen aus anderen Regionen in Kontakt - auch über Medien - weshalb eine gemeinsame Sprachbasis - das Hochdeutsch – für die Verständigung wichtig ist.

Heutzutage gibt es geteilte Meinungen zur Bedeutung von Dialekten.

Für viele Menschen ist Dialekt nicht mehr wichtig und mit Assoziationen wie „Dorfdeppen“ verbunden. Andere verbinden mit Dialekt Heimat und sehen Dialekte als wichtigen Teil ihrer Identität an.

Studien haben gezeigt, dass das Sprechen von Dialekten Nachteile mit sich bringen kann. Es wurde gezeigt, dass DialektsprecherInnen eine geringere Kompetenz zugeschrieben wird. Je nach Studie werden hierfür unterschiedliche Erklärungen geliefert. Zum einen scheinen Dialekte beim/bei der ZuhörerIn Stereotype zu aktivieren, wie z.B. oben genanntes „Dorfdeppen“, was dann zur Abwertung des/der Sprechers/Sprecherin führt. Andere Forscher erklären sich das Phänomen damit, dass die Verarbeitungsgeschwindigkeit bei Dialekten geringer ist und somit schwerer zu verstehen sind.

Selbst Personen, die wissen, dass solch ein Effekt existiert, schreiben DialektsprecherInnen mit starkem Dialekt eine geringere Kompetenz zu. Nur bei schwachem Dialekt konnte der Effekt eliminiert werden. Bei der Untersuchung dieses Phänomens in der Praxis hat sich gezeigt, dass in Bewerbungsprozessen bei gleicher Qualifikation der/die BewerberIn gewählt wird, die keinen Dialekt spricht. Um diesen Nachteil auszugleichen, nehmen manche Arbeitnehmer heutzutage auch das Angebot von Sprachtrainern wahr.

Diese Punkte könnten dafür sprechen, dass das Sprechen eines Dialekts grundsätzlich mit Nachteilen verbunden ist. Jedoch hat sich auch gezeigt, dass Dialekte mit Vorteilen verbunden sind.

Viele Kinder wachsen heutzutage mit Hochdeutsch und Dialekt auf. Laut Hirn- und Sprachforschern ähnelt dies einer bilingualen Entwicklung. Es konnte gezeigt werden, dass diese Kinder ein besseres Sprachverständnis besitzen, was mit einem erleichterten Erlernen von Fremdsprachen einhergeht.

Wenn man Dialektsprechende befragt, was der Dialekt für sie bedeutet, zeigt sich, dass Dialekt für die meisten ein wichtiger Teil der Identität darstellt. Der Dialekt - die gemeinsame Sprache in einer bestimmten Region - führt zu Verbundenheit und einem Zugehörigkeitsgefühl.

Was können wir hiervon also mitnehmen?

Dialekte sind nicht gut oder schlecht. Dialekte bringen sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Sie scheinen für manche ein wichtiges Kulturgut und identitätsstiftend zu sein. Um mögliche Nachteile auszumerzen, scheint es am vorteilhaftesten für Dialektsprechende zu sein auch Hochdeutsch sprechen zu können. Positive Effekte, wie eine verbesserte Sprachfähigkeit, sprechen für ein zweisprachiges Aufwachsen mit Hochdeutsch und Dialekt.

 

Quellen:

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