Forschungsschwerpunkte

Forschungsfelder

Themenübersicht:

 

Geschlecht, Geschlechterrollen und Geschlechterstereotype

Ansprechpartner*innen: Melanie Steffens, Claudia NiedlichCarolin ScheifeleSven Kachel & Franziska Ehrke

In unserer Geschlechterforschung spielen die Basisdimensionen der Personenwahrnehmung (d.h. zwischenmenschliche Wärme und aufgabenbezogene Kompetenz) eine wichtige Rolle. Hierbei untersuchen wir, welche traditionellen Vorstellungen von der typischen Frau/dem typischen Mann auch heute noch zu finden sind und inwiefern eine Veränderung unseres geschlechterstereotypen Verständnisses zu beobachten ist (z.B. Akzeptanz von Männern, die Erziehungs- oder Pflegearbeiten übernehmen). Damit einhergehend interessieren wir uns dafür, worauf Geschlechterstereotype zurückzuführen sind, welche Auswirkungen sie haben (z.B. Erleben, “nicht Mann genug” zu sein) und wie sie sich verändern lassen. Besonderes Augenmerk richten wir dabei auf implizite Kognitionen, also solche Denkinhalte, die Personen entweder selbst nicht bewusst sind oder die sie, typischerweise aufgrund von sozialen Erwünschtheitsprozessen, vor anderen nicht zugeben wollen.

Ein weiterer Aspekt dieser Forschung besteht in der Untersuchung von Determinanten der sog. „Gläsernen Decke“ – dem Phänomen, dass Frauen auf ihrem Karriereweg ab einem gewissen Punkt an eine unsichtbare Barriere stoßen, die sie an einem weiteren Aufstieg hindert. Hierbei interessieren wir uns sowohl für hemmende Faktoren, die auf Seiten (potentieller) weiblicher Führungskräfte anzusiedeln sind, als auch für solche, die ihrer Umwelt zuzuschreiben sind (wie sozialer Kontext, Firmenkulturen, etablierte Geschlechterrollen in heterosexuellen Beziehungen). Damit verbunden sind Forschungsfragen danach, welche Interventionen helfen (z.B. Frauenquoten, Bewusstmachen von Sexismus und Schönheitsnormen). Ein wichtiges Merkmal unserer Arbeit ist es, die vorliegenden Erkenntnisse sozialpsychologischer Forschungsarbeiten sowie die Ergebnisse unserer laufenden Projekte auf den Arbeitskontext anzuwenden, konkrete Handlungsanweisungen für die Praxis zu entwickeln und diese Akteur*innen aus Wirtschaft und Politik zugänglich zu machen. 

Ausgewählte Publikationen:

Steffens, M. C., & Ebert, I. D. (2016). Frauen – Männer – Karrieren. Eine sozialpsychologische Perspektive auf Frauen in männlich geprägten Arbeitskontexten. Wiesbaden: Springer.

Steffens, M. C., Preuß, S., & Scheifele, C. (2019). Work-related impression formation: Reviewing parenthood penalties and investigating a “fatherhood penalty” for single fathers. Basic and Applied Social Psychology, 41(5), 287–304. https://doi.org/10.1080/01973533.2019.1652177

Scheifele, C., Ehrke, F., Viladot, M. A., Van Laar, C. & Steffens, M. C. (in press). Testing the basic socio-structural assumptions of social identity theory in the gender context: Evidence from correlational studies on women’s leadership. European Journal of Social Psychology (Special Section of Registered Reports on the topic “Revisiting basic tenets of and new directions for Social Identity Theory”). https://doi.org/10.1002/ejsp.2746

Kachel, S., Steffens, M. C., & Niedlich, C. (2016). Traditional masculinity and femininity: Validation of a new scale assessing gender roles. Frontiers in Psychology, 7. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2016.00956

 

Sexuelle Orientierung, Intersektionalität und Diskriminierung

Ansprechpartner*innen: Claudia NiedlichMelanie SteffensSven KachelElena Ball & Franziska Ehrke

Neben der Kategorie Geschlecht interessieren wir uns für weitere soziale Merkmale, wie die sexuelle Orientierung einer Person. Hier fragen wir danach, welche indirekten Signale (z.B. Sprechweise, Gesicht, Kleidung) und deren konkrete Merkmale genutzt werden, um Personen (korrekt) als lesbisch/schwul bzw. heterosexuell zu beurteilen. Dabei interessiert uns vor allem, welche Rolle Geschlechterstereotype spielen und welche Auswirkungen die Wahrnehmung einer bestimmten sexuellen Orientierung hat. Prozesse der Diskriminierung untersuchen wir vor allem im Arbeitskontext. Uns interessiert, ob lesbischen/schwulen und heterosexuellen Personen mit gleichen Qualifikationen auch gleiche Chancen zugeschrieben werden, eine ausgeschriebene Stelle zu erhalten und beruflich aufzusteigen.

Diese Urteile stehen in Wechselwirkung mit Vorstellungen von traditioneller Weiblichkeit und Männlichkeit und beeinflussen, wie Personen wahrgenommen werden. Da sich diese Bilder in einem permanenten Wandel befinden, untersuchen wir auch Veränderungen in der Wahrnehmung und in den Einstellungen gegenüber Lesben und Schwulen wie auch Maßnahmen, die zu einer Verbesserung von Einstellungen gegenüber sexuellen Minderheiten beitragen (z.B. paradoxe Intervention, stellvertretender Kontakt).

Zudem beschäftigen uns im Rahmen dieses Forschungsschwerpunktes mit der Frage, welche Eindrücke gebildet werden und ob Diskriminierung resultiert, wenn eine Person mehreren stigmatisierten Gruppen angehört (“Intersektionalität”). Dieser Forschungsansatz geht davon aus, dass sich Erfahrungen von Diskriminierung in diesem Fall nicht addieren, sondern dass zwischen ihnen eine komplexe Wechselwirkung besteht. Hierzu variieren wir in einigen Experimenten zusätzlich die Nationalität der Bewerber/-innen und untersuchen, wie beispielsweise Personen mit deutschen und türkischen Namen und unterschiedlicher sexueller Orientierung eingeschätzt werden.

Ausgewählte Publikationen:

Niedlich C. & Steffens M. C.  (2019). Gleiche Chancen für alle? Wie Stereotype den Erfolg von BewerberInnen beeinflussen. Das In-Mind Magazin. Special Issue: Gender, 10(1).

Kachel, S., Steffens, M. C., Preuß, S., & Simpson, A. P. (2020). Gender (conformity) matters: Cross-dimensional and cross-modal associations in sexual orientation perception. Journal of Language and Social Psychology (Special Issue: Sounding strange(r): Origins, consequences, and boundary conditions of socio-phonetic discrimination), 39(1), 40–66, https://doi.org/10.1177/0261927X19883902

Steffens, M. C., Niedlich, C., & Ehrke, F. (2016). Discrimination at work on the basis of sexual orientation: Subjective experience, experimental evidence, and interventions. In T. Köllen (Ed.), Sexual Orientation and Transgender Issues in Organizations (pp. 367–388). Springer International Publishing. https://doi.org/10.1007/978-3-319-29623-4_22

Niedlich, C., Steffens, M. C., Krause, J., Settke, E., & Ebert, I. D. (2015). Ironic effects of sexual minority group membership: Are lesbians less susceptible to invoking negative female stereotypes than heterosexual woman? Archives of Sexual Behavior, 44(5), 1439–1447. https://doi: 10.1007/s10508-014-0412-1.

Preuß, S., & Steffens, M. C. (2020). A video intervention for every straight man: The role of pre-attitudes and emotions in vicarious-contact effects. Group Processes & Intergroup Relations. Advance online publication. https://doi.org/10.1177/1368430220910462

 

Sozialer Ausschluss

Ansprechpartnerin: Selma Rudert 

Sozialer Ausschluss und Ausgrenzung sind alltägliche Vorkommnisse in vielen verschiedenen Kontexten und Institutionen, wie etwa in Schulen, aber auch in wirtschaftlichen Organisationen und auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Da Ausschluss sich jedoch negativ auf die Leistung wie auch das Wohlbefinden auswirkt, kann sozialer Ausschluss hohe individuelle wie volkswirtschaftliche Schäden verursachen.

Im Fokus dieser Forschungsschwerpunkts steht zum einen die Frage, warum Menschen andere ausschließen. Hierbei untersuchen wir den Einfluss verschiedener Motive, Persönlichkeitseigenschaften und sozialer Kontexte, die Ausschlussverhalten fördern. Zum anderen untersuchen wir, wie Menschen sozialen Ausschluss begreifen und erleben – sowohl wenn sie selbst ausgegrenzt werden als auch wenn sie beobachten, wie andere ausgeschlossen werden. Diese unterschiedlichen Perspektiven tragen dazu bei, die Ursachen für sozialen Ausschluss zu verstehen und zu ergründen, wie sich sozialer Ausschluss und die damit zusammenhängenden negativen Konsequenzen verhindern lassen.

Ausgewählte Publikationen:

Rudert, S. C., Keller, M. D., Hales, A. H., Walker, M., & Greifeneder, R. (2020). Who gets ostracized? A personality perspective on risk and protective factors of ostracism. Journal of Personality and Social Psychology, 118(6), 1247–1268. https://doi: 10.1037/pspp0000271

Rudert, S. C., Janke, S., & Greifeneder, R. (2020). The experience of ostracism over the adult life span. Developmental Psychology, 56(10), 1999–2012. https://doi.org/10.1037/dev0001096

Rudert, S.C., Sutter, D., Corrodi, C., & Greifeneder, R. (2018). Who’s to blame? Similarity affects moral judgments of observed ostracism episodes. Journal of Personality and Social Psychology, 115(1), 31–53. https://doi: 10.1037/pspa0000122

  

Diversity

Ansprechpartner*innen: Franziska EhrkeMelanie Steffens & Selma Rudert

In unserer Forschung zu Diversity untersuchen wir, wie soziale Vielfalt wahrgenommen und von wem und unter welchen Umständen soziale Vielfalt als positiv oder negativ bewertet wird. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit der Frage, wie sich die Wahrnehmung von Vielfalt auf Beziehungen innerhalb und zwischen verschiedenen Gruppen auswirkt (z.B. Kooperation, Konflikte).

Ein weiterer Aspekt dieser Forschung befasst sich mit der Bedeutung sozialer Vielfalt im Bereich der Politik, z.B. für Vertrauen in Parteien sowie in Politikerinnen und Politiker. Außerdem ist es ein Anliegen unserer Diversity-Forschung, sie auch mit anderen relevanten psychologischen Schwerpunkten zu verknüpfen, wie mit Gerechtigkeitsforschung (z.B. Sensibilität für Ungerechtigkeit).

Ein wesentliches Ziel unserer Forschung ist es, vielfaltsbasierte Interventionsstrategien zur Verbesserung von Einstellungen zwischen Gruppen zu identifizieren und auf die Entwicklung von Interventionsmaßnahmen anzuwenden. So beschäftigen wir uns vor allem mit der Konzeption und Evaluation von Diversity-Trainings - eine der am häufigsten praktizierten Maßnahmen im Diversity Management. Dabei wollen wir auch verschiedene Zielgruppen berücksichtigen. Beispielsweise untersuchen wir, wie man verhindern kann, dass sich privilegierte Gruppen durch die Wahrnehmung von Vielfalt und die Anwesenheit von benachteiligten Minderheitengruppen bedroht fühlen. Wir kooperieren eng mit Projekten und Organisationen, welche Anti-Diskriminierungs-Maßnahmen durchführen, um so die externe Validität unserer Forschung zu sichern. 

Ausgewählte Publikationen:

Ehrke, F., Ashoee, A., Steffens, M. C., & Louvet, E. (2020). A brief diversity training: Raising awareness of ingroup privilege to improve attitudes towards disadvantaged outgroups. International Journal of Psychology, 55(5), 732–742. https://doi.org/10.1002/ijop.12665

Ehrke, F., Berthold, A., & Steffens, M. C. (2014). How diversity training can change attitudes: Increasing perceived complexity of superordinate groups to improve intergroup relations. Journal of Experimental Social Psychology, 53, 193–206. https://doi.org/10.1016/j.jesp.2014.03.013

Ehrke, F., Bruckmüller, S., & Steffens, M. C. (2020). A double-edged sword: How social diversity affects trust in representatives via perceived competence and warmth. European Journal of Social Psychology, 50(7), 1540–1554. https://doi.org/10.1002/ejsp.2709

Jaffé, M. E., Rudert, S. C., & Greifeneder, R. (2019). You should go for diversity, but I’d rather stay with similar others: Psychological distance modulates one’s preference for diversity. Journal of Experimental Social Psychology, 85. https://doi: 10.1016/j.jesp.2019.103881

Steffens, M. C., Reese, G., Ehrke, F., & Jonas, K. J. (2017). When does activating diversity alleviate, when does it increase intergroup bias? An ingroup projection perspective. PLoS one, 12, e0178738. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0178738

 

Konflikt und Kooperation zwischen Gruppen 

Ansprechpartner*innen: Melanie SteffensTamara Wolf & Selma Rudert

Ein wichtiges Thema in Lehre und Forschung in der Sozialpsychologie sind Konflikte zwischen sozialen Gruppen und wie Kooperation und Versöhnung herbeigeführt werden können. Welche Stereotype und Vorurteile, welche Bedrohungsgefühle und Emotionen bestimmen den Umgang mit Fremdgruppen (z.B. ob sich jemand für oder gegen Geflüchtete engagiert)? Lässt sich Hilfeleistung am besten erklären, indem sowohl soziale Identifikation mit unterschiedlichen Gruppen als auch ein Persönlichkeitsmerkmal (sog. Ungerechtigkeitssensibilität) berücksichtigt wird? Und welche Interventionen erhöhen die Bereitschaft, sich für eine Fremdgruppe zu engagieren?

Zudem beschäftigen wir uns mit der Frage, inwiefern Opfer- und Tätergruppen sich in ihrer Präferenz der Darstellung von Vergehen unterscheiden. Unser Ziel ist es zu verstehen, ob sich die verschiedenen Bedürfnisse von Mitgliedern von Opfer- und Tätergruppen in diesen Präferenzen widerspiegeln. Hier kooperieren wir mit der Tel Aviv University und untersuchen die Frage mit deutschen und jüdisch-israelischen Stichproben. 

Ferner interessieren wir uns für eine Art der positiven, unbewussten Diskriminierung gegenüber Geflüchteten in Deutschland. Hierbei schauen wir uns an, auf welche Faktoren (z.B. Stereotype) Menschen, die Geflüchtete unterstützen, deren normverletzendes Verhalten zurückführen.

Ausgewählte Publikationen:

Klein, S.A., Rudert, S.C. (2021). If they don’t care, I won’t share: Feeling unrelated to one’s in-group increases selfishness instead of behavior for the greater good. European Journal of Social Psychology. https://doi.org/10.1002/ejsp.2771

Knab, N., & Steffens, M. C. (2018). One world in diversity – a social-psychological intervention to foster international collective action intention. Journal of Social and Political Psychology, 6(1), 8–26. https://doi.org/10.5964/jspp.v6i1.601

Knab, N., & Steffens, M. C. (in press). Emotions for solidarity: The relations of moral outrage and sympathy with hierarchy-challenging and prosocial hierarchy-maintaining action intentions in support of refugees. Peace and Conflict: Journal of Peace Psychology.

Knab, N., Winter, K., & Steffens, M. C. (in press). Flexing the extremes: Increasing cognitive flexibility with a paradoxical leading questions intervention. Social Cognition.