Wie schaffe ich es, dass die Studierenden die Pflichtlektüre lesen?

Pflichtlektüren sind ein typisches Opfer studentischer Kosten-Nutzen-Rechnung: Wissenschaftliche Texte zu lesen ist anstrengend und zeitaufwändig. Es muss sich wirklich lohnen, sonst werden die Prioritäten der Studierenden schnell woanders gesetzt. Stellen Sie sich folgende Fragen:

Wie schaffbar ist der Text, den ich aufgegeben habe?

Ein 80-seitiger englischsprachiger Text voller unbekannter Fachbegriffe wird für Bachelorstudierende höchstwahrscheinlich wenig motivierend sein. Bedenken Sie, dass Studierende meist langsamer lesen als Sie, dass es ihnen oft an nötigem Vorwissen und an der Übung im Lesen ‚schwieriger’ Texte fehlt. Gibt es vielleicht einen anschaulicheren Text zum gleichen Thema?

Geben Sie Leitfragen oder kleine Lektüreaufgaben mit, die den Studierenden helfen, das Wichtige zu fokussieren – oft fällt es Studierenden nämlich noch schwer, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.

Verweisen Sie die Studierenden auf diesen hilfreichen Leitfaden für das Lesen wissenschaftlicher Texte.

    Arbeiten Sie in der Sitzung genügend mit dem Text? Ist er Diskussiongrundlage?

    Natürlich gibt es Studierende, die ohne zu hinterfragen alles tun, was man ihnen sagt. Viele brauchen aber einen konkreten Sinn und Zweck. Sie müssen merken, dass die Sitzung sinnlos ist, wenn sie den Text nicht gelesen haben.

    Ein paar Tipps dafür:

      • Lassen Sie die Studierenden sich am Anfang der Sitzung über den Text bzw. die Leitfragen/Aufgaben austauschen.
      • Führen Sie ggf. kurze, straffreie, anonyme Lektüretests am Anfang der Sitzung durch, z.B. mithilfe eines Classroom Response Systems.
      • Sofern das möglich ist: Planen Sie eine Aktivität (Diskussion, Gruppenarbeit, Experiment…), die sich auf die Inhalte des Textes bezieht.
      • In Vorlesungen: Führen Sie ein Begleitendes Quiz durch oder gestalten Sie Ihr Skript mit Lücken, die durch das im Text erworbene Vorwissen gefüllt werden können (dazu muss das Skript natürlich vorher zum Ausdruck bereitstehen).

        Wir freuen uns über Kommentare und Ergänzungen!

        © Dr. Ina Mittelstädt, 2015