Minute Paper

Für:

Seminar oder Vorlesung – auch sehr große Gruppen

Zweck:

Rückmeldung über Wissens- und Verständnisstand der Studierenden bekommen, Inhaltsverarbeitung der Studierenden befördern

Das Minute Paper ist eine sehr einfache und schnelle Methode, die nicht nur die Interaktion zwischen Ihnen und den Studierenden, sondern auch die Leistungen der Studierenden verbessern kann (Zusammenfassung der Forschungsergebnisse bei Stead 2005). Sie wird zudem von Studierenden gut angenommen (s. ebd.).

ANLEITUNG

Studierende bekommen – in der Regel am Ende der Sitzung – zwei bis drei Minuten Zeit, um schriftlich (auf ein leeres Papier) zwei Fragen zu beantworten:

  • Was war der wichtigste Punkt/die wichtigsten Punkte, den/die Sie heute gelernt haben?
  • Was ist Ihnen am unklarsten geblieben?

Varianten:

  • Wann war Ihre Aufmerksamkeit am höchsten?
  • Was war das hilfreichste Beispiel?
  • Was haben Sie heute am besten verstanden?
  • Was hat Sie heute am meisten überrascht?
  • Was fanden Sie heute verwirrend?

Schreiben Sie die Fragen lesbar auf die Tafel oder eine Folie (o. Ä.).

Die Studierenden geben das Blatt mit den beantworteten Fragen beim Hinausgehen anonym ab. Optional können Sie sich die Studierenden miteinander über ihre Antworten austauschen lassen, bevor sie sie abgeben.

Das Durchlesen braucht auch bei größeren Gruppen wenig Zeit. Gehen Sie in der nächsten Sitzung auf die sich zeigenden Verständnisprobleme ein.

Wenn Sie die Methode öfter nutzen, verbessert sie Motivation und Lernerfolg der Studierenden. Stellen Sie dann aber nicht jede Woche die gleichen Fragen, damit die Übung nicht monoton wird.

Technische Option: Wenn Sie einen begleitenden Kurs bei OLAT haben, richten Sie einen Fragebogen mit den Fragen ein und bitten Sie die Studierenden, die Fragen am Ende der Sitzung über ihr mobiles Endgerät (das die meisten Studierenden haben) zu beantworten.

KOSTEN

Zeitaufwand Vorbereitung:

gering: Formulierung von Fragen, Lesen der Antworten (ø 5–15 Sek. pro Blatt) und Auseinandersetzung mit den Verständnisschwierigkeiten  

Zeitaufwand in der Sitzung:

3–5 Minuten + Auswertung in der nächsten Sitzung

NUTZEN

Das Minute Paper ist eine sehr effektive und einfache Methode, um ‚in die Köpfe’ der Studierenden zu schauen. Hat das funktioniert, was Sie vorhatten? Ist es bei den Studierenden angekommen? Indem Sie sich solches Feedback holen, geben Sie sich eine wichtige Chance, Ihre Lehre weiterzuentwickeln.

Studierende sind eher bereit, ihre Lücken zuzugeben, wenn sie es wie beim Minute Paper anonym tun können. Minute Paper durchzuführen und auf die Ergebnisse einzugehen, zeigt den Studierenden, dass Sie Interesse an ihrem Lernerfolg haben. Das ist ein wichtiger Baustein für ein motivierendes Lernklima.

RISIKEN

LÖSUNGSANSÄTZE

Studierende haben keine Lust darauf.

Machen Sie etwas damit – oder kann die Aufgabe den Studierenden zu Recht als selbstzweckhafte Beschäftigung erscheinen? Kündigen Sie an, dass Sie in der nächsten Sitzung auf die wichtigsten Antworten eingehen werden (und tun Sie es!).

Um Frust zu vermeiden: Kündigen Sie auch an, dass Sie nur auf die drei häufigsten Antworten eingehen werden.

Die Antworten sind zu lang.

Achten Sie auf die Zeitbegrenzung.

Die Antworten sind nicht aussagekräftig.

Spitzen Sie Ihre Fragen zu: Fragen Sie nicht: Was haben Sie heute gelernt? Sondern: Was ist das Wichtigste, was Sie heute gelernt haben?

Die Studierenden haben keine Fragen.

Fordern Sie die Studierenden am Anfang der Lehrveranstaltung/der Sitzung auf, sich Fragen, die aufkommen, zu notieren bzw. die unklaren Stellen im Skript (falls vorhanden) mit einem Fragezeichen zu markieren. Studierende haben fast immer Fragen – sie fallen ihnen meist nur nicht spontan ein.

Wenn Sie Erfahrungen mit der Methode gemacht haben und etwas ergänzen können, kontaktieren Sie uns gern!

LITERATUR UND LINKS

Angelo, Thomas A. & Cross, Patricia K. (1993): Classroom Assessment Techniques. A handbook for college teachers. San Francisco: Jossey Bass.

Stead, David R. (2005): A review of the one-minute paper. Active Learning in Higher Education 6, Nr. 2, 118-131. doi: 10.1177/1469787405054237

Zum Herunterladen/Ausdrucken:

Methodenbeschreibung

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© Dr. Ina Mittelstädt – Universität Koblenz-Landau 2015