Abgeschlossene Projekte

    Umweltwissenschaftliche Forschung über Nanopartikel:

Scientific (un)certainties about the occurrence, fate and behavior of nanoparticles in the environment: (Dr. Ilona Heidmann)

 


    Forschungsbereich Umweltkommunikation:

Wie Rezipienten mit Unsicherheit umgehen: Zur Rolle der Medienberichterstattung über Umwelt- und Gesundheitsrisiken in der Nanotechnologie: (Dr. Jutta Milde)

 


    Forschungsbereich Psychologie:

„Individuelle Personenmerkmale im Kontext des Umwelthandelns: Die Bedeutung impliziter Einstellungen und weiterer individueller Merkmale für umweltgerechtes Verhalten und die Rezeption unsicherer Wissenschaftsinformationen: (Dipl.-Psych. Andrea Retzbach)



 

Scientific (un)certainties about the occurrence, fate and behavior of nanoparticles in the environment: (Dr. Ilona Heidmann)

Technisch erzeugte Nanopartikel werden bereits in vielen Produkten wie z. B. in Textilien, Farben und Lacken, Kosmetika wie Sonnenschutzmitteln und in Pharmazeutika eingesetzt. Die Forschung zu Konzentration, Verhalten und Wirkung von technisch erzeugten Nanopartikeln in der Umwelt ist gegenüber dem weit verbreiteten Einsatz erst am Anfang. Die wissenschaftlichen Methoden zur Erforschung des Verhaltens von technischen Nanopartikeln in der Umwelt sind vielfältig und noch in der Entwicklung. Demzufolge sind die wenigen Ergebnisse oft unsicher oder stehen im Widerspruch zueinander. Da in der Wissenschaft wie in der Laienbevölkerung nur unsicheres Wissen vorhanden ist, ist unklar, wie ein nachhaltigeres Handeln gemäß dem Vorsorgeprinzip gefördert werden kann.
Im Forschungsbereich naturwissenschaftliche Analysen sollen dazu in einem ersten Schritt die Unsicherheiten in der wissenschaftlichen Forschung bezüglich Messmethoden und die Versuchsanordnungen im Bereich „Verhalten technischer Nanopartikel in der Umwelt“ dargestellt und analysiert werden. Im zweiten Schritt wird versucht die Möglichkeit der Verlagerung von technischen Nanopartikeln durch Böden in Richtung Grundwasser zu untersuchen und damit mit eigener experimenteller Forschung eine identifizierte Wissenslücke beginnen zu schließen. Neben der Beantwortung dieser Teilfrage wird kritisch untersucht, in wie weit die eigene experimentelle Forschung diese Unsicherheit im Wissen vermindern kann. Im abschließenden Schritt werden unter Einbeziehung der Ergebnisse der gesamten Forschungsgruppe Handlungsempfehlungen an Wissenschaftler, Wissenschaftskommuni-katoren und Verbraucher zum Umgang mit der Unsicherheit bezüglich des Umweltverhaltens und der Umweltwirkung von Nanopartikeln formuliert.

 


 

Wie Rezipienten mit Unsicherheit umgehen: Zur Rolle der Medienberichterstattung über Umwelt- und Gesundheitsrisiken in der Nanotechnologie: (Dr. Jutta Milde)

Massenmedien übernehmen bei der Vermittlung von wissenschaftlichen Unsicherheiten, Nicht-Wissen und Risiken an eine „Laien“-Öffentlichkeit eine wichtige Rolle. Für das Thema Nanotechnologie belegen Studien, dass es vor allem die Massenmedien sind, die die Menschen über Nanotechnologie  informieren. Dennoch zeigt sich, dass der Wissensstand in der Bevölkerung über die Technologie bislang noch gering ist. Im Eurobarometer 2010 gaben mehr als die Hälfte der Europäer an, noch nie von Nanotechnologie gehört zu haben. Gleichzeitig überwiegt die Einschätzung, dass Nanotechnologie eher nützlich als schädlich ist. So befürworten in Deutschland 61 Prozent der Bevölkerung die Verwendung von Nanotech-Verbraucherprodukten, obwohl die Nanotechnologie an sich eher un-sicher als sicher wahrgenommen wird. Diese Diskrepanz lässt sich auf Seiten der Bürger mit Persönlichkeitsmerkmalen erklären, z.B. durch eine generell positive Einstellung gegenüber wissenschaftlichen Innovationen. Der Einfluss der Medienberichterstattung auf die Wahrnehmung und Bewertung der Unsicherheit ist hingegen noch weitestgehend ungeklärt.
Vor diesem Hintergrund befasst sich das Forschungsprojekt mit der Frage, welche Bedeutung die mediale Darstellung wissenschaftlicher Unsicherheit in der Nanotechnologieforschung für den Umgang mit der kommunizierten Unsicherheit auf Seiten der Rezipienten hat. Dazu soll untersucht werden, inwieweit wissenschaftliche Unsicherheit in der Medienberichterstattung thematisiert wird und ob Bewertungen, Lösungs- und Handlungsstrategien oder Schlussfolgerungen formuliert werden. In einer Medienwirkungsstudie wird dann analysiert, welche Erwartungen Rezipienten an die Darstellung der wissenschaftlichen Unsicherheit haben, wie sie die Berichterstattung erleben und bewerten und welche Funktionen Emotionen beim Umgang mit Unsicherheit haben. Von zentralem Interesse ist also, welche Rolle die mediale Darstellung wissen-schaftlicher Unsicherheit in der Nanotechnologieforschung auf Wahrnehmung, Bewertung und Einstellung gegenüber der Nanotechnologie einnimmt. Die Frage ist insbesondere im Zusammenhang mit individuellen Entscheidungszusammenhängen relevant, in denen es darum gehen kann, über den zukünftigen Einsatz der Technologie oder um die weitere Verwendung von Nanotech-Verbrauchsgütern zu entscheiden.

 


 

„Individuelle Personenmerkmale im Kontext des Umwelthandelns: Die Bedeutung impliziter Einstellungen und weiterer individueller Merkmale für umweltgerechtes Verhalten und die Rezeption unsicherer Wissenschaftsinformationen: (Dipl.-Psych. Andrea Retzbach)

Wichtige Voraussetzungen für umweltgerechtes Handeln sind möglichst belastbare naturwissenschaftliche Erkenntnisse über ökologische Zusammenhänge und die mediale Vermittlung dieses Wissens an die Bevölkerung. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass Informationen auf verschiedene Menschen unterschiedliche Effekte haben und dass neben dem Wissen auch andere (psychologische) Variablen das Handeln beeinflussen.

Im Rahmen dieses Teilprojekts soll daher erforscht werden, welche Rolle bestimmte individuelle Personenmerkmale für die Rezeption umweltbezogener Medienberichte und für umweltgerechtes Verhalten spielen. Eine Meta-Analyse von Bamberg und Möser (2007) zeigt, dass wichtige psychosoziale Verhaltensprädiktoren wie Handlungseinstellungen, soziale und moralische Normen sowie Kontrollüberzeugungen gemeinsam nur ca. 50% der Varianz der Verhaltensintention, also dem „guten Vorsatz“ sich umweltgerecht zu verhalten, aufklären. Diese Vorsätze werden aber häufig nicht umgesetzt: Die Intention klärt wiederum nur knapp 30% der tatsächlichen Verhaltensvarianz auf. Es soll daher analysiert werden, welchen zusätzlichen Erklärungswert implizite (der Introspektion nicht zugängliche, nicht verbalisierbare) Einstellungen zu Wissenschaft und Umwelt haben. Dies erscheint ratsam, da umweltbezogenes Verhalten nicht nur kontrollierte und überlegte Handlungen umfasst, sondern auch eher automatisches Verhalten –  z. B. beim täglichen Einkauf. Solche automatischen Entscheidungen und Handlungen lassen sich häufig besser über implizite als über explizite Einstellungen vorhersagen. Besonders interessant erscheint dabei auch, ob implizite und explizite Einstellungen unterschiedliche Verhaltensrelevanz besitzen, je nachdem, als wie unsicher umweltrelevante Themen (wie Umweltschädigungen durch Nanopartikel) wahrgenommen werden. Implizite Einstellungen sowie weitere individuelle Merkmale (wie explizite Einstellungen, Kontrollüberzeugungen oder Persönlichkeitseigenschaften) werden außerdem im Rahmen von Medienwirkungsanalysen als Moderatoren berücksichtigt. Dabei interessiert vor allem, unter welchen Bedingungen die Berichterstattung über unsichere Umweltgefahren welche Effekte auf umweltrelevante Einstellungen und Verhaltensweisen (wie Kaufentscheidungen) der Rezipienten hat. Als Anwendungsbeispiel soll auch in diesem Teilprojekt die Nanotechnologie dienen, da das Vorwissen der Bevölkerung zu diesem Thema schwach ausgeprägt ist und der Prozess der Einstellungsbildung so mit Hilfe experimenteller Studien gut modelliert und nachvollzogen werden kann.