Samstag-Programm

Abschlussvortrag:Foto von Prof. Dr. Rita Rosner

Samstag, 12.05.2018, 12:45 - 13:45 Uhr

Frau Prof. Dr. Rita Rosner (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Rita Rosner, Prof. Dr. Dipl.-Psych., Psychologische Psychotherapeutin, Inhaberin des Lehrstuhls für Klinische und Biologische Psychologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Nach dem Studium der Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und einem DAAD-Stipendium an der University of California at Santa Barbara promovierte sie und habilitierte sich an der LMU München. Bereits in den 90er Jahren untersuchte Frau Rosner den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Krieg, Flucht und Migration in der Folge der Kriege im ehemaligen Jugoslawien. Aktuelle BMBF- und DFG-geförderte Projekte beschäftigen sich mit der Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen nach sexuellem Missbrauch, mit migrationsspezifischen Aspekten in der Versorgung misshandelter Kinder und Jugendlicher und mit der Behandlung der Anhaltenden Trauerstörung im Erwachsenenalter.

Frau Prof. Rosner war von 2006–2008 Präsidentin der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) und von 2009–2015 im Vorstand der European Society for Traumatic Stress Studies (ESTSS). Sie ist Mitgründerin und Mitherausgeberin des European Journal of Psychotraumatology (EJPT).

Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung über die Lebensspanne

Dieser Vortrag bietet einen Überblick über evidenzbasierte Interventionen in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter. Um die Studienlage für Kindheit und Jugend bewerten zu können, wird zuerst die mangelnde Passung der diagnostischen Kriterien für dieses Lebensalter diskutiert. Während für die frühe Kindheit bisher nur wenige Interventionen überprüft wurden, liegen für die Altersgruppe 7–17 eine Reihe von Metaanalysen vor, die insgesamt mittlere bis hohe Effektstärken für Psychotherapie gefunden haben. Als bisher am besten evaluiertes Einzelverfahren gilt die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie nach Cohen, Mannarino und Deblinger (2006), für die auch in Deutschland gute Ergebnisse bestätigt werden konnten. Jugendliche bilden eine spezielle Gruppe, die meist nicht getrennt untersucht wurde und insgesamt bisher zu wenig berücksichtigt wurde. Als beispielhafte Intervention wird hier die entwicklungsangepasste kognitive Verarbeitungstherapie (Cognitive Processing Therapy) vorgestellt. Für das Erwachsenenalter liegt mittlerweile eine Vielzahl von Studien vor, die hohe Effektstärken für die Prolongierte Exposition, die Kognitive Verarbeitungstherapie und für EMDR nachweisen. Für alternative Methoden wie etwa Yoga und Meditation zeigt sich eine geringere Wirksamkeit ebenso wie für Gruppentherapien. Für letztere werden allerdings große Unterschiede zwischen den einzelnen überprüften Ansätzen gefunden. Übersichten zu spezifischen Komorbiditäten wie Substanzabhängigkeit und Subgruppenanalysen attestieren den weiteren Forschungsbedarf.