Kognitive Linguistik - Phrasal Verbs

Kognitive Linguistik im Englischunterricht

Doktorand/inn/en: D. Kohl-Dietrich

Betreuer/innen: C. Juchem-Grundmann, W. Schnotz, P. Ludwig

Zielsetzung und Fragestellung

Ziel des Projekts ist zu untersuchen, wieweit sich die grammatische und lexikalische Kompetenz Englischlernender sowie deren Motivation zum fremdsprachlichen Lernen durch Integration kognitiv-linguistischer Erkenntnisse in den Unterricht fördern lassen. Anhand von ausgewählten Aspekten der englischen Sprache (z. B. phrasal verbs, prepositions, tense oder aspect) soll exemplarisch der Frage nachgegangen werden, worauf bei einer angemessenen didaktischen Reduktion zu achten ist, welche Rolle dabei Visualisierungen spielen und welche Auswirkungen entsprechende Unterrichtsverfahren auf Lernprozess und Lernergebnisse haben.

Theoretischer Hintergrund

Aus kognitiv-linguistischer Sicht manifestiert Sprachgebrauch sowohl
in seiner lexikalischen als auch grammatischen Ausgestaltung universale, sozio-kulturelle und individuelle Erfahrungen des Sprechers (Geeraerts, 2006). Sprachliche Formen und ihre Funktionen, respektive ihre Bedeutung, sind daher als „motiviert“ und nicht als beliebig anzusehen. Theoretische Erkenntnisse zu dieser erfahrungsbedingten Motiviertheit einzelner sprachlicher Aspekte bieten eine breite Basis zur praktischen Entwicklung und Einführung innovativer Lernmaterialien und Unterrichtsstrategien (Radden, 1997; Littlemore & Juchem-Grundmann, 2010; Tyler, 2012) und eröffnen damit neue, vielversprechende Wege für die Fremdsprachendidaktik (Boers & Lindstromberg, 2008; de Knop, de Rycker & Boers, 2010; Juchem-Grundmann, 2009): Regeln und Ausnahmen sprachlicher Formen und Konventionen müssen nicht mehr unhinterfragt als gegeben hingenommen und auswendig gelernt werden, sondern erweisen sich ausgehend von der prototypischen Bedeutung einzelner sprachlicher Aspekte als erklärbar (Littlemore, 2009) und damit verstehbar. Es ist davon auszugehen, dass die systematische Integration spezifischer kognitiv-linguistischer Erklärungen im Unterricht die Qualität der Lernprozesse und -ergebnisse wesentlich verbessern kann.

Relevanz

Bisher arbeiten nur vereinzelt Forscher an der Schnittstelle von Kognitiver Linguistik und Fachdidaktik und entwickeln konkrete Materialien und Unterrichtsmethoden für ausgewählte Bereiche des Grammatik- oder Wortschatzerwerbs. Derzeit mangelt es an systematischer Forschung zur Didaktisierung kognitiv-linguistischer Erkenntnisse für den Englischunterricht, insbesondere an empirischen Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit entsprechender Unterrichtsmethoden.

Methodisches Vorgehen

Im ersten Schritt des Projekts werden gängige Lehrwerke hinsichtlich
des jeweils selegierten sprachlichen Aspekts analysiert und die Ergebnisse mit muttersprachlichen Korpora abgeglichen. Im zweiten Schritt werden kognitiv-linguistische Erkenntnisse zur sprachlichen Motiviertheit dieses Aspekts (z. B. konzeptuelle Metapherntheorie und semantische Netzwerke) aufgearbeitet und hinsichtlich ihrer Möglichkeiten zur didaktischen Aufbereitung untersucht. Von zentraler Bedeutung sind dabei Visualisierungen und der Einsatz kognitiver Strategien, die die nach kognitiv-linguistischer Auffassung gegebene durchgängige Motiviertheit von Sprache sowohl auf lexikalischer als auch auf grammatischer Ebene vermitteln sollen. Im dritten Schritt erfolgen im
Rahmen einer quasi-experimentellen Studie die Implementation und Evaluation der gewählten Konzepte im Vergleich zu traditionellen didaktischen Ansätzen hinsichtlich der fremdsprachlichen Kompetenzentwicklung und der Lernmotivation (erhoben mittels Leistungsmessung, Fragebögen
zur Selbsteinschätzung und Schülereinzelinterviews sowie Fremdeinschätzungen durch Lehrkräfte) und hinsichtlich der wahrgenommenen Durchführbarkeit sowie der Vor- und Nachteile dieser Vorgehensweisen (erhoben mittels  Lehrereinzelinterviews).

Mögliche Dissertationsthemen

Applying Cognitive Linguistics to the English Language Classroom: Teaching (along) the lexis-grammar-continuum. (Jede Disseration befasst sich exemplarisch mit einem ausgewählten spachlichen Aspekt, z. B. tense, aspect, prepositions, word order, metaphors, idioms, collocations, etc.)