Lernbezogene Selbstregulation

Lehrhandeln und Selbstregulationskompetenz in selbstständigkeitsorientierten Unterrichtsarrangements

Betreuer/innen: P. Ludwig, A. Kauertz, J. Roth, C. Schneider

Zielsetzung und Fragestellung

Während die Arbeiten der ersten Projektphase unterschiedliche Grade der Autonomie-Gewährung im Lehrhandeln verglichen, geht es in den folgenden Phasen um die Qualität autonomie-gewährenden Lehrhandelns. In selbstständigkeitsorientierten Lehr-Lern-Arrangements als Unterrichtsangebot wird die Unterrichtsqualität vorwiegend von schüleradaptiven Lehrinterventionen im Sinne individueller Lernunterstützung (wie z. B. Lehrer-Feedback, minimale Hilfen) bestimmt und damit die adäquate Unterrichtsnutzung durch Lernende maßgeblich beeinflusst. Das Forschungsvorhaben zielt darauf ab festzustellen, mit welchen Interventionsmustern Lehrkräfte Lernprozesse (z. B. aktuelle Lernmotivation, Interesse) und Lernergebnisse (z. B. Kompetenzerleben, fachliche Leistungen) in weitgehend schüler-gesteuerten Phasen des Physik- und Mathematikunterrichts fördern können. Dabei wird mit untersucht, welche Rolle den Komponenten der lernbezogenen Selbstregulationskompetenz (z. B. Fähigkeitsselbstkonzept, habituelle Selbstmotivierung, Stimmungsmanagement) der Lernenden zukommt und inwieweit die diagnostische Kompetenz von Lehrkräften ausreicht, selbstregulative Fähigkeiten bzw. den aktuellen Unterstützungsbedarf ihrer Schüler/innen zu erkennen (Wirth & Leutner, 2008).

Theoretischer Hintergrund

Die Unterrichtsqualitätsforschung mit ihren „Merkmalen guten Unterrichts“ ist bislang vorwiegend auf traditionelle Unterrichtsformen mit einer nur geringen Ausprägung an Schülerelbstständigkeit gerichtet. Konzeptionen zu Komponenten selbstregulativer Fähigkeiten, wie sie in vorliegenden Instrumenten zur Erfassung dieser Fähigkeiten zum Ausdruck kommen (z. B. Otto, Perels, Schmitz & Bruder, 2006), lassen sich etwa durch prominente Modelle zum selbstregulierten Lernen erweitern (z. B. Schütte, Wirth & Leutner, 2010; Zimmerman, 2001). Im Drei-Schichten-Modell des  selbstregulierten Lernens von Boekaerts (1999) lässt sich jeweils einer Schicht (selbstgewählte Lernziele; metakognitive Aktivitäten, Lernstrategien) ein bestimmtes Set von Fähigkeiten (skills) und psychischen Dispositionen zuordnen, welche für Lernende notwendig sind, um die Lernhandlungen  selbstreguliert ausführen zu können.

Relevanz

Evidenz-basiertes Wissen zur Unterrichtsqualität trägt dazu bei, Lehrinterventionen in selbstgesteuerten Unterrichtsszenarien zu optimieren. Erkenntnisse über lernwirksame selbstregulative skills ermöglichen es, Schüler/innengruppen mit besonderem Unterstützungsbedarf in derartigen Unterrichtsphasen zu identifizieren und gezielt zu fördern (z. B. Schütte, Wirth & Leutner,2010; 2011).

Methodisches Vorgehen

Zunächst sollen aus theoretischen Ansätzen, Modellen und der Auswertung bereits vorliegender Daten aus eigenen Vorstudien theoretische Vorstellungen zur optimalen Lernunterstützung und zu maßgeblichen Komponenten der Selbstregulationskompetenz abgeleitet werden. In einem experimentellen Setting wird die Wirkung einer Konzeption „effektiven Unterrichtshandelns“ auf Lernprozesse und -ergebnisse geprüft. Die Lehrkräfte der Experimentalgruppe werden vorauslaufend instruiert, gemäß dieser Konzeption zu handeln. Beide Gruppen werden manipulationskontrolliert. Integriert ist eine korrelative Untersuchung zur Bedeutung ausgewählter Komponenten der Selbstregulationskompetenz. Dafür geben die Schüler/innen vor dem experimentellen Treatment Selbsteinschätzungen zu entsprechenden Merkmalen schriftlich ab. Die Vorhersagekraft dieser Merkmale für die Ausprägung situativer Variablen während des Lerngeschehens und für Output-Merkmale (z. B. Lernzuwachs) wird untersucht.

Mögliche Dissertationsthemen

  • Theoriebildung (Hypothesengenerierung, Ableitung von Konstrukten) zu Merkmalen guter Unterrichtspraxis und zu selbstregulativen Fähigkeiten aus bereits existierenden
    Fragebogen- und Videographie-Datensätzen; Konstruktion und Güte-Prüfung eines
    umfänglichen Inventars zu Selbstregulationskompetenzen von Schüler/inne/n
  • Experimentelle Prüfung der Effekte moderater Lehrer-Interventionen auf Schüler-
    Lernprozess- bzw. Output-Maße; explanative Untersuchung des Zusammenhangs von
    Selbstregulationskompetenz und Lernprozess- bzw. Output-Maßen