Naturwissenschaft & Sprache

Sprachförderung in naturwissenschafltichen Lernumgebungen in Kindergarten und Grundschule

Doktorand/inn/en: A. Groneß

Betreuer/innen: G. Kammermeyer, A. Kauertz, W. Smidt, S. Roux

Zielsetzung und Fragestellung

Das Forschungsprojekt vernetzt zwei zentrale Bildungsbereiche (Sprache und Naturwissenschaften) sowie die Institutionen Kindertagesstätte und Grundschule und untersucht die Möglichkeiten der Verbesserung der pädagogischen Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden. Damit wird an die Erkenntnisse der Dissertationen von Donie und Kinnunen zu den beiden Bildungsbereichen Mathematik und Schriftsprache angeknüpft. Der Aufbau naturwissenschaftlicher Konzepte in experimentell-explorativen Lern-Settings eignet sich zugleich auch für den Erwerb von Bildungssprache, sofern eine hinreichende pädagogische Prozessqualität (bestehend aus emotionaler Unterstützung, Klassen- bzw. Gruppenführung und kognitiver Aktivierung) gegeben ist. Ein zentraler Aspekt der kognitiven Aktivierung ist die Adaptivität, mit der die Lehrperson auf der Mikroebene auf die Äußerungen der Kinder eingeht und ihnen Lernmöglichkeiten anbietet, die sie herausfordern. Untersucht wird zum einen, inwieweit durch eine situierte Fortbildung von Erzieherinnen und Grundschullehrer/inne/n (authentische Lernsituationen, Berücksichtigung verschiedener Perspektiven und des Kontextes, vgl. Fölling-Albers, Hartinger & Mörtl-Hafizovic 2004) der Transfer in die Praxis gelingt, so dass die kognitive Aktivierung (gezielter Einsatz (sprach-)förderlicher Strategien) solcher naturwissenschaftlichen Lehr-Lern-Settings (Experimentieren, Thema Mechanik) in diesen Institutionen verbessert werden kann. Zum anderen wird untersucht, ob durch eine solche Intervention sowohl sprachliche Kompetenzen von Kindern verbessert als auch naturwissenschaftliche (physikalische) Konzepte von Kindern im letzten Kindergartenjahr und im ersten Schuljahr aufgebaut werden können. Kinder mit Förderbedarf werden dabei besonders berücksichtigt.

Theoretischer Hintergrund

Empirische Befunde legen nahe, dass positive Wirkungen des Kindergartens auf den späteren Schulerfolg inbesondere von der gruppen- und zielkindbezogenen pädagogischen Prozessqualität und hier v.a. von der kognitiven Aktivierung abhängt (Pianta et al. 2011) und dass beim naturwissenschaftlichen Lernen der Grundschule ein moderat-konstruktivistischer Unterricht, der sich durch eine hohe kognitive Aktivierung auszeichnet, besonders erfolgreich ist (u.a. Möller 2012, Hardy & Kempfert, 2011). Die kognitive Aktivierung ist jedoch in Kindertagesstätten im Gegensatz zur Qualität der emotionalen Unterstützung und der Qualität der Gruppen- bzw. Klassenführung eher gering ausgeprägt (Kammermeyer, Roux & Stuck 2012). Bei der Gestaltung der Lernsituation wird auf Erkenntnisse Conceptual Change-Theorien (Möller, 2009; Möller & Steffensky, 2010) zurückgegriffen.

Relevanz

Unbestritten ist, dass die Förderung bildungsrelevanter Sprachkompetenzen in Kindertagesstätten und Grundschulen eine zentrale Stellschraube für den Bildungserfolg darstellt und für eine naturwissenschaftliche Grundbildung im Sinne von scientific literacy bereits Lernprozesse in früher Kindheit bedeutsam sind. Den hohen Erwartungen an solche frühen Bildungsprozesse steht jedoch ein eklatanter Mangel an Erkenntnissen darüber, wie die Unterstützung von sprachlichen- und naturwissenschaftlichen Kompetenzen erfolgreich in frühpädagogischen Lernumgebungen realisiert werden kann.

Methodisches Vorgehen

Geplant ist eine quasi-experimentelle Studie mit einer Fortbildung von Lehrpersonen als Intervention. Inhaltlich ist diese Fortbildung auf die kognitive Aktivierung in naturwissenschafltlichen Lernsettings ausgerichtet, methodisch beruht sie auf dem Ansatz des situierten Lernens. Untersucht werden Effekte sowohl auf der Ebene der Lehrperson (Zuwachs an Anregungsqualität) als auch multikriterial auf der Kindebene (Aufbau naturwissenschaftlicher Konzepte, Lernfreude/Interesse an Naturwissenschaften, Sprachkompetenz, Häufigkeit von sustained shared thinking). Die zentrale Variable „kognitive Aktivierung“ wird mit dem international bewährten Classroom Assessment Scoring System (CLASS) von Pianta et al. (2008) erhoben.

Mögliche Dissertationsthemen

  • Sprachförderung in naturwissenschaftlichen Lernumgebungen im Kindergarten/ im Anfangsunterricht.
  • Aufbau naturwissenschaftlicher Konzepte durch Verbesserung der Anregungsqualität im
    Kindergarten/ im Anfangsunterricht