Lernmaterialien in Inklusionsklassen

 

Wie sollten Lernmaterialien in Inklusionsklassen gestaltet sein?

Empirische Untersuchung von Arbeitsprozessen in Abhängigkeit von Instruktionsmaterialien

 

Doktorandin: Anna Noll

Betreuer: Prof. Dr. Jürgen Roth, Dr. Markus Scholz

 

Fragestellung

Im Rahmen des Projekts soll untersucht werden, welche Gestaltungselemente von Arbeitsaufträgen einen positiven Einfluss auf die Performanz von Schüler/innen bei der Lösung mathematischer Aufgaben haben.

Relevanz

Das Ziel einer inklusiven Bildung für alle wird sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene als ein zentrales Leitbild unserer heutigen Gesellschaft postuliert (KMK 2011; UNESCO, 1994). Des Weiteren zeigen verschiedene Studie, dass inklusiver Unterrichtung einen positiven Effekt auf die Leistungsentwicklung sowie die soziale Teilhabe von Schüler/innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf haben kann (Markussen, 2004; Myklebust, 2002). Um dieses Ziel ,alle Schüler/innen unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten zu inkludieren, erreichen zu können, müssen jedoch zunächst die pädagogischen Bedingungen angepasst werden. Ein wesentlicher Schritt in diese Richtung besteht darin, allen Kindern die Lesbarkeit der Arbeitsaufträge zu ermöglichen.

Theoretischer Hintergrund

Hierzu können Kriterien der Textvereinfachung angewendet werden, wie beispielsweise die Regeln leichter Sprache (vgl. Netzwerk leichte Sprache unter http://leichtesprache.org). Des Weiteren können zur Verständniserleichterung Texte mit Piktogrammen verknüpft werden. Inwiefern das Anreichern von Texten mit Piktogrammen das Textverständnis erhöht, wurde bisher jedoch nur wenig empirisch untersucht. Obwohl theoretische Überlegungen für eine positive Wirkung durch die Verknüpfung von Texten mit Piktogrammen sprechen (vgl. Mayer 2009, Schnotz 2005), sind die Ergebnisse der wenigen vorhandenen Studien nicht eindeutig (vgl. Jones, Long & Finlay 2007, Poneclas & Murphey 2007, Southerland & Isherwood, 2016).

Methodisches Vorgehen

Verbessert die Verwendung von Leichter Sprache sowie der Einsatz von Piktogrammen die Performanz bei der Bearbeitung mathematischer Aufgaben? Diese Forschungsfrage soll im Rahmen des Projekts  beantwortet werden.

In den Aufgaben, die in dieser Studie zum Einsatz kommen, geht es um die Einführung von Bruchzahlen.

Im Rahmen einer qualitativen Studie wird zunächst untersucht wie Schülerinnen und Schüler mit und ohne Förderbedarf auf den Einsatz von Piktogrammen und Leichter Sprache reagieren. Eye-Tracking-Daten sowie Think-Aloud-Protokolle werden erhoben. Des Weiteren schließt sich an die Bearbeitung der Aufgaben ein Interview-Setting an.

In einer quantitativen Studie mit Experimental- und Vergleichsgruppen-Design wird anschließend analysiert, wie die Anwendung Leichter Sprache und die Verknüpfung von Text mit Piktogrammen die Performanz bei der Bearbeitung mathematischer .Aufgaben beeinflusst.

Literatur

Jones, F. W., Long, K. & Finlay, W. M. L. (2007). Symbols can improve the reading comprehension of adults with learning disabilities. In: Journal of Intellectual Disability Research, 51 (7), 545–550

Kultusministerkonferenz (2011). Inklusive Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Schulen. Beschluss der der Kultusministerkonferenz vom 20.10.2011. Zugriff am 26.11.2016. Verfügbar unter http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2011/2011_10_20-Inklusive-Bildung.pdf

Markussen, E. (2004). Special education: Does it help? A study of special education in Norwegian upper secondary schools. European Journal of Special Needs Education, 19(1), 33-48.

Mayer, R. (2009): Multimedia Learning, 2nd edn. Cambridge: Cambridge University Press.

Myklebust, J.O. (2002). Inclusion or exclusion? Transition among special needs students in upper secondary education in Norway. European Journal of Special Needs Education, 17(3), 251-263.

Poncelas, A. & Murphy, G. (2007). Accessible Information for People with Intellectual Disabilities: Do Symbols Really Help? In: Journal of Applied Research in Intellectual Disabilities, 20 (5), 466–474.

Schnotz, W. (2005). An Integrated Model of Text and  Picture Comprehension. In R. Mayer (Hrsg.), The Cambridge Handbook of Multimedia Learning. (p. 49—70).  Cambridge: Cambridge University Press

Southerland, R. J., & Isherwood, T. (2016). The Evidence for Easy-Read for People with Intellectual Disabilities: A Systematic Literature Review. Journal of Policy and Practice in Intellectual Disabilities, 13(4), 297-310.

United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization [UNESCO]. (1994). The Salamanca Statement and Framework for Action on Special Needs Education. Zugriff am 26.11.2016. Verfügbar unter http://www.unesco.org/education/pdf/SALAMA_E.PDF