Wenn erzieherische Maßnahmen gerechtfertigt - aber nicht gerecht sind

Titel: Schulgerechtigkeit als wichtige Einflussquelle des Bildungserfolgs: Der Einsatz erzieherischer Maßnahmen im Schulalltag

Doktorand: Mathias Twardawski

Betreuer: Prof. Benjamin E. Hilbig, Ph. D.

 

Relevanz & Theoretischer Hintergrund:

Verstöße gegen Regeln und soziale Normen führen im Schulalltag häufig zu erzieherischen Maßnahmen (beispielsweise in Form von Sozialstunden beim Hausmeister) durch Lehrkräfte. In Gesprächen mit Lehrkräften wird dabei deutlich, dass insbesondere der Umgang mit Fehlverhalten von Schülern und die sich daraus ergebenden erzieherischen Maßnahmen im Schulalltag häufig zu Konflikten führen. Auch die Forschung zeigt, dass erzieherische Maßnahmen durch die Schüler zumeist als ungerecht wahrgenommen werden (Fan & Chan, 1999; Mikula, Petri, & Tanzer, 1990). Dies könnte in einem Unterschied zwischen Lehrern und Schülern im angestrebten Umgang mit Fehlverhalten begründet liegen. So könnte vermutet werden, dass die von Lehrern als gerecht angesehene Vorgehensweise aus der Sicht der Schüler gar nicht als fair wahrgenommen wird.

Obwohl das Thema Gerechtigkeit bereits als zentraler Aspekt in der Schule (u.a. mit Einfluss auf die Häufigkeit von delinquentem Verhalten, Wohlbefinden von Schülern, sowie den Bildungserfolg) identifiziert wurde (z.B. Dalbert, 2013), sind die Wirksamkeit und Konsequenzen erzieherischer Maßnahmen in der Bildungsforschung bislang stiefmütterlich behandelt worden. Mithilfe eines Perspektivwechsels soll innerhalb dieses Projekts das Gerechtigkeitsempfinden der Schüler untersucht werden. Divergierende Präferenzen im Umgang mit Fehlverhalten sollen in einen Zusammenhang mit der Gerechtigkeitswahrnehmung in der Schule bis hin zum Bildungserfolg formalisiert und in mehreren Teilstudien getestet werden. Interindividuelle Einflussfaktoren (wie Persönlichkeitseigenschaften) sollen ebenfalls Berücksichtigung erhalten. Es wird vermutet, dass Schüler in einer anderen Art und Weise mit Fehlverhalten umgehen als Lehrer, was erklären könnte, weshalb das Bestrafungsverhalten der Lehrkräfte häufig als ungerecht wahrgenommen wird.

Methodische Vorgehensweise:

In einem interdisziplinär ausgerichteten Forschungsprojekt sollen Ansätze der Psychologie, der Verhaltensökonomie und der empirischen Bildungsforschung genutzt werden um Unterschiede zwischen Schülern und Lehrkräften im Umgang mit Fehlverhalten zu untersuchen. Hierfür soll – in Anlehnung an die strengen methodologischen Standards der Verhaltensökonomie und kognitive Entscheidungsforschung – ein experimenteller Zugang gewählt und unter anderem Paradigmen der Spieltheorie genutzt werden (Baumert, Schlösser, & Schmitt, 2014). Hierdurch soll das Bestrafungsverhalten von Schülern mit denen von Erwachsenen bzw. Lehrern in identischen Settings verglichen und Diskrepanzen identifiziert werden.

 

*  Im Folgenden wird aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung nur die männliche Form verwendet. Es sind jedoch stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermaßen gemeint.