Wirkung von Kontext auf die Erfassung von Physikkompetenz

A. Dorschu (Uni Duisburg-Essen)

In Physikaufgaben spielen Kontexte eine bedeutende Rolle (Ralle, 2001). Im Rahmen von Pisa werden sie zur Modellierung von Scientific Literacy in Aufgaben eingesetzt. Dabei sollen Kompetenzen durch die Anwendung von Wissen in Kontexten erfasst werden. Darüber hinaus spielen Kontexte im Kompetenzbegriff eine entscheidende Rolle, da Kompetenz nach Klieme und Leutner (2006) als eine kontextualisierte Fähigkeit aufgefasst werden kann und Kontexte deshalb in Kompetenzmodellen Berücksichtigung finden sollten (vgl. Schecker & Parchmann, 2006). Allerdings ist der schwierigkeitserzeugende Einfluss der Kontexte in Testaufgaben bisher unbekannt, so dass er bei der Kompetenzmodellierung nicht berücksichtigt werden kann.
Im Rahmen dieser Arbeit wurde der Kontextbegriff für Kompetenzmessungen durch Testaufgaben durch die drei Bezüge zwischen Schüler, Situation und Inhalt definiert. Die Variablen oder Aufgabenmerkmale, die diese Bezüge charakterisieren, wurden aus der Literatur abgeleitet. Der Schüler-Situation-Bezug wurde durch Bekanntheit und Glaubwürdigkeit der Situationen bei den Schülern charakterisiert (van Vorst et al., in Vorb.) und durch das situationale Interesse (Krapp, 1999) der Schülerinnen und Schüler an der Situation ergänzt. Die Klassifizierung der Situation erfolgte durch die Merkmale textliche Darstellung und Themenfeld. Die Schnittstelle zwischen Situation und Inhalt bestimmt wesentlich das Lösungsverhalten, da die Schülerinnen und Schüler die relevanten physikalischen Informationen im Text identifizieren bzw. extrahieren und dann abstrahieren müssen. Dieser Prozess der Extraktion und Abstraktion wird durch die Sprachähnlichkeit des Textes zur Situation oder zum Inhalt beeinflusst. Der Inhalt wird durch die Merkmale Komplexität, Basiskonzept, kognitiver Prozess (Kauertz et al., 2010) und den Inhaltsbereich charakterisiert. Die drei Variablen des Schüler-Situation-Bezugs wurden in einer Fragebogenstudie untersucht, um unter Konstanthaltung dieser Merkmale in einer weiteren Studie Kompetenztestaufgaben zum Basiskonzept Energie zu konstruieren, die im Inhaltsbereich und der Sprachähnlichkeit variieren. So konnte der Einfluss dieser beiden Faktoren auf die Aufgabenschwierigkeit bestimmt werden. Diese Ergebnisse beider Studien, sowie das entwickelte Modell werden im Rahmen dieses Vortags vorgestellt. Verschiedene Anregungen/Möglichkeiten zur Ausweitung der wissenschaftlichen Untersuchungen sind in der Diskussion gerne willkommen.

Wann 18.04.2013
von 18:00 bis 19:30
Wo großer Konferenzraum, blauer Aufgang, EG
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