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Verbindlichkeit und Wandel in frühchristlichen Körperkonzepten

In frühchristlichen Schriften lässt sich beobachten, wie kulturelle Vorstellungen, etwa zur Sicht des Menschen und seiner Körperlichkeit, aus unterschiedlichen Bereichen aufgegriffen, modifiziert, neu kombiniert und zu eigenen Entwürfen verarbeitet werden. Die theoretischen Überlegungen zur Anthropologie stehen dabei in Wechselwirkung zu sozialer Praxis, die sich z.B. in Askese, der Gestaltung von Geschlechterrollen oder Reaktionen auf die Erfahrung von Martyrien ausprägt. Ein besonders fruchtbarer Ansatzpunkt sind dabei Schriften aus Nag Hammadi und verwandten Kodizes, die meist als „gnostisch“ eingeordnet werden. In ihnen ist die dynamische Verbindung von biblischen Traditionen und griechisch-philosophischen Ideen besonders deutlich sichtbar, zudem handelt es sich um mit die frühesten ausführlichen Darlegungen zu christlicher Anthropologie. Anhand dieser Zeugnisse, deren Positionen sich in der Entwicklung des Christentums überwiegend nicht durchgesetzt haben, sondern die als häretisch an den Rand gedrängt wurden, lässt sich außerdem der Prozess nachzeichnen, durch den bestimmte anthropologische und theologische Ansichten eine normative Geltung bekommen und Schriften kanonisch oder apokryph werden – und Überlegungen zu den Auswirkungen auf die sozialen Trägergruppen anstellen.

 

Ziele:

Nötig sind differenzierte Untersuchungen zu Einzelschriften wie z.B. dem Mariaevangelium, der Weisheit Jesu Christi oder dem Apokryphon des Johannes, die das jeweilige spezifische Profil erheben. Dies schließt an die aktuelle Forschungslage an, in der die Unterschiedlichkeit der Schriften verstärkt wahrgenommen wird, während der Aussagegehalt einer pauschalen Kategorisierung als „gnostisch“ problematisiert wird. Daneben bekommt die Verbindung zu frühchristlichen theologischen Entwicklungen auch aus anderen Bereichen sowie die soziale Verortung eine größere Bedeutung.

Ein weiterer Bereich sind übergreifende Themen, die auch in ihrer Wechselwirkung wahrgenommen werden. So stehen Körperkonzepte, Askese und Geschlechterrollen miteinander in Beziehung. Vorstellungen von Auferstehung betreffen die Anthropologie, spiegeln sich aber auch in christlogischen Konzepten und Darstellungen der Auferstehung Jesu. Der Prozess der Kanonisierung bedeutet eine Wertung und Einordnung von Schriften, wirkt sich aber auch auf die sozialen Kontexte aus und zeigt sich vielleicht schon bei der Abfassung von Schriften.

 

Literatur:

  • Hartenstein, J., Erscheinungsevangelien (Gespräche mit dem Auferstandenen) im Kontext frühchristlicher Theologie: Anknüpfungspunkte und Besonderheiten der christologischen Vorstellungen, in: Jens Schröter (Hg.), The Apocryphal Gospels within the Context of Early Christian Theology, BEThL 260, Leuven 2013, 305-332.
  • Hartenstein, J., Encratism, Asceticism, and the Construction of Gender and Sexual Identity in Apocryphal Gospels, in: A. Gregory, C. Tuckett (Hg.), The Oxford Handbook of Early Christian Apocrypha, Oxford University Press, Oxford 2015, 389-406.
  • Hartenstein, J., Weibliche Askese und christliche Identität im 2. Jh. n. Chr., in: Jung, M. / Bauks, M. / Ackermann, A., Dem Körper eingeschrieben. Verkörperung zwischen Leiberleben und kulturellem Sinn, Springer, Wiesbaden 2016, 213-226.
  • Hartenstein, J., Apokryphe Schriften – separate Gruppen? Gruppenidentitäten in frühchristlichen Evangelien, in: Bons, E. / Finsterbusch, K. (Hg.), Konstruktionen individueller und kollektiver Identität (II). Alter Orient, hellenistisches Judentum, römische Antike, Alte Kirche, BThSt 168, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, 197-216.
  • Hartenstein, J., Wie „apokryph“ ist das Evangelium nach Maria? Über die Schwierigkeiten einer Verortung, in: Niklas, T. / Moss, C.R. / Tuckett, C. / Verheyden, J. (eds.), The Other Side: Apocryphal Perspectives on Ancient Christian „Orthodoxies“, NTOA 117, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, 117-133.
  • Hartenstein, J., Die Weisheit Jesu Christi (SJC), in: Schröter, J. / Schwarz, K. (Hg.), Die Nag-Hammadi-Schriften in der Literatur- und Theologiegeschichte des frühen Christentums, STAC 106, Mohr Siebeck, Tübingen 2017, 249-264.