Workshop "Ökonomische Ordnungen und Normierungen in Literatur und Film"

Workshop: Ökonomische Ordnungen und Normierungen in Literatur und Film

Die oftmals mit ökonomischen (Un-)Ordnungen in Literatur und Film einhergehenden Marktkonstruktionen wurden bisher unterschiedlich intensiv in literatur- und kulturwissenschaftlichen Arbeiten erforscht. Während z.B. der Finanzmarkt bzw. die Börse vermehrt als (Un-)Ordnungskategorien in den Blick genommen werden, werden ältere und andere Marktund Ordnungsformen weniger beachtet. Auch das in Literatur und Film verarbeitete (Nicht-)Wissen über ökonomische (Un-)Ordnungen und der Einfluss von Literatur und Film auf wirtschaftstheoretische Ordnungs- und Normierungsversuche werden weniger analysiert. Neben diesen Punkten sollen im geplanten Workshop auch die mit ökonomischen (Un-)Ordnungen einhergehenden Eigentumsverhältnisse, Wettbewerbsstrukturen, Machtverhältnisse und Produktionsprozesse (wie z.B. Literatur der Arbeitswelt), ebenso wie ihre Transgressionen, Interdependenzen und Rechtfertigungsnarrative, betrachtet werden.
Auch die verschiedenen Facetten, Verräumlichungen und Ausdifferenzierungen von ökonomischen (Un-)Ordnungen, wie auch ihre Historizität und die unterschiedlichen Möglichkeiten und Funktionen ihrer literarischen und filmischen Ausgestaltung, sollen fokussiert werden. So lassen sich z.B. literarisch oder filmisch konstruierte Märkte nicht nur als Nicht-Orte oder Heterotopien lesen, die der Beobachtung oder Begegnung bzw. des Zusammentreffens verschiedener Figuren und Interessen dienen, sondern u.a. auch als Chronotopoi oder als Knotenpunkte von zeitabhängigen Raum-, Alteritäts-, Moral-, Literatur-
, Globalisierungs- und Ökonomiediskursen, mit denen Gleichheit und Ungleichheit bzw. (Un-)Ordnungen hergestellt und bestätigt oder zerstört und subversiv unterlaufen werden. Mit ihnen kann u.a. nach angemessenem Handeln gefragt, normwidriges, moralisch verwerfliches Verhalten diskursiv konstruiert und – wie z.B. Franziska Schößler durch die Analyse von Börsen- und Kaufhausdiskursen um 1900 gezeigt hat – Alterität hergestellt und fortgeschrieben werden oder versucht werden, dagegen anzuschreiben.

In literatur- und kulturwissenschaftlichen Interpretationen wird zudem vermehrt eine kapitalismuskritische Komponente der Texte und Filme betont, in denen marktbasierte Ordnungen und ihre Dynamiken verhandelt werden, was einerseits den negativ konnotierten Begriff Kapitalismus als ein instrumentalisierbares Schlagwort entlarvt und andererseits aber auch zeigt, welche (u.U. notwendigen) Normierungen Literatur und Film bzw. Literatur- und Kulturwissenschaften vornehmen. Die häufig mit dem Begriff des Kapitalismus implizierte Anspielung auf den ‚Mythos Markt‘ (Walter Otto Ötsch) und seine meist negativ bewerteten Auswirkungen können im Workshop ebenso diskutiert werden wie auch die räumlichen und/oder abstrakten Konstruktionen ökonomischer (Un-)Ordnungen samt ihres
Normierungspotentials.

Mögliche zu diskutierende Fragen könnten u.a. sein:
- Welche ökonomischen (Un-)Ordnungen, welche entsprechenden Gesetzmäßigkeiten und Mechanismen werden in Literatur und Film konstruiert oder unterlaufen?
- Wie werden ökonomische (Un-)Ordnungen verräumlicht oder auch enträumlicht?
- Wie lassen sich die verschiedenen literarisch oder filmisch konstruierten ökonomischen Ordnungen konzeptionell fassen und beschreiben?
- Welche Funktionen erfüllen sie in Literatur oder Film?
- Welche theoretischen Zugänge lassen sich für ihre Analyse nutzen?
- Welche diachronen und / oder synchronen Prozesse sind aufzeigbar?
- Wie werden Ungewissheiten, daraus resultierende Entscheidungen und Erwartungen konstruiert, die mit diesen Ordnungen einhergehen?
- Welche Gerechtigkeits-, Moral-, Religions-, Glaubens-, Politik- und (Un-)Freiheitsdiskurse, welche Normalitäts-, Identitäts- und Alteritätsdiskurse (z.B. Antijudaismus/Antisemitismus, Gender) oder (Post-)Kolonial-und Globalisierungsdiskurse spielen dabei eine entscheidende Rolle?
- Welche ökonomischen Ordnungen werden als robust, welche als ‚gestört‘ entworfen und wie werden mögliche ‚Störungen‘ bzw. ‚Schwächen‘ dieser Ordnungen konstruiert?
- Welches utopische oder dystopische Potenzial wird ökonomischen Ordnungen zugeschrieben?
- Welche Narrative werden für ihre Rechtfertigung oder ihre Kritik genutzt?
- Welches spezifische (vielleicht ohne Literatur und Film nicht vermittelbare) ökonomische, philosophische, literarische, historische Wissen wird durch Literatur und Film auf welche Weise vermittelt und welche diachronen Entwicklungslinien lassen sich dabei aufzeigen?
- Wie normieren oder ordnen literarische bzw. filmische Topoi ökonomische Ordnungen?
- Inwiefern normieren Literatur und Film und auch literatur- bzw. kulturwissenschaftliche Interpretationen (notwendigerweise?) ökonomisches Wissen?

Die Deadline des Calls ist verstrichen.

Den Call finden sie aber nach wie vor hier als PDF zum Download.

Wann 05.11.2018
von 00:00 bis 00:00
Wo Koblenz
Name
Termin übernehmen vCal
iCal