Rückblick auf den Ruanda-Tag 2016

Auf dieser Seite können Sie noch einmal den Ruanda-Tag 2016 an der Universität Koblenz-Landau in Koblenz revue passieren lassen und Inhalte aus Vorträgen nachlesen.

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Vortragstitel

Referent und Kontakt

Agroforstwirtschaft zum Schutz der natürlichen Ressourcen.

Prof. Dr. Dieter König, Universität Koblenz-Landau.

Email: dkoenig at uni-koblenz.de

Bereichernde Erfahrungen mit dem Entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramm (ENSA).

Andrea Laux, Integrierte Gesamtschule Enkenbach Alsenborn.

Email: andrea-laux at gmx.net

Die artenreichste Tiergruppe im artenreichsten Lebensraum: Käfer in den Nebelwäldern Ruandas.

Prof. Dr. Thomas Wagner, Universität Koblenz-Landau.

Email: thwagner at uni-koblenz.de

Zentren für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Ruanda.

Hans Tilly, Frühförderzentrum Trier.

Email: Hans.Tilly at web.de

 

 

Kurzversionen und Zusammenfassungen der Vorträge/Präsentationen:

 


Agroforstwirtschaft zum Schutz der natürlichen Ressourcen in Ruanda

Prof. Dr. Dieter König, Abteilung Geographie des Instituts für Integrierte Naturwissenschaften, Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, D-56077 Koblenz, dkoenig at uni-koblenz.de

Die Verknappung und die daraus resultierende Übernutzung der Landressourcen in Ruanda führt zur kontinuierlichen Abnahme der Flächenproduktivität durch Bodenerosion und -degradation und zu einem wachsenden Druck auf die Restwälder. In dieser Situation ermöglicht der Übergang zu einer agroforstlichen Bewirtschaftung durch Integration von Bäumen und Sträuchern in die landwirtschaftliche Fläche eine nachhaltige Intensivierung der Produktion von Nahrungsmitteln und Brennholz. Im Rahmen eines von der Universität in Koblenz durchgeführten Projektes wurden nahezu 7.000 ha Kulturland am Ostrand des Bergnebelwaldes Nyungwe in Agroforstsysteme überführt, um den Wald und seine einzigartige Biodiversität, das Klima und die Wasserressourcen zu schützen.


Bereichernde Erfahrungen mit dem Entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramm (ENSA)

Andrea Laux, IGS Enkenbach-Alsenborn, andrea-laux at gmx.net

In ihrem Vortrag im Rahmen des Ruandatags 2016 berichtete Frau Andrea Laux über die Bereicherung von Schulpartnerschaften, insbesondere der Schülerbegegnung zwischen der IGS Enkenbach-Alsenborn und der GS Kampanga. Ebenso wurde das Entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm (ENSA) thematisiert.

Begegnungsreisen im Rahmen von Schulpartnerschaften sind generell eine bereichernde interkulturelle Erfahrung. So können die Lebensbedingungen im Partnerland kennen gelernt und mit eigenen Augen gesehen werden, was schon bewirkt wurde. Zudem kann eine Schulpartnerschaft als neuer Ansporn und als Erfahrungsgewinn dienen und so als Motor für die Ruanda-Arbeit an der eigenen Schule dienen.

Das Projekt „Ruanda 2012: Wir werden Ruanda-Botschafter“ bestand in einer zweitägigen Begegnungsreise und einer Rundreise durch Ruanda. Die zehn mitreisenden Schülerinnen und Schüler sammelten während des Aufenthalts wertvolle Erfahrungen, welche Sie anschließend an der eigenen Schule durch Powerpoint-Präsentation den anderen Schülern vorstellten. Diese Projektarbeit war sehr schön und nachhaltig, jedoch nach Aussage von Frau Laux steigerungsfähig, sodass im Jahr 2015 das Projekt „Ruanda 2015: Zwei Welten? – Eine Gemeinschaft!“ ins Land gerufen wurde. Dieses Projekt bestand aus einer Begegnungsreise im Rahmen von ENSA (Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm). Einem „Outgoing 2015“ und einem „Incoming 2016“ (Gegenbesuch). Bedingung hierfür war das Finden einer passenden Partnerschule.

Was ist ENSA?

ENSA ist ein Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm von Engagement Global und arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Im Rahmen des Programms werden Schülerbegegnungen zwischen Nord- und Südpartnern gefördert und begleitet. Das Programm ist keine Konkurrenz zum Ruanda-Referat des Innenministeriums oder zum Verein Partnerschaft RLP-Ruanda, sondern wird als eine Ergänzung verstanden. Ziel ist es Schülerinnen und Schüler in ihrem entwicklungspolitischen Engagement zu stärken, zu motivieren und zu qualifizieren.  Zudem sollen Schülerbegegnungen als Lernfeld für nachhaltige Entwicklung im interkulturellen und globalen Lernen genutzt werden.

ENSA bietet eine finanzielle Förderung von 70 % der Flugkosten (max. 12 Pers.) sowie eine Tagespauschale pro Person. Die Förderhöchstsumme liegt bei 14.000 € pro Begegnung. Zudem werden die „Out-“ und „Incomings“ und eine intensive Begleitung der Begegnungen durch Vorbereitungs- und Nachbereitungsseminare gefördert.

Eine Interessensbekundung zur Teilnahme muss bis zum 5. September eines Jahres, eine Antragstellung bis Ende September erfolgen. Der Bescheid wird im Dezember zugestellt. Zwischen Januar und April findet eine Auftaktkonferenz mit einem anschließenden gruppeninternen Vorbereitungsseminar statt. Zwischen April und Oktober erfolgt dann die Begegnungsreise mit einem anschließenden gruppeninternen Nachbereitungsseminar. Mit der Evaluierungskonferenz im Oktober endet ein ENSA-Zyklus.

Gefordert werden im Rahmen des ENSA-Programms neben den formalen Kriterien wie z.B. Gruppengröße, Alter, Schlüssel Schüler/Begleitpersonen, Eigenanteil der Reisenden auch inhaltliche Kriterien wie das Partnerprinzip (Praktizierung einer Partnerschaft), Begegnung, Abstimmung aller Maßnahmen unter den Partnern, Mitwirkung von Jugendlichen, Vernetzung mit außerschulischen Partnern, Arbeit am Thema während der Begegnung und die Formulierung von Lernzielen.

ENSA an der IGS Enkenbach-Alsenborn

Die Umsetzung von ENSA an der IGS Enkenbach-Alsenborn bestand darin zum Jahresbeginn Informationen zum dem Programm einzuholen und erste Planungen zum schulinternen Vorgehen zu treffen. Ein Jahr vor der geplanten Begegnung wurde von über 20 Schülerinnen und Schülern eine „Planungs- und Auswahl-AG“ eingerichtet. So konnte aufgrund der Interessen eine Themenfeld, unter dem die Begegnung stattfinden soll, gefunden werden: „Zwei Welten? - Eine Gemeinschaft!“. Die Ziele innerhalb dieses Themas waren beispielsweise der Kulturvergleich (Schule, Freizeit, Musik, Tanz, etc., Geschlechterrollen, Zukunftsvorstellungen), aber auch die weltweiten Zusammenhänge und Abhängigkeiten, insbesondere am Beispiel Tourismus. Eine erste Dokumentation sollte vor Ort in Form eines kleinen Films erstellt werden.

Vor der Antragsstellung wurde stets E-Mail-Kontakt zu den verantwortlichen Personen der Partnerschule in Ruanda zum Austausch von Ideen und Vorstellungen gehalten. Hier kam es auch zur Anregung der Einrichtung einer Partnerschafts-AG an der Partnerschule. Zudem wurde ein detailliertes Programms mit Programmpunkten für alle Tage der Reise und einer intensiven Einbindung der Schülerinnen und Schüler fertiggestellt. Der offizielle Antragsteller ist der Verein Partnerschaft RLP-Ruanda. Die inhaltliche Hauptarbeit ist vom Verantwortlichen an der Schule zu leisten (Gesamtumfang ca. 30 Seiten). Parallel dazu muss die Organisation der Reise stattfinden sowie der Kontakt der deutschen Schüler mit ruandischen Partnern hergestellt werden (E-Mail). Nach dem Bescheid von ENSA wurden die Buchungen vor Ort getätigt (Quartier, Bus, evtl. Besichtigungen), der Kontakt zu den Seminarleitern aufgenommen und die Planung der Vorbereitungsseminare übernommen.

ENSA bringt bereits im Vorlauf einer Begegnung eine Sensibilisierung der verantwortlichen Lehrkräfte für verschiedene entwicklungspolitische Themen und Problemfelder mit sich. Die Verantwortlichkeit von Schülerinnen und Schüler werden gestärkt, was gleichzeitig einer Entlastung der verantwortlichen Lehrkräfte bedeutet. Zudem werden die Zusammenarbeit mit ruandischen Partnern und die Entwicklung eines dichten Prozesses zwischen allen Beteiligten gefördert.

 


 

Die artenreichste Tiergruppe im artenreichsten Lebensraum: Käfer in den Nebelwäldern Ruandas

Prof. Dr. Thomas Wagner, Abteilung Biologie des Instituts für Integrierte Naturwissenschaften, Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, D-56077 Koblenz, thwagner at uni-koblenz.de

In seinem Vortrag im Rahmen des Ruandatags 2016 berichtete Prof. Dr. Wagner über seine langjährige Arbeit mit der artenreichsten Tiergruppe in dem artenreichsten Lebensraum der Erde: Den Käfern in den Nebelwäldern Ruandas.

Thematisiert wurde beispielsweise ein standardisiertes Verfahren zur Erfassung der Arthropoden der Baumkronen mittels Baumkronenbenebelungen. Im Zeitraum von 1993 bis 2004 wurden mit dieser Methode rund 550 Bäume untersucht und so die Arthropodenvielfalt erfasst.

Die Artzugehörigkeit der Käfer kann über die Zuordnung zu Gruppen, Morphotypen oder auch dem DNA-Barcoding ermittelt werden. Notwendig sind hierfür die Sichtung der Primärliteratur, taxonomische Revisionen und die Überprüfung der Typen. Nicht möglich ist eine direkte Bestimmung im Gelände auf „normalen Wege“, da aussagekräftige Bestimmungsschlüssel nur für wenige Taxa vorhanden sind.

Insgesamt wurden auf diese Art und Weise rund 720.000 Arthropoden aus ostafrikanischen Wäldern untersucht, wovon ca. 130.000 Exemplare der artenreichsten Klasse der Insekten anhand von Morphotyen zugeordnet werden konnten – den Käfern. Rund 45.000 Exemplare sind im Museum König in Bonn präpariert und bisher sind 45 Taxonome involviert.

Im Zuge dieser Untersuchungen kam es zu einer Revision afrotropischer Galerucinae, einer Teilgruppe der Blattkäfer. Grundlage dieser Revision bestand zu 99 % aus Sammlungsmaterial von Museen. Durch die intensiven und langjährigen Untersuchungen konnten 259 Arten (davon 15 % Afrotropische Galerucinae) revidiert werden (120 Synonyme (46 %) + 107 neu beschriebene Arten = 246 aktuell valide Arten).

Des Weiteren wurde auf die Unterschiede der Beschreibung einer Käferart im 18. Jahrhundert und im Jahre 2000 eingegangen. Nachfolgend wurden verschiedene Beispiele von beschriebenen Käferarten anhand von verschiedensten Merkmalen aufgezeigt.


Zentren für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Ruanda

Hans Tilly, Frühförderzentrum Trier, Hans.Tilly at web.de

Im Oktober 2016 hatte ich einen Einsatz- entsandt von SES- in Ruanda. In gut zwei Wochen besuchte ich- vorbereitet und begleitet durch Jumelage, dem Partnerschaftsbüro vor Ort- in Kigali und allen vier Provinzen 17 Zentren für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Der Einsatz galt dem Kennenlernen der Zentren, aber auch im besonderen um eine Einschätzung zu bekommen u.a. zu Betreuungsqualität, Nachhaltigkeit der Angebote, Gemeinwesenorientierung und Inklusion. Der Fokus lag auch auf der Eruierung von Möglichkeiten für Frühförderung.
Basierend auf den Befunden haben das Team von Jumelage und ich folgende ersten Lösungsansätze / Empfehlungen entwickelt:
1) Etablierung eines Netzwerkes der Zentren in der Partnerschaft zum Austausch und zum Lernen vom anderen. Inzwischen haben 2 Netzwerkkonferenzen mit guten Ergebnissen stattgefunden. U.a. nehmen nun 18 MitarbeiterInnen der Zentren an einer Qualifizierungsmaßnahme (on the job) der Universität Ruanda in Kigali teil. Partner in Rheinland-Pfalz haben dafür die Kosten übernommen!
2) Ein Zentrum hat inzwischen- durch meine Initiative und meiner Unterstützung- ein Konzept zur Etablierung von Frühförderung vorgelegt und möchte dies im Zuge des Neubaus- soweit Ressourcen vorhanden sind- umsetzen. Das geplante Ressource- Center an der Universität wird dieses Vorhaben begleiten.
Damit vollzieht sich in der Partnerschaft ein Paradigmenwechsel hin zu mehr Qualität in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen und weniger Investition in Gebäude- Infrastruktur.