APRECO

Agroforestry for the Protection of Rainforest Ecosystems

 

Ruanda besitzt mit dem Nyungwe-Forest den größten Bergnebelwald Ostafrikas mit zahlreichen Arten, die weltweit nur in Ruanda oder am Zentralafrikanischen Graben vorkommen. Zugleich ist der Nutzungsdruck in dem mit mehr als 400 EW/km² extrem dicht besiedelten Land, dessen Bevölkerung um 2,8 % p.a. wächst und zu fast 90 Prozent von der Subsistenzlandwirtschaft lebt, sehr groß. Die meist nur Bruchteile eines Hektar großen Betriebsflächen werden permanent, jedoch ohne angepasste Intensivierungsmaßnahmen bewirtschaftet, so dass es zur schnellen Degradation der Bodenfruchtbarkeit durch Bodenerosion, Nährstoffentzug und -auswaschung kommt. Zur Kompensation der abnehmenden Flächenerträge wurde in der Vergangenheit wo immer möglich Neuland erschlossen. Die Erhaltung der Biodiversität und der geoökologischen Funktionen des Waldes (CO2-Senke, Wasserrückhalt und dezentraler Hochwasserschutz, Evapotranspiration und damit Aufrechterhaltung des für das Niederschlagsgeschehen im benachbarten Kulturland sehr bedeutenden kleinen Wasserkreislaufes) nach dem „Glasglockenprinzip“ ist unter diesen Rahmenbedingungen unmöglich; vielmehr erfordert diese eine nachhaltige Intensivierung der land- und forstwirtschaftlichen Produktion in den Randzonen.

Das Projekt arbeitet im Distrikt Nyaruguru, dem südlicheren der beiden an den Bergnebelwald Nyungwe angrenzenden Distrikte der aus insgesamt acht Distrikten bestehenden Südprovinz Ruandas. Der Distrikt erstreckt sich über eine Fläche von 1010 km² und besteht aus 14 Sektoren und 332 Dörfern; die Projektarbeit konzentriert sich auf die vier unmittelbar an den Nebelwald an-grenzenden Sektoren, ohne die übrigen jedoch auszuschließen. Das Projekt arbeitet mit drei deutschen und insgesamt 15 ruandischen Mitarbeitern.

In den Dörfern erfolgt zunächst eine Sensibilisierung der Bevölkerung: In Kooperativen und Assoziationen zusammengeschlossene Kleinbäuerinnen und -bauern werden für die aus den aktuellen Landnutzungsmethoden resultierenden Probleme wie Bodendegradation und -erosion und Raubbau an den Wald- und Forstressourcen sensibilisiert und durch im Projekt angestellte Agrarberater in einem partizipativen Verfahren bei der Umstellung ihrer Betriebe zu einer öko-logisch nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft (Agroforstwirtschaft) beraten. Die Beratung erfolgt auf eigens hierfür angelegten Demonstrationsfeldern sowie im Rahmen von Besuchen der Agrarberater auf den von den Kooperativen und Assoziationen gemeinschaftlich bewirtschafteten Flächen.

In den einzelnen Sektoren werden jeweils mehrere Baumschulen angelegt, in denen die zur Umstellung auf Agroforstwirtschaft erforderlichen Bäume (insbesondere einheimische Arten wie Polyscias fulva, Maesopsis eminii, Entandrophragma excelsum und Croton megalocarpus) und Sträucher (insbesondere stickstofffixierende Leguminosensträucher wie Calliandra calothyrsus, Tephrosia vogelii und Leucaena leucocephala) in großer Zahl herangezogen werden. Angestrebt wird eine Produktion von 1,4 Mio. Bäumen und Sträuchern pro Jahr.

Zusammen mit den Bauernvereinigungen, die ihre Betriebe auf eine ökologisch nachhaltige Land- und Forstwirtschaft umstellen wollen, wird ein Agroforst-Schutzgürtel in der Randzone des Nyungwe Forest  angelegt, der den Nutzungsdruck auf den angrenzenden Wald durch eine integrierte Holzproduktion auf der Landwirtschaftlichen Fläche vermindern soll. Die Projektaktivitäten beschränken sich jedoch nicht allein auf den Waldrand, sondern erstrecken sich auch auf auch weiter entfernte, dicht besiedelte Teilräume des ruandischen Zentralplateaus. Dort, wo der Wald von einem Forstsaum oder von Teeplantagen umgeben ist, arbeitet das Projekt in dem an diesen Saum angrenzenden Bereich. Dabei soll sowohl Wertholz als auch schnell nachwachsendes Brennholz (durch Einsatz von Arten, die zu starkem Stockausschlag neigen) produziert werden. Zugleich werden die Flächen durch Pflanzung höhenlinienparalleler Leguminosenhecken vor Oberflächenabfluss und Bodenabtrag geschützt.

Das Projekt bezieht bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen die entsprechenden ruandischen Behörden, die Parkverwaltung und die Mitarbeiter der lokalen Administration in der Projektregion mit ein. Auf diese Weise – sowie durch Ausbildung der im Projekt und in den mit dem Projekt kooperierenden Sektoren angestellten Agrarberater – trägt das Projekt zum Capacity Building bei und gewährleistet eine Weiterführung der Maßnahmen nach Projektende.

 

Schüler in Primar- und Sekundarschulen sollen durch Unterricht auf den Gebieten „Ressourcenschutz“ und „Agroforstwirtschaft“ für den Wert und die landschaftsökologischen Funktionen des Waldes sensibilisiert werden und von klein auf nachhaltige, ökologisch angepasste Anbauverfahren in Theorie und insbesondere in der Praxis kennen lernen („learning by doing“: Anlage von Schulgärten und Baumschulen, Kompost-bereitung, gemeinsame Baumpflanzaktionen u.a.).

Studierende der Nationaluniversität in Butare, sowie weiterer Hochschulen in Ruanda und Deutschland sollen insbesondere im Rahmen von durch das Projekt geförderten Praktika und Abschlussarbeiten die Gelegenheit erhalten, ökologisch angepasste Landnutzungsmethoden in der Praxis kennen zu lernen und bei der nachhaltigen Umgestaltung der ruandischen Kulturlandschaft mitzuwirken.

Das Projekt wurde mit insgesamt 1,6 Mio. Euro gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert.