Förderprogamm "Digitale & Hybride Lehre"

Das Förderprogramm „Digitale und Hybride Lehre“, eine Teilmaßnahme aus dem Projekt DigiKompaSS unterstützt die Weiterentwicklung und Skalierung qualitativ hochwertiger Lehrkonzepte, die von Lehrenden, studentischen Initiativen oder Fachbereichen und zentralen Einrichtungen am Campus Landau entwickelt wurden. Im Fokus stehen dabei digitale/hybride Lehr-Lern- und Support-Settings. Gefördert werden Formate, die neu- oder weiterentwickelt und erprobt sowie auf andere (Fach-)Kontexte transferiert werden. Ziel ist es Innovationen in der Lehre zu fördern, Best-Practice Formate zu identifizieren und weiterzuentwickeln sowie den Transfer in andere Kontexte zu unterstützen. Um die Ziele zu erreichen, stehen bis 2024 drei Förderrunden an.

Geförderte Projete aus der ersten Förderrunde (bis 30.09.2022)

Zur Zeit werden sechs Projekte aus unterschiedlichen Fachbereichen der Universität Koblenz-Landau Campus Landau gefördert.

In dem Projekt „Digitale Exkursion: Gewässer erforschen – Zusammenhänge verstehen – Biodiversität schützen (DigiEx)“ soll Studierenden der Studiengänge Bachelor Umweltwissenschaften und Lehramt Biologie die Möglichkeit gegeben werden, die Ökosystemforschung Anlage Eußerthal (EERES) digital zu besuchen. Mit Hilfe von 360°-Bildern wandern die Studierenden durch die Forschungsstation und das Gelände im Eußerthal. Dabei lernen sie anhand von 11 Modulen gewässerökologische Themen (wie z.B. heimische Fischfauna, Gewässerentwicklung, Relevanz von Auenbereichen und wissenschaftliche Messmethoden) durch unterschiedliche didaktische Methoden kennen.

Ziel des Projektes DigiEx ist die Sensibilisierung für das Thema “Fließgewässer und deren Bedeutung für die Natur und Gesellschaft” und die Vermittlung von aktuellen gewässerökologischen Forschungsthemen.

Projektverantwortliche: Dr. Tanja Joschko

Fachbereich 7 Natur- und Umweltwissenschaften, Institut für Umweltwissenschaften, Ökosystemforschung Anlage Eußerthal

Das Seminar mit dem Titel “Semiotic Landscaping: The documentation, analysis and pedagogical use of multilingual and multimodal scapes” (SoSe 2022, 2 SWS) richtet sich an Master of Education (M.Ed.) Studierende mit Hauptfach Englisch.

Das Seminar verfolgt vornehmlich zwei Ziele: Zum einen sollen „(Sprach)Räume“ des englischsprachigen Auslands deutschen Studierenden (und perspektivisch auch SchülerInnen) des Fachs Englisch zugänglicher gemacht werden und authentischere Erkundungen ermöglicht werden, als dies z.B. anhand von Lehrwerken möglich ist. Hierzu soll das didaktisch-methodische Potenzial der Software „Thinglink“ eruiert werden, die es Lehrenden ermöglicht, visuelle und interaktive Erfahrungen für schülerzentriertes Lernen zu erstellen. Das Transportieren englischsprachiger Kulturräume in den Fremdsprachenunterricht mithilfe von didaktisch aufbereiteten interaktiven Graphiken (Fotos, 3D-Modellen, Videos) trägt der motivierenden und anregenden Bedeutung von Authentizität im Englischunterricht Rechnung, die u.a. explizit in den Lehrplänen des Landes RLP gefordert wird.

Zum anderen soll das Vorkommen von „environmental English“ im unmittelbaren Umfeld der Lernenden dokumentiert und interpretiert werden, u.a. mithilfe einer (Bild)Datenbank. Hierzu ist Feldforschung in Landau und Kaiserslautern geplant: Die Studierenden unternehmen einen sogenannten „environmental print walk“, bei dem englischsprachige/multilinguale „Zeichen“ (wie z.B. Aufkleber mit sozio-politischen Botschaften, Graffiti/Wandmalereien, Wahlplakate, Werbeplakate, Schaufensterschriftzüge, Straßenschilder) mithilfe einer Digitalkamera festgehalten und in einer Bilddatenbank weiterverarbeitet werden (Tagging, Kreuzbezüge). Das Aufzeigen des Vorkommens englischsprachiger „Linguistic Landscape“ Items in der unmittelbaren Umwelt der Lernenden ermöglicht zum einen das Anknüpfen an bereits Bekanntes (insbesondere für SchülerInnen) und regt zum anderen zu einer (kritischen) Reflexion über die Rolle des Englischen als Globalsprache an. 

Für die erste Hälfte des Seminars (Semesterwoche 1-6) sind sowohl asynchrone digitale Elemente als auch Präsenzlehre in den Seminarräumen der Universität angedacht. Anhand von Lehrvideos (Camtasia) sollen die Studierenden einen Überblick über den sprachwissenschaftlichen Forschungszweig der „Linguistic/Semiotic Landscape Studies“ erhalten – über die theoretischen Grundlagen und Ziele dieses Ansatzes, die methodische Vorgehensweise bei der Dokumentation von semiotischen Landschaften, und das Anwendungspotenzial für die schulische Lehre (Englisch als FS). In den 2-wöchig stattfindenden Seminarsitzungen werden diese Inhalte vertieft und auf neue Beispiele übertragen.

In der zweiten Seminarhälfte betreiben die Studierenden dann selbst „Linguistic Landscaping“; es kommen demnach außer-universitäre Lernorte hinzu sowie das gemeinsame Erstellen von Online-(Bild)Datenbanken und interaktiven Grafiken (Thinglink). Dies kann in Teilen ggf. im Selbstlernzentrum (SLZ) der Universität stattfinden, oder aber kollaborativ online. Das didaktische Format sowie die Auswahl der e-Learning Werkzeuge werden mehreren Anforderungen an die digitale Lehre gerecht. Zum einen handelt es sich um einen nachhaltigen Ansatz: Durch das Erstellen von Lernvideos sowie von erweiterbaren (Bild)Datenbanken und interaktiven Graphiken können die Materialien mehrfache Anwendung finden und – ggf. in modifizierter Form – als Input-Quelle in diversen Bildungskontexten dienen. Gleichzeitig erwerben die Studierenden, und hier insbesondere die studentischen Hilfskräfte, durch die unmittelbare Mitwirkung am Projekt Medienkompetenz (z.B. bei der Erstellung von interaktiven Graphiken und der Einpflegung des gesammelten Materials in Datenbanken), und ihr Sehverstehen (viewing comprehension) wird geschult. Letzteres nimmt kontinuierlich an Wichtigkeit zu aufgrund des fast unüberschaubaren multimodalen, medial aufbereiteten Informationsangebots, mit dem die Lernenden (und angehenden LehrerInnen) täglich konfrontiert werden.


Projektverantwortliche: Dr. Monika Reif

Fachbereich 6, Institut für fremdsprachliche Philologien, Fach Anglistik

Das Modul "Mensch und Arbeit" wird ein Pflichtmodul im geplanten Studiengang M.Sc. Human Resource Management & Organizational Behavior sein. Dieser Studiengang ist als gemeinsames standortübergreifendes Angebot der neuen TU konzipiert. Daher wird ein didaktisches Konzept benötigt, das gewährleistet, dass Studierenden beider Standorte das Modul belegen und unabhängig von ihrem Standort bedarfsorientiert, qualitativ hochwertig betreut werden können. Dazu setzt das Lehr- und Lernkonzept auf drei didaktische Elemente: (1) Blended Learning in gespiegelten Seminarräumen (Präsenzlehre wird in einen digitalen Seminarraum übertragen), (2) Avatar-basiertes Lehren und Lernen in virtuellen Lernwelten (Studierende und Dozent*innen treffen sich als virtuelle Avatare zu Austausch und Zusammenarbeit), und (3) Digitale Teamarbeit in standortübergreifenden Studierendengruppen (unter Einsatz digitaler Tools für Durchführung von Webkonferenzen, Projektmanagement, kollaborative Dokumentbearbeitung und Instant Messaging).

Das neu zu konzipierende Modul "Mensch und Arbeit" besteht aus zwei Seminaren: "Individuelles Verhalten in Teams und Organisationen" und "Job and Work Design". Im ersten Seminar setzen sich die Studierenden intensiv mit theoretisch-konzeptionellen Ansätzen und empirischen Studien zum Verhalten von Menschen in Organisationen sowie mit teamdynamischen Prozessen und ihren Auswirkungen auf das Verhalten von Teammitgliedern auseinander. Lernziele des zweiten Seminars sind die Vermittlung eines Verständnisses für alternative Organisationsmodelle sowie die Vermittlung der Fähigkeiten zur kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen der Arbeitsgestaltung in Organisationen und zur Bewertung der Chancen und Risiken neuer digital-unterstützter Arbeitsformen und -modelle. Zwei zentrale Schlüsselkompetenzen, die im Modul vermittelt werden sollen, sind die Fähigkeiten zur (Zusammen-)Arbeit in zukünftigen digitalen Arbeitswelten und zur bedarfsgerechten Gestaltung dieser Arbeitswelten.

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Gisela Gerlach

Fachbereich 6, Institut Sozialwissenschaften, Abteilung Wirtschaftswissenschaft

Die Vorlesung wurde im Sommersemester 2020 unter besonderer Berücksichtigung der Herausforderungen der Covid-19 Pandemie vollständig neu entwickelt. Im SS 2020 fand die Vorlesung digital und asynchron auf der Plattform Mahara statt. Im Sommersemster 2021 wurde sie um synchrone Anteile (4 Kasuistik Sitzungen, Plattform: Zoom) ergänzt. Eine Studierendenkolleg -Tutorin unterstützt die Vorlesung im Wintersemster 2021/2022. Das Lehrziel der Vorlesung ist die Vermittlung von Wissen über die häufigsten psychischen Störungen des Erwachsenenalters. Die Studierenden erwerben Kenntnisse über Erscheinungsformen, Klassifikation und charakterisierende Merkmale, die Entwicklung und den Verlauf von psychischen Störungen (Kompetenz 1) und können diese angemessen anwenden zum Beispiel im Rahmen von klinischer Diagnostik (Kompetenz 2). Sie kennen verschiedene Modelle und Theorien zu psychischen Erkrankungen und sind in der Lage, sich mit ihnen kritisch auseinanderzusetzen und den Bezug zu Grundlagen der Psychologie herzustellen (Kompetenz 3).

Das Ziel ist, die Vorlesung in die Präsenzlehre zu überführen, ohne auf die mehrfach als exzellent bewerteten digitalen Anteile zu verzichten. Es ist ein Blended-Learning Flipped Classroom Konzept vorgesehen. Der Kurs wird geteilt, so dass jede Woche bis zu 80 Studierende in Präsenz erscheinen, während die andere Hälfte in der Zeit digitale Inhalte (Mahara, adressiert Kompetenz 1) bearbeitet. Für die Präsenz werden Methoden des Flipped Classrooms angewandt: z.B. "Think Pair Share", Aktives Plenum, Rollenspiele um das erworbene Wissen zu vertiefen und das kritische Reflektieren sowie die praktische Anwendung von Diagnostik zu trainieren (Kompetenzen 1 und 2). Zusätzlich finden Kasuistiken statt (Kompetenz 1). Auch in Präsenz werden digitale Werkzeuge eingesetzt (z.B. oncoo) und Ergebnisse daraus in Mahara eingespeist. Intelligente Tutorielle Systeme werden u.a. zum regelmäßigen Testen eingesetzt, damit in Präsenz Studierende mit Vorwissen uns somit auf hohem Niveau mitarbeiten.

Projektverantwortliche: Prof. Dr. Julia Glombiewski

Fachbereich 8 Psychologie

Der Olat-Kurs „Elternberatung im Lehrerberuf - Beratung lernen digital“ zielt auf die Entwicklung der Beratungs- und Gesprächskompetenzen von Lehramtsstudierenden. Zentrale Lernziele sind die Förderung der Fähigkeiten zur (1) theoriebasierten Analyse von authentischen Beratungsgesprächen mit erfahrenen Lehrkräften und zur (2) theoriebasierten Reflexion eigener Erfahrungen mit simulierten und aufgezeichneten Lehrer-Eltern-Gesprächen, die in Form digitaler Videos bereitgestellt werden. Damit soll die Verbindung zwischen Theorie und Praxis gestärkt werden.

Der Online-Kurs folgt einer Wochenstruktur mit Aufgaben zum Literaturstudium und mannigfachen Reflexionsaufgaben auf Basis digitaler Videos, die inhaltlich aufeinander aufbauen und sukzessive in asynchronen Lernphasen wöchentlich bearbeitet werden. Individuelles Selbststudium, kollaborative und selbstorganisierte Bearbeitung sowie adaptives Feedback werden kombiniert. Fachwissen wird verknüpft mit Fällen aus der Schulpraxis.

Projektverantwortlicher: Dr. Frank Behr

Fachbereich 5, Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften

Das Projekt „Mathematik Lehren eigenverantwortlich authentisch digital (MatheLead)“ bietet Lehramtsstudierenden im Rahmen des freien Workloads der Bildungswissenschaften ein hybrides Lehr-Lern-Praktikum mit dem Schwerpunkt Individualisierung durch Grundvorstellungen. Sie betreuen als Coaches SchülerInnen mit pandemiebedingten Lernschwierigkeiten in individualisierten Förderkursen. Die SchülerInnen erforschen in Vierergruppen gegenständliche und digitale Materialien und erarbeiten sich Grundvorstellungen zu zentralen mathematischen Konzepten.

In einem Begleitseminar erarbeiten sich die Studierenden zu Beginn in digitalen Selbstlernumgebungen fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Grundlagen zu Heterogenität und Grundvorstellungen (nach Malle, Kortenkamp, Siller, Roth), Interventionen (nach Zech), Reflexion des Lehrerhandelns (ALACT nach Kortenhagen), sowie Mediendidaktik (Pallack, Girnat). Angeleitet vom Dozenten reflektieren die Coaches nach jedem Präsenztreffen im Team ihre Beobachtungen und Diagnosen der individuellen Lernstände sowie die eingesetzten Interventionen und individuellen Fördermaterialien. Die Studierenden schlüpfen im geschützten und angeleiteten Rahmen der Kurse in die Rolle der Lehrkraft und bilden Handlungsoptionen bezogen auf Individualisierung, Lernmanagementsysteme sowie digital-gestützte Unterrichtssequenzen heraus.

Die Förderung im Programm „Digitale und Hybride Lehre“ ermöglicht es uns die Kurse auf digitale Kurse ergänzt um Experimentierboxen für zuhause weiterzuentwickeln. Dabei stützen wir uns auf Erfahrungen mit digital ausgerichteten Besuchen unseres Schülerlabors mit der Unterstützung einzelner Studierender während der Lockdowns.

Mit dem Lehr-Lern-Praktikum begegnen wir zwei drängenden Problemen in der Pandemie: fehlende Möglichkeiten für Unterrichtspraxis im Studium und individuelle Lernrückstände bei SchülerInnen. Darüber hinaus fördern wir praxisorientiert digitale Unterrichtskompetenzen der Lehramtsstudierenden, wie etwa die fachdidaktisch fundierte Konzeption und Nutzung digitaler Lernmanagementsysteme und Unterrichtselemente.

Projektverantwortliche: Dr. Susanne Digel

Fachbereich 7, Institut für Mathematik

 

 

Weitere Informationen

Die zweite Ausschreibungsrunde ist abgeschlossen. Es werden in der zweiten Förderrunde fünf Projektvorhaben gefördert. In Kürze werden die Projekte hier erscheinen.

 

Ansprechperson für alle Anliegen und Fragen

Anna-Maria Höfler

 +49 (0)6341 28032290

  fp-digilehre at uni-landau.de

 GFD 02.24