Mathezirkel

Mathezirkel Steckbrief

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Prof. Dr. Stefan Siller

 

Ansprechpartner

Prof. Dr Stefan Siller, Katharina Manderfeld, Jennifer Lung

 

Link zur Homepage

mathezirkel.uni-koblenz.de

 

Kurzbeschreibung des Lernortes

„Es gibt nichts Ungleicheres als die gleiche Behandlung von ungleichen Menschen“ (Thomas Jefferson). Die Forderung nach Chancengleichheit beinhaltet die optimale Bildung für alle, also folglich auch für die Besten. Die Diagnose und Förderung begabter Schülerinnen und Schüler ist eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft. Gerade eine Industrienation kann es sich nicht leisten, das Begabungspotential zu vernachlässigen, wenn sie den hohen wissenschaftlichen und technischen Standard halten will (vgl. Holling et al. 1999 und Feger et al. 1998). Dieser Verantwortung muss sich auch die Universität stellen, die für die Ausbildung wissenschaftlicher Nachwuchskräfte mitverantwortlich ist. Es gibt mehrere Möglichkeiten, hochbegabte Schülerinnen und Schüler zu fördern. In der Schule wird häufig die Akzeleration angewendet. Sie bedeutet ein schnelleres Durchlaufen der Schullaufbahn. Dies wird beispielsweise durch eine frühe Einschulung, das Überspringen von Klassen oder sogenannten D-Zug-Klassen umgesetzt. Die Schülerinnen und Schüler lernen den gleichen Stoff in einer kürzeren Zeit. Es ist dabei nicht unumstritten, ob es einen negativen Einfluss auf die Schülerinnen und Schüler hat, wenn sie mit älteren, emotional, biologisch und sozial weiter entwickelten Kindern unterrichtet werden (vgl. Jost 2008). Eine Förderung kann jedoch auch durch eine Vertiefung und Verbreiterung der Lerninhalte erfolgen. In diesem Fall spricht man von Enrichment. In der Schule wird dies häufig durch Plus-Kurse oder Arbeitsgemeinschaften geleistet. Schülerwettbewerbe wie „Jugend forscht“ oder auch die Mathematik-Olympiaden sind ebenfalls Enrichment-Angebote (vgl. Holling et al. 1999, Brunner et al. 2005 und Anderski 2003). Sommercamps oder eben auch Mathematikzirkel sind eine gute Möglichkeit der Universitäten eine außerschulische Anreicherung bei den Schülerinnen und Schülern zu bewirken und somit Teil der Begabungsförderung zu sein.Nicht alle begabten Schülerinnen und Schüler sind gleich. Folglich brauchen sie auch nicht die gleiche Förderung, um ihre Begabung zu entfalten (vgl. Brunner et al. 2005). Ein umfangreiches Angebot auch über den Unterricht in der Schule hinaus ist daher besonders wichtig, damit möglichst individuell gefördert werden kann. Die zu bearbeitenden Aufgabenstellungen müssen folglich sehr offen sein und einen komplexen Zusammenhang darstellen, in dem sich jede Schülerin und jeder Schüler frei entfalten kann.Die Förderung mathematisch Interessierter und Begabter ist am Industrie- und Gewerbestandort Deutschland von großem Interesse, da mit der Entwicklung mathematischer Kompetenzen auch die Entwicklung damit verbundener Kompetenzen insbesondere im Finanz-, Versicherungs-, Gewerbe- und Industriesektor einhergeht und Weiterentwicklung stattfinden kann. So versteht sich der Mathematikzirkel insbesondere als Enrichment zum schulischen Unterricht. Er bietet die Möglichkeit, außerhalb der Schule Mathematik zu betreiben und Einsichten zu erhalten, die auch im zukünftigen Berufsfeld interessant sein können. Es handelt sich nicht um einen Wettbewerb, sondern um die Thematisierung mathematischer Inhalte in Anlehnung an das wissenschaftliche Arbeiten in der Universität bzw. praktische Arbeiten in der Wirtschaft. Zum einen sollen so die mathematischen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler erweitert sowie vertieft werden und zum anderen soll das Interesse an der Mathematik auch gesteigert werden. Dazu stehen Themen im Vordergrund, die in der Schule gar nicht oder nur im Ansatz behandelt werden (Finanzmathematik, Industrie- und Techno-Mathematik, usw.). Den Schülerinnen und Schülern werden die Inhalte zum Teil vorlesungsähnlich und damit weitestgehend in der Fachsprache vermittelt. Damit bekommen Sie eine erste Vorstellung davon, wie das Studium an einer Universität, wie auch der Universität Koblenz-Landau in dem neuen Studiengang „Mathematische Modellierung komplexer Systeme“, aussehen kann. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Schüleraktivierung. Es werden Problemstellungen in Einzelarbeit oder in kooperativen Lernformen behandelt und von den Schülerinnen und Schülern in aller Regel eigenständig gelöst. Darüber hinaus werden innerhalb einzelner Themen „Mini-Projekte“ vergeben, die von den Schülerinnen und Schülern über einen längeren Zeitraum auch außerhalb des Mathematikzirkels erarbeitet und in kleinen Mini-Symposien innerhalb des Zirkels vorgestellt werden. Hier besteht auch die Chance für externe Partner Problemstellungen zur Verfügung zu stellen, die von Schülerinnen und Schüler bearbeitet werden und somit Lösungen zu erhalten, die ggf. in der Praxis eingesetzt werden (vgl. Modellierungsproblem zum Stapeln von Bremsscheiben der Firma TRW, die eine Schülerlösung einsetzt). Der Mathematikzirkel findet an der Universität Koblenz-Landau am Campus Koblenz statt. Somit stehen die Schülerinnen und Schüler im direkten Kontakt zur Universität sowie zu Unternehmen, die sich hier miteinbringen wollen. Sie lernen die Örtlichkeiten bereits kennen und können ggf. Kontakte knüpfen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit ab der Oberstufe am Frühstudium teilzunehmen und damit ein weiteres Angebot der Universität Koblenz-Landau als Enrichment zum Unterricht zu nutzen. Darüber hinaus werden auch Studierende in dieses Konzept miteinbezogen. Im Rahmen des fachdidaktischen Seminars zu Modul 5c) beispielsweise werden Studierende eine Sitzung des Mathezirkels selbst gestalten und die Arbeit bzw. Förderung begabter Schülerinnen und Schüler selbst erproben, um erste Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln. Auch bezogen auf das Thema Diagnostik kann eine Gruppe von Studierenden am Mathezirkel teilnehmen und die Arbeitsweise der Schülerinnen und Schüler studieren. Die Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler am Ende der Sekundarstufe I (8–10. Klasse), die besonders interessiert an der Mathematik sind oder über besondere Begabungen im mathematischen Bereich verfügen. Folglich muss keine Aufnahmeprüfung oder Empfehlung einer Lehrkraft vorliegen, um an diesem Angebot teilzunehmen. LiteraturAnderski, Ch. (2003). Begabte Kinder hoch begaben. Fachbuchreihe Hochbegabung Band 1.Düsseldorf: Alein Verlag. Brunner, E., Gyseler, D.& Lienhard P. (2005). Hochbegabung – (k)ein Problem? Handbuch zur interdisziplinären Begabungs- und Begabtenförderung. Zug: Klett und Balmer Verlag.Feger, B. & Prado, T. (1998). Hochbegabung. Die normalste Sache der Welt. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.Holling, H. & Kanning, U.P. (1999). Hochbegabung. Forschungsergebnisse und Fördermöglichkeiten. Göttingen: Hogrefe.Jost, M. (2008). Hochbegabte erkennen und begleiten (Ein Ratgeber für Schule und Elternhaus). Wiesbaden: Universum Verlag.Tietze, J. (2015). Einführung in die Finanzmathematik (12., erweiterte Auflage).  Wiesbaden: Springer Spektrum.Tietze, J. (2015). Übungsbuch zur Finanzmathematik (8., verbesserte Auflage). Wiesbaden: Springer Spektrum.


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